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Johann Strauß
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Eine Nacht
in Venedig |
Operette in
drei Akten
nach einer französischen Vorlage von Eugène Cormon und Michel Carré
Text von Camillo Walzel (Friedrich Zell) und Richard Genée |
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Noch gar
nicht lang ist es her - erst am 5. Dezember 1993 fand die
Premiere der letzten Produktion der 'Nacht in Venedig' im
Theater am Bismarckplatz in Regensburg statt.
Christoph
Jung durfte damals dirigieren, K. D. Köhler und
Andreas
Baesler erstellten eine Regensburger Fassung, die im
wesentlichen aus Strichen bestand.
Die möglichen Extemporés von Berthold Gronwald als
Senator Delacqua waren die Würze des Abends. |
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Andreas Baesler inszenierte damals. Inzwischen
ist dieser als Regisseur einigermaßen arriviert und macht in der Spielzeit
2004/2005 in Münster 'Halka' und in Gelsenkirchen 'Benvenuto Cellini',
'Attila' und 'L'incoronazione die Poppea'.
Die Leib und Magen-Ausstatterin von Dr. Peter Kertz - Dorothea Jaumann -
gestaltete 1993 Bühne etwas kärglich-kläglich.
Während der Pause musste die Bühnenschräge mit schwarzen Platten
belegt und diese mit viel Geräusch verschraubt werden, um Wasser
vorzutäuschen, auf der die Gondel des Herzogs 'schwamm'. |
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Besetzung der Regensburger
Fassung aus der Spielzeit 1993/94 |
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Guido, Herzog von Urbino |
Axel
Mendrok |
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Senator Delaqua |
Berthold
Gronwald |
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Senator Barbaruccio |
Rolf Arndt |
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Senator Testaccio |
Wolfgang Richrath |
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Barabara, Delaquas
Frau |
Heidi Maegerlein |
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Agricola,
Senatorsgattin |
Andrea Mink |
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Annina, ein
Fischermädchen |
Ursula Hennig |
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Caramello, herzogl.
Leibbarbier |
Jonas Kaufmann |
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Pappacoda,
Makkaronikoch |
Kurt Schober |
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Ciboletta, Zofe bei
Delaqua |
Christiana
Knaus-Waldmann |
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Enrico Piselli, Neffe
Delaquas |
Michael Ophelders/Matthias
Schlüter |
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Centurio, Page des
Herzogs |
Chris Friedrich |
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Balbi, Page des
Herzogs |
Monika Maisel |
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1993 - 1994 machte Regensburg Bekanntschaft mit dem jungen Jonas
Kaufmann als Caramello. Heute - 10 Jahre später - ist er einer der
gesuchtesten Tenöre - inzwischen Berlioz's Faust - für alle großen Theater und
Konzertsäle der Welt.
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Kürzungen, Umstellungen, geänderte Verteilung der Rollen
werden nur verschlimmbessert haben. Und trotz der Mängel im Text und
im Aufbau des Stückes hält sich das Werk auf den Bühnen der Welt.
Interessant die
Rollenbezeichnung in früheren Besetzungszetteln nach Clemens Wolthens:
Caramello - Buffo
und
Pappacoda - Komiker.
Heute - alles mit Sängern besetzt - bemühen sich diese, gerade jene, die etwas
auf sich halten, um eine der Rollen. Ob
Elisabeth Schwarzkopf,
Anneliese Rothenberger,
Julia
Migenes,
Sylvia Geszty,
Trudeliese Schmidt,
Anton de Ridder,
Ion Piso,
Cesare Curzi,
Erich Kunz oder Nicolai Gedda und
Richard Tauber - sie waren dabei.
Auch der Film nahm sich des
Werkes an: Peter Pasetti war Caramello, Lotte Lang -
Ciboletta, Hermann Thimig - Pappacoda. Enrico war Heinrich
Schweiger
und als
Agricola die wunderbare Annie
Rosar, später als Teta Linek in der unter katholischer Elephantiasis
leidende Farbfilmfassung von Werfels 'Der veruntreute Himmel' neben
Kurt Meisel als Halodri Mojmir, der Neffe. |
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1923 überarbeitete Erich Wolfgang Korngold auf Betreiben
von Hubert Marischka das Werk. 1929 wurde diese Fassung zum
ersten Mal an der Wiener Staatsoper gegeben. Das Bühnenbild stammte
vom renommierten Alfred Roller. Die Annina sang Maria Jeritza. 1931
dirigierte Erich Kleiber die Korngold-Fassung an der Lindenoper
in Berlin. |
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Eine herausragende
Bearbeitung des Theater-Magikers Walter Felsenstein zeigte die
Komischen Oper in Berlin 1954. Er hatte 'die Nacht' in zwei
Akte geteilt und mit seiner typischen Akribie über Monate mit seinem
Ensemble einstudiert.
