Der Vater
Schönthan von Pernwaldt, Franz Ser. Simon
(1811 - 1874), Eisenhändler und Gewerke

Die Söhne
Schönthan von Pernwaldt, Franz;
Künstlername Franz von Schönthan
(1849 - 1913), Schriftsteller und Schauspieler

Schönthan von Pernwaldt, Paul;
Künstlername Paul von Schönthan
(1853 - 1905), Schriftsteller und Journalist
 
        Der Raub der Sabinerinnen             Schwank in vier Akten
 


Theater Regensburg
24.11.04


"... wissen Sie überhaupt,
was eine Schmiere ist
?"

 

 
         
   
 


Die Regierungszeiten
1. Romulus 753 v.Chr.-715 v.Chr.
2. Numa Pompilius 715 v.Chr.-673v.Chr.
3. Tullus Hostilius 673 v.Chr.-641 v.Chr.
4. Ancus Marcius 641 v.Chr.-616 v.Chr.

Der Schwank 'Der Raub der Sabinerinnen' von Franz und Paul Schönthan, vor 120 Jahren uraufgeführt, hält sich im Spielplan - ist seit 1884 unverwüstlich und erfreut die Theaterleute selber wie auch das Publikum zu jeder Zeit, auch unter schwierigsten Bedingungen. Bereits drei Wochen nach Kriegsende - am 27. Mai 1945 - spielte Hans Hermann Schaufuß im wiedererstehenden Berlin den Striese im Renaissance-Theater.
Jetzt, in diesen Wochen ist das Stück auf der Bühne der Theater in Karlsruhe, Bielefeld, Rostock, Hof, Passau und natürlich auch in Regensburg - nachdem es erst vor 10 Jahren als Inszenierung von Rudolf Zollner gezeigt wurde. Für Februar 2005 hat Sepp Köpplinger den ehemaligen Regensburger Oberspielleiter für eine Regiearbeit mit den Sabinerinnen an das Theater in St. Gallen engagiert.

Rahmenhandlung für das Werk sind die ersten Jahre Roms.

Die Gründung einer neuen Stadt, die das Brüderpaar Romulus und Remus an der Stelle am Tiber planten, an der sie ausgesetzt wurden, war mit einigen Problemen behaftet. Nicht nur dass Romulus seinen Bruder Remus umbrachte, weil der bei der Vogelschau meinte, die Geier, die für dieses Orakel um als Stadtgründer Roms in die Geschichte einzugehen, notwendig waren, zuerst vom Palatin aus gesehen zu haben, Romulus aber die meisten am Himmel über dem Aventin entdeckt haben wollte, mangelte es auch an Frauen in der neuen Stadt. Nur Gastarbeiter, Räuber und Verbrecher waren in den Neubauvierteln zugange.
Romulus entschloss sich ein Fest zu veranstalten, um den Nachbarvölkern Gelegenheit zu geben, die neue Stadt zu besichtigen.
 

Auch die Sabiner kamen und da die Sabinerinnen besonders erfreulich aussahen, schlugen die Neu-Römer die Sabiner-Männer in die Flucht und behielten die Sabinerinnen.
Daraufhin bereiteten die Sabiner bald einen Rachefeldzug unter der Führung ihres König Titus Tatius vor und belagerten die Stadt Rom. Sie griffen die Römer auf dem Feld unterhalb von den Hügeln Kapitol und Palatin an (das spätere forum romanum). Während des Kampfes warfen sich die Sabinerinnen zwischen die Kämpfenden, da sie nicht wollten, dass ihre Ehemänner und ihre Väter sich abschlachteten. Auf diese Weise wurde der Krieg beendet, die Römer und Sabiner vereinigten sich zu einem Volk, kürten Rom zu ihrer Hauptstadt und unterwarfen sich einer Doppelherrschaft von Romulus und Titus Tatius.

