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Henrik Ibsen
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Peer Gynt |
Ein
dramatisches Gedicht in fünf Akten |
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Nach
Meinung des Schauspieldramaturgen Rolf Ronzier am Regensburger Theater,
dargeboten während des Einführungsvortrages am 3.4.05, wolle man nach 'Faust
I' und 'Faust II', der 'Orestie' sich nun des 'Peer Gynt' annehmen, bevor man sich
wohl noch zuzuwenden habe: Karl Kraus 'Die letzten Tage der Menschheit' und
Claudel's 'Der Goldene Schuh', womit man dann in Regensburg alles gespielt
habe, was im Bereich des für ein Stadttheater Größenwahnsinnigen liege.
Immerhin wolle sich das Theater Regensburg über den 'Peer Gynt' weiter mit
dem faustischen in der Literatur beschäftigen, so eben wie schon geschehen,
mit den beiden Faust-Teilen, Mahlers Achter in der letzten Spielzeit und nun
gerade mit Boïtos 'Mefistofele' im Musiktheater.
Der Plan, den 'Peer Gynt' auf die Regensburger Bühne zu bringen, reicht laut
Oberspielleiter Bleiziffer weit zurück, noch in die Zeit als Adele Neuhauser
Mitglied des Ensembles war.
Fakt ist: Mit ihrem Mephisto bewegte sie die Regensburger Theaterwelt
außerordentlich, als Elisabeth I., Lady, Medea und in 'Master Class' war sie
die kraftvolle Darstellerin. Aber eben auch als Callas, was dann zur Rolle
der gebrochenen, gedemütigten, stimmlosen Frau Maria aus Sicht eines Teils
der Öffentlichen Meinung nicht passte.
Michael Bleiziffer führte weiter während der immer mit Interesse seitens der
Bevölkerung angenommenen Einführungs-Matinee aus, dass es natürlich die
Aufgabe eines Oberspielleiter sei, für das Publikum zu spielen, aber die
Auswahl der Stücke dann doch immer etwas Persönliches sei.
So habe er bereits in seinen ersten Jahren in Regensburg, den Hang zu 'Peer
Gynt', Martin Hofer als damaligem Faust und eben Adele Neuhauser mitgeteilt,
getragen durch die Begeisterung, die er selber durch seine Inszenierung des
Faust I in der Stadt ausgelöst hatte, dieses Stück machen zu wollen. Ganz
abgesehen davon, sei diese Spielzeit nun eine festliche begangene
Jubiläums-Periode, zu der ein solches Stück passe.
'Peer Gynt', ein sehr ausuferndes Werk, eine Mischform aus verschiedene
Genres wie Rührstück, Märchen, Gesellschaftssatire, philosophisches Drama
zeigt das Leben einer halbmythischen, halbabenteuerliche Gestalt des
norwegischen Volkes der neueren Zeit.
Ibsen nutzte die Beschäftigung mit dem Thema zur Abrechnung mit den
Verhältnissen in der norwegischen Gesellschaft, mit deren Willenschwäche,
mit deren Selbstzufriedenheit, Selbstgenügsamkeit frei nach dem Text: "Troll
sei dir selbst genug." In diesem Trollreich spiegelt sich das damals
typische Verhalten der Norweger wider, dessen Bequemlichkeit, Selbstlüge,
Egoismus Ibsen anprangerte und zu bekämpfen suchte.
Dabei zeigt er die psychischen Auswirkungen den der Übergang aus einer
bäuerlichen zu einer Industriegesellschaft mit sich brachte und kritisiert
das aufstrebende kapitalistische Bürgertum, das im Zuge des
technischen Fortschritts auf der Suche nach immer mehr Profit auch vor
Ausplünderung, militärischen Übergriffen nicht zurückschreckte.
Wurden auf der einen Seite in Norwegen noch alte Traditionen gepflegt, stand
diesem Verharren die Neuzeit mit ihren technischen Entwicklungen gegenüber
Die 27 Jahre im Ausland schärften den Blick Ibsens für die Umwälzungen in
seiner Heimat Norwegen. Die Distanz zu seiner Heimat - räumlich wie zeitlich
- machte ihn nicht frei von Bedrückung über das Leben seiner Landsleute, es
lähme den Geist und den Willen, es sei der Fluch der kleinen Verhältnisse,
das die Seelen klein mache.
Aber die Entfernung ermöglichte Ibsen, das Gesehene für andere in ein Stück
einzubringen, das er selber anfänglich für unaufführbar hielt.
Hermann Bahr fasste diese Eindrücke zusammen, dass die Norweger in Ibsens
karikierender Peer- Gynt-Dichtung in rotwangiger Selbstzufriedenheit
erscheinen, da sie sich selbst genug seien und darum alles loben, was ihnen
eigen ist, so unbedeutend es auch sei. Entscheidungen gingen sie aus dem Weg
wobei sie dann mit ihrer Phantasterei und Aufschneiderei als Nationallast
behaftet seien.
Selbst wenn sich die Zeit seit der Entstehung des Stückes grundlegend
geändert hat, bleibt der Typ des Menschen 'Peer Gynt' auch heute
interessant, als er uns tagtäglich begegnet.
Und so lässt, wenn etwas nicht geklappt hat, sich "wie mancher hier" von den Stadtoberen
einreden: alles ist schön, alles wird gut oder
'Der Weg ist das Ziel', 'Scheitern als Chance' etc., etc. |
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Historische Aufnahme
Will Quadflieg als Peer Gynt |
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"Peter Zadeks Inszenierung
ist ein Fest für die Schauspieler und ein sinnliches Ereignis für das
Publikum. Es erlebt Uwe Bohms Peer Gynt als einen Träumer, den die Phantasie
davonträgt, einen Muttersohn und Mutterquäler. Auch die Mutter Aase der
Angela Winkler ist in ihren jähen Wechseln zwischen mütterlicher Hingabe an
den Sohn und Verzweiflung über dessen Nichtsnutzigkeit ein Bühnenereignis.
