"Machen Sie's kurz,
machen Sie's doch kurz" |
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18.01.2005 |
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Theater Regensburg |
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'Hotel zu den
zwei Welten'
von Eric-Emmanuel Schmitt |
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Franzosen haben wohl ein anderes
Verhältnis zu ihrer Sprache - man parliert - ein deutsches Plappern
oder Plaudern kann dem nicht gleichgesetzt werden. Die Leichtigkeit,
mit der dort in diesem Stück über das heikle Thema über Tod und
Leben philosophiert wird, lässt erahnen, woraus sich der Erfolg, den
das Stück in Frankreich hatte, ableiten lässt.
Möglicherweise fanden die Aufführungen in einem intimeren Raum
statt, so dass die Texte direkter vermittelt wurden, als das im
großen Haus des Regensburger Velodroms möglich sein kann.
Allein in diesem so nüchternen Raum über die große Distanz bis in
die letzte Reihe das sensible Thema von Sein oder Nicht-Sein und
zugehörigen Empfindungen rüberzubringen, die nur durch Worte und
nicht auch über Aktionen zugeführt werden können, strapaziert.
Simone Haering, Regensburgs Heroine, die Klytemnästra,
Penthesilea, hier nun als Marie - fällt man als herzkrank
Überforderte so kraftvoll, keck und kess und
unputzfrauisch-overdressed ins Koma? (Kostüme: Kiki de Kock).
Nimmt ein Koma jede Schwere ?
Anja Carolin Pohl, die Dr. S. - beschränkt aufs
Stichwortgeben, Silvia Schuh hat als Laura ein paar
Kussszenen und beschwingte Gänge, die action in geringer Form
zulassen. Davon profitierte ihr Liebhaber Michael Haake als
Julien. Sein "Und als ich diese Kraft sah" - z.B. ist
undifferenziert, nur laut.
Kaum Möglichkeiten hat Christian Ballhaus als Präsident.
Glücklicher dran ist diesmal - nach Nathan - Peter Heeg als
Magier. Er hat einige Möglichkeiten, dem Stück Schwere zu nehmen.
Hinzu kommt für ihn die Rolle des Sympathieträgers, stiftet er doch
sein Herz der Laura, auf dass sie eventuell zu Julien finden kann,
wenn es ins richtige Leben zurückgeht.
Ans Publikum eine Aufforderung zur Organspende.
Gut haben es Karolina Thorwarth und Arthur Werner,
weil ohne Text als Statisten in Weiß.
Die Regie von Peter Lüdi beschränkt sich auf das Arrangement
der Darsteller und die Vorgaben, wann die Szene am Beginn vernebelt
wird und zu spät kommende Zuschauer nicht mehr eingelassen werden,
wer wann wo auftritt, wohin wer geht und wieder abgeht. Und
natürlich, wann der imaginäre Aufzug rauf- oder runterfährt.
Ce tout.
Die Bühne von Wolf Wanninger ist reduziert auf eine Rückwand,
das Loch in dieser für die Aufzugstür, ein Rezeptionsbord und
einigen Sitzgelegenheiten.
Und in diesem Szenarium stehen die Darsteller mit ihren Textwülsten
rum und leiden, diese nicht adäquat gestalten zu können.
Was soll auf der anderen Seite dynamisches Darstellen, wenn es darum
geht, dem Zuschauer wortreich klar zu machen:
ein Koma ist ein famoser Zustand.
Man schwebt herum, ist schuldenfrei, hat keine Uhr und keine Eile,
am wenigsten noch Langeweile. Jedoch man nimmt sich nicht in Acht
und schupp ist man zur Welt gebracht - oder eben in ferne
Welten. Jeder, der einen Koma-Patienten in seiner Umgebung und das
Stück gesehen hat, wird in Zukunft schreckfrei an das Bett des
Bewusstlosen treten.
Nachhaltigkeit dieses Stücks, 'Hotel zu den zwei Welten.'
Da das Thema immer gültig ist, wird Eric-Emmanuel Schmitt mit diesem
eben nicht durch das Sieb der Zeit fallen.
Jetzt aber sitzt der bewusste Abonnent und Chronist bei des
Taschen-Lämpchens Scheine in der zweiten Reihe Rang, vor sich
Regensburgs Oberspielleiter Schauspiel nebst Gattin, liest den Text
mit, vermerkt Striche, Textumstellungen und denkt sich: ein
interessantes Hörspiel, das zum Nachdenken für den Fall des eigenen
Komas anregt.
Das ist was für die Schallplatte, gemütlich in trautem Heim in sich
aufzunehmen, dafür muss ich ja nicht unbedingt vor's Haus gehen -
auch noch "in diesem Wetter, in diesem Graus" am Premierenabend.DH |
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