Das ist der legendenhafte Hintergrund von Franz und Paul von Schönthans Lustspiel 'Der Raub der Sabinerinnen'. Historisch belegt ist nur die Unterwerfung der Sabiner durch Rom im Jahr 290 v. Chr. und die Verleihung des Bürgerrechts an die Sabiner 268 v. Chr.

Die Paraderolle des Theaterdirektors Striese ist für jeden Komödianten
ein highlight - wobei nicht nur Herren gemeint sind.
 
www.volkstheater-rostock.de
Ein Schwank von Franz und Paul von Schönthan
Der Raub der Sabinerinnen
Neubearbeitet unter reichlicher Verwendung reizender Anekdoten von Curt Goetz
Wiederaufnahme Spielzeit 2004/2005
 

Katharina Thalbach als Striese.
Die Figur des Theaterdirektors, ist zu einem Begriff geworden für einen unermüdlich für das Theater kämpfenden Mann und das ist ein Thema, womit sich die Theaterleute nach über einhundert Jahren mehr herumschlagen müssen, als ihnen lieb ist. Das Volkstheater Rostock präsentiert den umwerfenden Schwank in ureigenster Sache: ein Stück über die Mühen, den Schweiß, das Chaos, die Anarchie, aber auch über die Begeisterung, die Besessenheit und den Glauben - an das THEATER.

 

 

Auch dieses Stücks bemächtigte sich der Film in der Nachkriegszeit.

Der Raub der Sabinerinnen 1954,
Regie: Kurt Hoffmann,
Buch: Emil Burri
und Johannes Mario Simmel,
Kamera: Albert Benitz,
Musik: Ernst Steffan,
Produzent: Artur Brauner.
Mit: Paul Hörbiger, Gustav Knuth, Fita Benkhoff, Loni Heuser, Bully Buhlan, Anneliese Kaplan, Ruth Stephan, Ernst Waldow, Hans Stiebner, Edith Hancke.


Nach der Bearbeitung des Stückes durch Curt Götz hat Emanuel Striese eine Frau namens Luise, die natürlich von seiner Frau Valerie von Martens gespielt wurde.
Das Drehbuch des Films weicht weitgehend von der eigentlichen Verwechslungskomödie ab und setzt den Schwerpunkt auf die Theatergeschichte um die Aufführung des Stückes: Der Raub der Sabinerinnen. Neben Gustav Knuth als Striese spielt Fita Benkhoff die tragende Rolle als Frau Luise Striese, während die Rolle der Frau Gollwitz - dargestellt von Loni Heuser in den Hintergrund tritt. Auch hat Professor Gollwitz hier nur die Tochter und die Liebesgeschichte mit Emil Gross wird zur Nebensache. Den Dr. Neumeister und seine Frau Marianne geb. Gollwitz kommen im Film ebenfalls nicht vor. Die Rolle der Rosa wird insofern aufgewertet, als sie von Ruth Stephan gespielt wird und diese der Striese-Theatertruppe beitritt und mit auf Reisen geht. Dass im Original vorgegebene Stammhaus in Neustadt als ständige Bleibe wird nicht übernommen.

Ein regelrechtes Machwerk stellt die italienische Produktion dar, die
den eigentlichen Raub d.h. die Rückbehaltung der Sabinerinnen als Love Story thematisiert.
 
 

Cinema Colossal ist eine Verfilmung des Stoffes mit
Roger Moore, Milene Demongeot, Jean Marais

als DVD bei

http://www.musikvertrieb.at
 

Das Theater Regensburg stellt das Stück in der Inszenierung von Oberspielleiter Michael Bleiziffer vor, es ist - nach der 'Orestie' - die zweite Produktion des Schauspiels zum Regensburger Theater-Jubiläumsjahr 1804 - 2004.

Er wählt eine Fassung von Stefan Meuschel, der im Regensburger
Con Brio Verlag für die Zeitschriften 'Neue Musik Zeitung' und 'Oper und Tanz' tätig ist.