Eine gute Inszenierung der
'Nacht' auf die Bühne zu stellen, fällt vielen Regisseuren schwer,
der Inhalt ist kaum vermittelbar und die Produktion
leidet meist an Geldmangel. Eine der letzten opulenten
Inszenierungen schaffte 1992
Friedrich Meyer-Oertel wieder an der Komischen Oper in Berlin mit der
fabelhaften Sabine Paßow als Annina.
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Nun
muss die 'Nacht' nach gerade mal 10 Jahren am Theater Regensburg
wieder als Quotenbringer herhalten, wie ja auch 'Der Liebestrank' in
dieser Spielzeit wieder auf dem Spielplan erscheinen wird und auch
die 'Sabinerinnen' - 1995 von Rudolf Zollner in Szene gesetzt, mit
ihm auch noch als Striese - sind mit dabei.
Beim Theater Regensburg wurden jetzt Gerhard Platiel / Walter
Perdacher mit der Inszenierung und Bühne/Kostüme der 'Nacht'
betraut. Eigentlich müssten die beiden ihr Metier verstehen, gerade
hat das gleiche Team in Hagen Lehárs 'Graf von Luxemburg' auf die
Bühne gebracht.
Gerhard Platiel inszenierte auch 'Piaf' in Bielefeld, 'Grease', 'La
cage aux folles', 'Sweet Charity', 'Hair' in Kassel und Bielefeld,
'Maske in Blau' in Hagen. Die Anzahl der Regieaufträge lässt darauf
schließen, dass Herr Platiel ein erfahrener Inszenator und damit gut
im Geschäft ist.
Wenn er nun zum achten mal 'die Nacht' in Venedig für die Bühne
einrichtet, müsste der Zuschauer davon ausgehen können, dass der
Regisseur das Stück kennt und entsprechend umsetzen kann. |
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Besetzung 23.10.04 -
Theater Regensburg |
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Guido, Herzog von Urbino |
Michael
Suttner |
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Senator Delaqua |
Georg
Schießl |
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Senator Barbaruccio |
Thomas
Brinkel |
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Senator Testaccio |
Marek Marzecki |
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Barabara, Delaquas
Frau |
Katharina E. Leitgeb |
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Agricola,
Senatorsgattin |
Gertrud Judenmann |
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Annina, ein
Fischermädchen |
Melanie Schneider |
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Caramello,
herzoglicher Leibbarbier |
Karsten Münster |
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Pappacoda,
Makkaronikoch |
Brent L. Damkier |
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Ciboletta, Zofe bei
Delaqua |
Ilonka Vöckel |
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Enrico Piselli, Neffe
Delaquas |
Chris Peper |
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Centurio, Page des
Herzogs |
Georg Dippold |
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Es gibt an diesem Abend im
Theater Regensburg keine martialischen Knobelbecher,
keine SS-Uniformen, keine Koffer, keine Aktentaschen, keine
Mikrofone oder Pseudo-TV-Kameras auf der Bühne - nichts Erzwungenes,
keine Symbole für Unbehaustsein, Gewalttätigkeit,
Hintergründiges.
Das Regie/Bühnenbild/Kostüme-Team Gerhard Platiel / Walter Perdacher
zeigt Operette wie die Regensburger sie wünschen - jedenfalls nicht
von hinten durch die Brust ins Auge.
Und entsprechend reagiert das Publikum - es
ist begeistert.
Was Wunder, gibt man dem Affen Zucker und lässt die Darsteller
durch das Publikum auftreten, bezieht das Auditorium in die Suche
von Darstellern ein: "Haben Sie Pappacoda gesehen?" oder "Wissen Sie
wo meine Frau ist?"
Ein gelungenes Bühnenbild, die venezianischen
Palazzi, des Herzogs
Spielzimmer mit Spiegel überm Sofa, die Brücke im Nebel über dem
Kanal - Fasching in Venedig.
Das Volk - der Chor - ländlich-sittlich oder auch elegant gewandet,
amüsiert sich, spielt die Lebensfreude
überzeugend und bezieht die Solisten in das Treiben ein. Gesteigert
wird der Trubel - atemberaubend wäre er, gingen die Anschlüsse
bei den Dialogen und zu den Musiknummern zügiger vonstatten - durch
die Ballett-Einlage mit einem Verdi'schen Maskenball-Verschnitt.
Hier tut sich durch Olaf Schmidt als neuem Ballettchef einiges
und man darf auf die Sommernachtsproduktion
der Truppe gespannt sein.
Was aus einem Tenor-Buffo herauszuholen ist, zeigt Gerhard Schießl,
konsequent zieht er die Figur des alten Delacqua durch. Neben ihm
die beiden Chorherren Thomas Brinkel und Marek Marzecki als
Senatoren Barbaruccio und Testaccio -
glaubhaft in ihrer Tateligkeit.
