Eine unglaubliche Ensembleleistung -
auf und hinter der Bühne - wurde geboten. Dieses Theater ist zwar
das Theater der Metropole der Oberpfalz, aber ohne adäquate Mittel
und wie im Falle der 'Miserablichten' ganz auf die Menschen
angewiesen.
Regisseur Forche hat das Stück - nach eigenem Bekunden - vielfach
gesehen, erst nicht verstanden und durch wiederholten Besuch von
Vorstellungen, sich eine Version geschaffen, die er nun auf diese
Bühne als Bayerische Erstaufführung brachte.
Und Forche weiß, seine Truppen zu bewegen, kein sinnloses Hin und
Her, sondern in Maßen, zur Darstellung der Situation. Er vergisst
nicht, durch Details, den/die Einzelne/n aus den großen Ensembles
und Tableaus herauszuheben.
Misst man diese Produktion mit der bei Peter Weck in Wien oder mit
den Aufführungen in Berlin, so fehlt hier die Opulenz, die größeren
Massen auf der Bühne. So ist es um so erstaunlicher, mit welch
geringen Mitteln, plausible Szenen arrangiert werden.
Hier ragt aus dem Team der Macher der Bühnenbildner Konrad Kulke
heraus, der mit faltbaren Wänden ständig 'im-Bühne-drehen' neue
Räume schafft, die von den Akteuren angenommen und bespielt werden.
Jemanden aus dem Ensemble hier herausheben zu wollen, fällt schwer.
Jeder hat seinen Platz im Gesamten und füllt ihn. Und außerdem ist
es Geschmacksache, ob man Brent L. Damkier als Enjolras an die erste
Stelle setzt, oder Ruth Müller oder ob jemandem nun Matthias Pagani
als Jean Valjean besser gefallen hat - hier sind die Geschmäcker
verschieden.
Sicher ist zu bedauern, dass Dirigent Manfred Knaak manch SolistenIn
einfach mit seinem Orchester-Apparat zudeckte. Von Frau Vöckel als
Eponine war kaum etwas zu hören, von verstehen, ganz zu schweigen.
Der Mikroport half nicht, im Gegenteil, führte er noch dazu, nicht
lokalisieren zu können, wer singt jetzt was, wo. Dies besonders bei
Ensembles. Alles kommt akustisch aus einer Richtung und ist dem
Einzelnen nicht zuzuordnen, zumal dann, wenn alle mehr oder weniger
zur gleichen Zeit den Mund bewegen.
Wer seinen Victor Hugo nicht kennt, tut sich schwer, im Detail der
Handlung folgen zu können. Um so berührender, wie im dritten Rang zu
beobachten, die Zuschauer auf den Brüstungen lümmelten, aufstanden,
sich in den Gang stellten, an Pfeilern lehnten oder sich irgendwo
hinhockten, um ohne Beschränkung hinunterzuschauen, eventuell sogar
zu verstehen, was sich da auf der Bühne abspielte. Und wenn er oder
sie eben den Gang der Handlung nicht verstanden, so doch vom Olymp
aus fasziniert zuzuschauen, wie mit einfachsten Mitteln, ein paar
verstellbaren Wänden auf einer Drehbühne, effektvolles Theater
gemacht wird.
Und wenn an dem Premieren-Abend etwas nicht nach den Vorstellungen
der 'Schwarzen' funktionierte, der Outsider merkte es doch sowieso
nicht.
Passierte dann eine Panne wie eine umfallende Straßenlampe - wohl
die aus 'Harvey' - so ergab sich aufgeregt mitten in die Vorstellung
hinein der Kommentar:
"Mei homs des g'sehn, beim Drahn is des passiert. Mei stell'ns eana
vor, die Lamp'n hät doch dem Madl 's Hirn eischloga kenna."
Das Publikum war dran, erlebte eine große Leistung des Hauses am
Bismarckplatz und dankte es den Menschen vorne auf und hinter der
Bühne, Darstellern wie Technikern, mit lang anhaltendem,
begeisterten Applaus.
Facit und Empfehlung: Hingehen und die Leistung würdigen. |