 
Jacques-Louis David (1748-1825)
"Le combat des
Romains et des Sabines interrompu par les femmes sabines"

1799
Öl auf Leinwand,
385 x 522 cm
Paris, Musée du Louvre
 
 Theater Regensburg 24.11.04
 Die Schwarzen
 Inszenierung  Michael Bleiziffer
 Bühne  Ingrid Erb 
 Kostüme  Bianca Schmidt-Hedwig
 
 Die Darsteller
 
 Martin Gollwitz  Peter Heeg
 Friederike Gollwitz  Doris Dubiel
 Marianne Neumeister  Anja Carolin Pohl
 Paula Gollwitz  Anne Dörnte
 Leopold Neumeister  Michael Haake
 Karl Groß  Christian Ballhaus
 Emil Groß  Oliver Severin
 Emanuel Striese  Martin Hofer
 Rosa  Simone Haering
 
Ein zeitloses Stück um das Theater, Michael Bleiziffer, als mit 100 Inszenierungen erfahrener Regisseur, ein talentiertes Ensemble - sind die Ingredienzien für eine Mischung, die aufgeht wie ein guter Hefeteig und den Erfolg beim Publikum sichert.

In einem gerade für schnelle Umbauten sinnvollen Bühnenbild von Ingrid Erb - zwei Innenräume auf einer Drehbühne, zwischen diesen der Blick auf die Fassade eines Gebäudes mit vorgelagertem Springbrunnen, Regensburgern nicht unbekannt.

Der Zeit des Stückes - in dem es spielt - gemäße, elegante Kostüme von Bianca Schmid-Hedwig, die einheitlich - typisch Bleiziffer - den Abend über aushalten müssen. Hier sei beispielhaft an die Einheitsadjustierung der Elisabeth I in 'Maria Stewart' und das gerademal Zweifachkostüm der Milliardärin Claire Zachanassian im 'Besuch der alten Dame' erinnert.
Dass Theaterdirektor Striese behauptet, sein Blümchenkaffee mache keine Flecke, kann nicht für bare Münze genommen werden, sieht man ihn in Frack und Fummel, mit Zylinder und Lackschuhen.
Und der soll sich keinen richtigen Bohnenkaffe leisten, keine oder wenig Gage an seine Schauspielertruppe zahlen können? Steckt der die abendlichen Theatereinnahmen in die eigene Kledage?

Martin Hofer hat als Schweizer seine Mühe mit der sächsischen Sprache des Striese - von einem Dialekt kann niemand sprechen -  die schon als Normalbürger kaum jemand versteht - wie soll da jedes Wort beim Publikum ankommen. So muss er gegen sich selber anspielen.

Auch die Rosa von Simone Haering ist mit Akzent belastet - mal hört es sich wie russisch an, mal böhmakelt sie, die resolute Haushaltshilfe käme in verständlichem Deutsch besser 'rüber' und würde der Rolle dennoch gerecht.

Bei beiden fällt auf, wie die Sprachbildung hier zu sehr vom Rachen übernommen wird, sprächen beide mehr vorne, würden die Konsonanten betont, hätte das Publikum mehr vom Wortwitz des Textes und die Darsteller täten sich leichter, anzukommen.

Interessant, dass der so allumfassend wissende - wie er zu sein glaubt - Regensburger Theaterdirektor, hier nicht die entsprechenden Hinweise gab. Schließlich ist alles ja auch sein Erfolg oder Absturz, wenn Produktionen positiv oder negativ beurteilt werden.

Christian Ballhaus als Weinhändler Groß ist mit seinem Berlinerisch gut bedient - auch hier unterstützt der Dialekt die Gestaltung der Figur. Bei ihm ist allerdings das Gutturale in der Wortbildung nicht ausgeprägt und so versteht jeder, was er sagt.

Dass sein Sohn Emil - Oliver Severin so gut Deutsch spricht, liegt wohl daran, dass der im Stück gleich zum Theater ging und dieser Longinus die richtigen Flötentöne von diversen Schauspielerinnen beigebracht bekam.

Hamlet und Orest, nun hier als Dr. Neumeister - ein ungewohnt fideler und komisch-schrulliger Michael Haake.

