Zur Meinungsfreiheit westlicher Gesellschaften zählt das Recht zur missverständlichen Überzeichnung.
   
04.01.2010 - dradio.de

 

 

   
Thema des Tages:

16.
Januar 2011

 'Schiller im Selbstversuch -
- wie deutsche Theater Bildung an Jugendliche vermitteln.'
 
 

 

 
     
 

http://www.goethe.de/kue/the/tst/de4694871.htm

Seminare der Frau Plate an der Berliner Schaubühne können im Sinne der angestrebten Bildungsvermittlung kaum Erfolg haben, wenn diese Einführungsveranstaltungen nicht in Verbindung mit der am gleichen Theater gezeigten Produktion des jeweiligen Werkes stehen.

Dass die Teilnehmer - übrigens nicht nur Jugendliche, sondern auch Senioren - meinen, in einem Theaterraum durch 'Spielchen' dem Stück und dem Autor und dessen Intentionen nahe zu kommen, ist ein Irrtum und es stellt sich bereits hier - bei derartigen Einführungsseminaren - die Frage, ob die Schaubühne dem Bildungsauftrag gerecht wird oder ob da nicht schon in diesem kleinen Seminarrahmen Subventionen verschwendet werden.

 

to top

Dass Dramaturgen- bzw. Intendanten-Willkür die Werke entstellt, zeig sich beispielsweise bei Schillers 'Kabale und Liebe', als an der Berliner Schaubühne die zentrale Rolle des Hofmarschalls von Kalb gestrichen ist.

Wenn Herr Khuon in dem oben verlinkten Artikel für das Goethe-Institut meint:
"„Kunst hat das Recht, kompliziert zu sein“,
und weiter
"Aber umgekehrt hat der Zuschauer genauso das Recht, von uns zu erfahren, was wir uns dabei gedacht haben."

stellt sich die Frage, warum an seinem Deutschen Theater in Berlin der Darsteller des Ferdinand von Walter wie Klettermaxe den ganzen Abend auf den die Bühne umstehenden Wänden hinauf / hinunter umeinanderklettern darf, vom Regisseur bzw. vom Intendanten Khuon überhaupt nicht Schillers Intentionen aufgezeigt werden, wie sich der Absolutismus im 18. Jahrhundert in Württemberg darstellte.

http://www.heerrufer.de/Kritik_'Kabale_und_Liebe_-_Schaubuehne_Berlin_01.11.09.htm

http://www.heerrufer.de/Bemerkungen_zu_'Kabale_und_Liebe'_%20-_Deutsches_Theater_Berlin.htm

Es geht den Theaterleitern offensichtlich nur um Jokus, damit genügend Leute kommen, die Sitze belegen, um so die Auslastung zu sichern.
Die Schaubühne trägt nicht zur Bildungsvermittlung bei, sondern verschanzt sich hinter:
"Die Kenntnis der jeweiligen Klassiker kann sie dabei bei Gymnasiasten so wenig wie bei Hauptschülern voraussetzen."

Wenn dem schon so ist, dann hat das Theater die Aufgabe, hier einzugreifen und zu vermitteln.
Es ist höchst bedenklich, dass schützenswertes Kulturgut, ohne Hemmungen der Verhöhnung durch die Theater preisgegeben wird und dies noch zu Lasten öffentlicher Gelder.
 

to top

Dass diese Beobachtungen nicht nur im Schauspiel gemacht werden, zeit folgender Beitrag:

http://www.heerrufer.de/Kommentar_'Neues_vom_Tage'_15.05.2011.htm

Stellt sich dann ein Vorsitzender eines Richard-Wagner-Vereins hin und meint anlässlich der Premiere des 'Tristan' am Braunschweiger Staatstheater unter der Oberaufsicht des Operndirektors Herrn von Enzberg - der designierte Theaterdirektor von Regensburg - 'so schlimm war's doch nicht', dann kann man sich als Steuerzahler nur besorgt ans Hirn fassen und sich fragen: 'wo sammer denn'.

Ähnliches passierte beim 'Lohengrin' am Oberpfälzer Metropol-Theater Regensburg - (nach Meinung von OB Johannes Schaidinger am 17.3.2005, man wolle als Stadt Regensburg mehr sein, als die Metropole der Oberpfalz, ist somit die 'Anstalt öffentlichen Rechts' ja wohl als Metropol-Theater zu bezeichnen) - als eine Regensburgerin meinte: "mir g'follts":

http://www.heerrufer.de/Bemerkung_zu_'Lohengrin'_%20-_Oberpf._Metropol-Theater_Regensburg_1._und_30.11.2010.htm

Was ihr gefiel, war etwas, das inszenatorisch mit 'Lohengrin' von Richard Wagner nichts zu tun hatte. Um diese Art von Regiekunst zu kritisieren, gibt es den Regensburger Richard-Wagner-Verein, um nach dessen Satzung:
 

§ 2
Zweck

Zweck des Verbandes ist es,

  1. die auf Wunsch Richard Wagners gegründete (gemeinnützige) Stipendienstiftung in Bayreuth mit finanziellen Mitteln aus den Mitgliederbeiträgen so auszustatten, dass jedes Jahr einer möglichst großen Anzahl von Schülern/Studierenden der Besuch der Bayreuther Festspiele ermöglicht wird,

  2. den künstlerischen Nachwuchs zu unterstützen,

  3. die Volksbildung zu fördern. Diese Förderung geschieht u. a. durch Studienreisen, Vor-träge, Diskussionen, Besuche von Konzert- und Opernaufführungen. Das Verständnis für das Werk Richard Wagners ist dabei zu wecken und zu vertiefen.


'Verständnis zu wecken und zu vertiefen.'
Wie bitte?
Mit  d e r  Inszenierung - mit  d e r  wird die Dame weder dem Verein, noch Richard Wagner gerecht.

 

to top

 

Um 'Missverständnisse zu vermeiden:

Ich verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes.

Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und Satire.

Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.

Dieter Hansing

to top