Zur Meinungsfreiheit westlicher Gesellschaften zählt das Recht zur missverständlichen Überzeichnung.
   
04.01.2010 - dradio.de

 

 

   
Thema des Tages:

25.
Januar 1909

'Wer bist du fremder Mensch?'

 

 

 
     
 

Uraufführung der 'Elektra' von Richard Strauss in Dresden, die erste  'Gemeinschaftsproduktion' von Hofmannsthal als Textdichter und Strauss als Komponist war im September 1908 fertiggestellt worden.

Nachdem Strauss im Dezember 1900 den Vorschlag von Hofmannsthal zurückgewiesen hatte, nach dessen Vorlage ein Ballett zu komponieren, fragte er im März 1906 bei Strauss an, wie es denn mit 'Elektra' wäre, Strauss antwortete postwendend am 17. März 1906, dass er die größte Lust auf 'Elektra' und den Text sich schon ganz schön zusammengestrichen habe. Ob er allerdings die Kraft fände nach der Salome den 'Elektra'-Stoff 'in voller Frische' bearbeiten zu können oder ob er ihn ein paar Jahre liegenlassen solle, habe er sich selbst gegenüber noch nicht beantwortet.

Hofmannsthal gelang es, die Strauss'schen Bedenken zu zerstreuen, als er argumentierte, die Übereinstimmung mit der 'Salome' bestünde nur darin, dass die Oper *Elektra' auch einen Frauennamen als Titel trage, dass es sich ebenfalls um einen Einakter handele, der auch wieder im Altertum spiele und dass die Eysoldt beide Rollen in Berlin kreiert habe.
Im Unterschied zur 'Salome', wo alles purpur und violett sei, habe man bei der 'Elektra' Nacht und Licht, schwarz und hell.

 

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Ernst von Schuch dirigierte die erste Vorstellung und es war ob des völlig Neuen, was dem Publikum geboten wurde, immerhin ein 'anständiger Achtungserfolg' wie es Strauss selber bezeichnete, obwohl mancher im Publikum keine Musik in ihrem eigentlichen Sinne einer Reihung von Melodien und wie man sie zu der Zeit der vorherigen Jahrhunderte vernehmen konnte, zu erkennen war.
 
Schuch war genauestens vorbereitet. Man konnte den Eindruck gewinnen, er dirigiere das Werk schon um 20-sten Mal.

Die Elektra war Annie Krull, der Orest Carl Person - die Klytämnestra war wohl mit Ernestine Schumann-Heink nicht gut besetzt.
Strauss kritisierte, dass sich sein Gesangsstil von dem Wagners unterscheide und die Schumann-Heink sich zu sehr im 'Wagner Belcanto' verloren habe.
 
 

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Um 'Missverständnisse zu vermeiden:

Ich verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen, sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes.

Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und Satire.

Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.

Dieter Hansing

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