Was für eine Entdeckung, sieht man die beiden
sonst nur innerhalb
der Chor-Gruppe. |
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Die
Besetzung der Soli stellt für jedes Haus ein Problem dar - vor allem
für eines in der Größenordnung Regensburgs mit den bescheidenen
Mitteln. Drei gut aussehende und schön singende Damen ist allein
schon kaum zu realisieren. Regensburg hat Katharina Leitgeb als
Barbara, Ilonka Vöckel als Ciboletta und Melanie Schneider als
Annina zu bieten. Ausgreifend im Auftritt Frau Leitgeb - leider gibt
die Barbara sängerisch nicht viel her - neben ihr ebenso rollengemäß
routiniert die Hallstein-Schülerin Frau Vöckel. Melanie Schneider -
reizend anzusehen - bestechend in der Darstellung mit leicht
ansprechender Höhe und
noch etwas wenig ausgeprägter Mittellage der Stimme. Eine junge
Sängerin mit Spielwitz und starker Bühnenpräsenz. Die Annina liegt
ihr.
Bei den Herren sind drei Tenöre aufzubieten. Brent L. Damkier als
Makkaronikoch Pappacoda darf hier in der Bufforolle alles ausspielen
- und das Publikum freut es.
Bei dem neu engagierten Karsten Münster als Caramello würde Gabriele
von Glasow sagen: "Ich höre da was!" Hier wäre mit dem Material eine
Nachschau z.B. bei Charlotte Lehmann in Würzburg oder bei Frau
Richardson in Hannover - sie brachte die Remmert heraus - oder bei 'Eddchen'
Moser in Köln angebracht.
Spielen tut Herr Münster für drei.
Michael Suttner ist mit dem Herzog besetzt. Wie er geht, wie er
steht, wie er spricht, die Tongebung seines Lachens im Dialog, die
Stimmführung und der daraus resultierende Klang beim Singen - er ist
ein Buffo, ein heiterer Mensch, ein Mann für die Operette. Wenn auch der große Theaterfachmann Ernö Weil anderer
Meinung ist, Herrn Suttners Ausstrahlung ist nicht die eines
Herzogs, wie die eines
Gedda oder Rogge und schon gar nicht die
eines schweren Helden,
die nun mal für tragische Rollen wie die des Florestan notwendig ist.
Es ist sicher so, dass Tenormangel auch am Gärtnerplatztheater wie
an der Wiener Staatsoper herrscht und Männerboni schon bei den
Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen gegeben werden.
Nur tut man den SängerInnen an den Theatern mit Fehlbesetzungen
langfristig keinen Gefallen. |
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Sprach das Spielzeitheft
2004/2005 noch von Georgios Vranos als musikalischem Leiter der
'Nacht',
stand nun
Karl Andreas Mehling am Pult. Kleinere
Unstimmigkeiten zwischen Bühne und Graben lagen wohl an der
Premieren-Nervosität und der für die Öffentlichkeit überraschenden
Übernahme des Dirigats.
Der fehlende GMD macht neue Dispos nötig. Vielleicht bereitet sich
ja Georgios Vranos auf die Übernahme der vakanten GMD-Stelle vor.
Könnte
es nicht sein, dass als Nachfolger von Guido Johannes Rumstadt der
erste Kapellmeister ins Auge gefasst wird? Er kommt aus Pforzheim,
er wurde von Ernö Weil von dort nach Regensburg geholt, würde dem
Intendanten wohl kaum widersprechen und schon gar keine eigene
konkurrierende Hausmacht gegen den Theaterleiter aufbauen. Es wäre
Ruhe im Schiff und Multi Kulti gäb es auch - internationaler Touch
wäre gegeben.
Let's wait and see. |
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Die Neuinszenierung der 'Nacht in
Venedig' zog viele Regensburger Prominente an. Es wurden u.a.
gesehen: Der Oberbürgermeister nebst Gattin, Frau Stadträtin Göhring
als Vorsitzende der Theaterfreunde,
Frau Michalke, die Öffentlichkeitsarbeiterin der Theaterfreunde, Manfred Janikulla, der gerade
einen überzeugenden 'Jedermann' in Parsberg vorstellte - er wollte
ja nicht wieder ins Regensburger Theater gehen, bevor er sich nicht
vom Elend der Rössl-Produktion an diesem Theater erholt hat - Frau
van Spronsen, die Dajah in der laufenden Produktion des 'Nathan' war
da. Über sie schrieb ja die Presse, wäre man nicht in die
Vorstellung gegangen, hätte man "[...] ihre köstliche,
hinterlistige, ins komödiantische tendierende Darstellung der
Gesellschafterin im Hause des Nathan [...]" verpasst. Viele andere
Wichtige kamen, die in der 'Menge im Gedränge' nur schwer ausgemacht
werden konnten.
Mit der 'Nacht' hat das Regensburger Theater einen Renner auf die
Bühne gehoben, der - ist die Claque mal abgezogen - auch in
Repertoirevorstellungen das Publikum von Gedanken an die Bewerbung
Kulturhauptstadt 2010 und Stadthallenquerelen ablenken wird.
DH |
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