Doris Dubiel, beim Schlussapplaus zum Can-Can die Röcke schwingende Mutter, den Haushalt Gollwitz beherrschend. Unvergessen ihre Tödin im gerade noch einmal in den Spielplan aufgenommenen 'Mein Kampf' von Tabori.
 
Anja Carolin Pohl als Gollwitz-Tochter Marianne, die als um die Vergangenheit des Ehemannes ringende Frau Dr. Neumeister und neben ihr keck und voll jugendlichem Liebreiz die Paula Gollwitz von Anna Dörnte.
Beide als Neuverpflichtungen ein Gewinn für das Publikum und sicher auch in ihrer Kollegialität fürs Ensemble.

Er, der Gollwitz, von Peter Heeg - umständlich, tüddelig, weltfremd - alt-professoral eben. Bruscon, Nathan in anderem Kostüm.

In der Matinee bedauerte Regisseur Bleiziffer, dass die Luise Striese nicht auftritt. Er würde gerne diese Frau kennen lernen wollen.
Wenn denn nun schon umgeschrieben und das Werk als Lokal-Novität gespielt wird, warum wurde dann nicht dem Wunsch des Regisseurs entsprechend für eine 'Regensburger Fassung' eine Frau Striese 'eingebaut'? "Merkwürd'ger Fall!"

Was wäre das für eine Rolle für Renate Hünlich - man stelle sie sich vor, Wandbehänge, Gardinen im Hause Gollwitz für Kostüme  zusammenklaubend oder am Schluss den Doch-Erfolg schildernd.
Es wär das Tüpfelchen auf dem I.

Das Ganze ein vergnüglicher Regensburger Abend - wenn auch etwas 'mit schwerem Atem'. Es ist etwas anderes, macht man fast nur gewichtige Klassik, dann leichte Kost zu spielen und als Inszenierung servieren zu wollen.
Das gilt gleichermaßen bei Oper und ihr gegenüber gestellt, der Operette.

Phantasie reklamierte Oberspielleiter Bleiziffer bei der Matinee als Einführung in den 'Raub der Sabinerinnen', nicht die Millionen allein hielten das Theater am Leben.
Ein Tenor ist im Musiktheater eben teurer, als sein nur sprechender Kollege.
Und wenn SängerIn dann auch noch mit den falschen Rollen belegt wird, krank wird, aussteigt - wird es mit den zwangsweise hinzu zu verpflichtenden Gästen teuer und im Endeffekt noch teurer als budgetiert.
Aber das weiß eben ein erfahrener umfassend wissender Intendant, macht den entsprechenden phantasievollen Spielplan, abgestimmt auf das Ensemble, das er nun mal bezahlen kann oder hat Geld genug, rollenadäquate Besetzungen durch Gäste zu realisieren.

Phantasie ist hier gefragt und nicht 'ich will einen Spielplan machen, der in den Veröffentlichungen 'Deutsche Bühne', 'Opernwelt', 'Opernglas' etc. gut aussieht'. Egal wie meine Leute damit zurecht kommen.
Ex und hopp, ist der/die Eine am Ende, kommt wer anderes.
So einfach ist das heute nicht mehr.
Es wird sich zeigen, wie in der nächsten Spielzeit Holländer, Giovanni und Maskenball besetzt werden.
Mit Recht fragt Theaterdirektor Striese in der Regensburger Sabinerinnen-Fassung besorgt, wie so Mancher Intendant wird.
Jetzt schon sehrt einen die Sorge, wie mit dem kümmerlichen Budget, große Oper gemacht werden soll.
Aber Regensburg braucht ja unbedingt eine Stadthalle, die dann mit ihren monatlichen Kosten keiner bezahlen kann, für die eine Bedarfsberechnung bisher nicht veröffentlicht wurde und meint natürlich auch, bei Europäischer Kulturhauptstadt 2010 ohne ausgeprägte über die Region hinausragende Theaterreputation mitmischen zu müssen.

DH




 


 

 

 





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