"Er ist ein Unmensch, ein Tyrann"

    02.12.04
Wiederaufnahme Zauberflöte - Theater Regensburg    
     
So ein Theaterdirektor hat's schwer, ob er nun Striese oder Sonstwie heißt - ohne Geld spielt keine Musi.
Kann er Aushilfen für das Orchester oder Verstärkungen nicht einkaufen, so kündigt ihm der GMD, nicht die Freundschaft, davon war vorher wohl schon keine Rede.
Und jetzt wird kein Neuer gefunden. Landauf, landab wandern die Späher - und keiner ist da, der allen gefällt. 150 hatten schon mal nachgefragt. Dem Staatstheater Regensburg konnte keiner genügen.
Sänger für den 'großartigen' Spielplan werden nicht gefunden - die da sind, werden krank, machen schlapp, weil sie zu viel, zu große Partien singen.
Aber wenn Tenöre meinen, den Florestan singen zu müssen, obwohl sie gerade das lyrische Fach kaum erfüllen, ist Gefahr im Verzuge.

Nun müssen diese Gernegroße mitten in der ersten Hälfte der Spielzeit ersetzt werden. Vorsingen schon wieder. Nun am 13.12.04 - ausgerechnet der 13. Erstmal müssen die Planstellen frei sein, aber man kann diese natürlich für gewisse Zeit auch doppelt besetzen.
Welcher lyrische oder schwerere Tenor aber kommt für welches Geld nach Regensburg? Woher einen Richard, einen Erik - diese sauschwere, undankbare Partie - nehmen?

Fürs KBB braucht der Regensburger Theaterdirektor bald eine neue Besetzung - das wird doch sicher die jetzige Chefdramaturgin Friederike Bernau übernehmen, auf ihrem Weg zu einer Intendanz? Alles schon einmal da gewesen. Natürlich wird der Weg aufmerksam begleitet. Wände werden ja schon durchbrochen, um ungehindert schreiten zu können.

Und Bettina Schönenberg springt ein für die erkrankte Anja Carolin Pohl als Frau Neumeister im 'Raub der Sabinerinnen'.
Viel Arbeit für den Regisseur und Oberspielleiter, die Choreographie von jetzt auf gleich nachzustellen.
Und wie lange dieser Oberspielleiter Michael Bleiziffer überhaupt noch geduldet wird, muss sich erst zeigen. Immerhin wurde der technische Leiter gegangen, der erste Kapellmeister.
Wait and see.

Melanie Schneider sang hier ihre erste 'Königin der Nacht'. Als Nedda und Annina hatte sie sich dem Publikum schon vorgestellt. Natürlich ist sie keine 'Königin' par excellence - kann sie auch gar nicht sein, zu jung, keine überirdische Ewigkeits-Ausstrahlung - wie auch in dem Hamster-Karnickel-Mantel, wahrscheinlich auch noch 'zerfressen von den Motten' - eine Soubrette bis Lyrische, auch keine dramatische Kolorateuse und die Koloraturen 'per se' sind nicht ganz so kullrig, wie sie eigentlich sein sollen. Mit viel 'geraden Partien' gehen die naturgemäß auf die Dauer verloren. Aber sie hielt sich stimmlich wacker. Die hohen F kamen ohne zu wanken und mehr Ton-Rundung wird wohl auch noch kommen.
Muss sie nun aber so auf alt gequält werden. Passt überhaupt nicht zusammen, wenn sie dann beschwingten Schrittes über die Bühne eilt.

Der Regisseur ward bei dieser Wiederaufnahme nicht gesehen, auch Bühne und Kostüme nicht - man hätte sie sonst in die Flucht geschlagen. So war niemand da, der störte und eine nicht erwartete, geradezu beschwingte Vorstellung konnte gezeigt werden.

Herausragend Martin-Jan Nijhof als Sarastro - Bühnengestalt, große Stimme, gute Artikulation und kein trippelnder Bass-Buffo. Und ausgerechnet dessen Namen vergisst der Theaterdirektor beim Begrüßungskonzert, dass er laut in die Gasse fragen musste: "wie heißt der?"
Brent Damkier - kein elegischer Lyriker, sondern ein stimmlich herzhaft zupackender, junger Mann - dessen Tamino seit der Premiere gewachsen ist.
Die Pamina von Katharina Leitgeb - Schöngesang, beherzt, beseelt - wie er sein soll.
Jin-Ho Yoo - der Papageno, Stimme angegähnt mit seiner Papagena der reizenden Ikonka Vöckel - die Publikumslieblinge.
Bemerkenswert der Monostatos von Karsten Münster. Da liegt er genau richtig, eine Rollengestaltung, die man sie nur selten so prägnant sieht. Beim Caramello ziert er sich sehr - hier ist er knallig der Böse.

Wuselnd die drei Damen - wie aus Astrid Hofer oder Carmela Forte je eine Carmen werden soll - das weiß vorläufig nur der Regensburger Theaterdirektor.
Adam Kruzel und Markus Herzog beeindruckend als Priester/Sprecher.
Der Chor schön singend, präsent, obwohl zum Stehen verdammt - aber in der 'Flöte' kaum anders zu machen.
Die Bruchbude, in der das Stück spielt und die hässlichen Kostüme - "schweig mir von dem."
Trotz des das Auge beleidigenden Bühnenumfeldes, die Damen und Herren sind sehens- und hörenswert.

DH