Beeindruckend aber ist vor allem, wie es Zadek
mit einem hervorragend aufgelegten Ensemble gelingt, Bühnenereignisse nicht
zu illustrieren oder zu kommentieren, sondern sie tatsächlich zu erspielen.
So verwandelt sich die Mannschaft von der Hochzeitsgesellschaft in die
Gemeinschaft der Trolle, von den Irrenhausinsassen in die Trauergemeinde,
von den tierischen Bewohnern Afrikas (Affen) in das nasse Element einer
Seereise (Wellen)." (Deutschland Nachrichten zur Inszenierung am BE
2004) |
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Eine Reise
um die Welt und die eines ganzen Lebens stellt Henrik Ibsen
(*
20. März
1828 in
Skien/Norwegen;
† 23.
Mai
1906 in
Christiania) damaliger Name
von Oslo)
in seinem 1876 dort
uraufgeführtem Werk dar.
Der wunderlich missratene Sohn bringt die Mutter Aase zur
Verzweiflung, sie kann kaum das Leben fristen und doch gelingt es
Peer immer wieder, sie in seine Phantasien einzubinden - gegenseitig
werfen sie diese sich zu - dass sie beide den
Tag vergessen.
Der
Spott der ganzen Region ist der Bauernjunge, jeder kennt seine
Prahlereien und wie er sich das Leben zurechtlügt und wie er ihm
wohlwollende Menschen vor den Kopf stößt. Er zieht fort, will
irgendwo Kaiser werden, kehrt erst nach Abenteuern in der Welt als
Alter zurück und findet zu Solvejg, die auf ihn gewartet hat. |
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Henrik Ibsen
schildert Einen, der sich selber sucht, sich selber belügt, von sich
ablenkt, und sich nicht finden kann.
Mit Allegorien und Wesen aus der norwegischen Fabelwelt schmückt er
das Werk aus, ohne zu vergessen, die spätere gesellschaftskritische Haltung
einzunehmen. |
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| Im
Gegensatz zu dem selten gespielten früheren Werk 'Brand', der an seinem
'alles oder nichts' scheitert, begnügt sich Peer Gynt mit Halbheiten -
er, der sich selbst genug ist und damit ohne er selbst ganz zu werden. |
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Von seinem Weg durch die Welt
zurückgekehrt, ohne am Ende zu wissen, wer er eigentlich ist, findet
Peer Gynt 'Erlösung durch Liebe' im Schoße der wartenden, unberührten
Geliebten. Er wie Faust und wie bei Richard Wagner der 'Tannhäuser',
wie 'Der fliegende Holländer' - sie entgehen dem Untergang durch das
'Ewig Weibliche'. |
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Am 24. November 1938
hatte die Oper Peer Gynt in einer freien Nachgestaltung von Werner
Egk (1901- 1983) Premiere an der Lindenoper in Berlin.
Der Komponist und hier gleichzeitig auch Textdichter hatte das
Ibsens-Original auf 3 Stunden Spielzeit zusammen gestrichen, aber
auch erweitert um eine Anklage durch die bösen Taten Peer Gynts. Ist
die Hauptfigur im Schauspiel eine unentschlossene und
willensschwache, so wird in Egk's Oper Peer Gynt's Leben durch die
Macht der Trolle schicksalhaft beeinflusst, der Mensch also ein
Spielball äußerer Einflüsse. |

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Edward Grieg wurde 1874 von Henrik
Ibsen um eine Bühnenmusik für sein dramatisches Gedicht 'Peer Gynt'
gebeten. In der Folge entstanden 24 Miniaturen zu Ibsens Schauspiel.
Grieg bezweifelte aber, dass sich das Schauspiel 'Peer Gynt'
außerhalb Norwegens würde durchsetzen können. Später bezeichnete er
die Handlung von 'Peer Gynt' sogar als den "unmusikalischsten Stoff
von allen". Um seine Komposition vor dem Untergang zu bewahren,
entnahm Grieg einige der Miniaturen der Schauspielmusik, bearbeitete
sie neu und setzte sie zur Orchester-Suite zusammen. Aufgrund des
großen Erfolges der 1. Suite (Opus 46) in den Musikzentren der Welt
entschloss sich Grieg zu einem zweiten Auszug aus seiner
Bühnenmusik, welcher heute als 2. Suite (Opus 55) vorliegt. Die
Reihenfolge der einzelnen Sätze der Suiten folgt nicht mehr der
Handlung des Dramas. (AOZ-Archiv) |

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Die
Figuren der Handlung
Aase, eine Bauerswitwe
Peer Gynt, ihr Sohn
Zwei alte Weiber mit Kornsäcken
Aslak, ein Schmied
Hochzeitsgäste. Küchenmeister. Spielleute usw.
Ein zugewandertes Bauernpaar
Solvejg und Klein Helga, dessen Töchter
Der Haegstadbauer
Ingrid, seine Tochter
Der Bräutigam und seine Eltern
Drei Säterdirnen
Ein grüngekleidetes Weib
Der Dovre-Alte
Ein Hoftroll. Mehrere andere Trolle. Trolljugend
beiderlei Geschlechts
Ein paar Hexen, Erdgeister, Zwerge, Kobolde usw.
Ein hässlicher Junge. Eine Stimme im Dunkel.
Vogelschreie
Kari, eine Häuslersfrau
Master Cotton
Monsieur Ballon
Die Herren von Eberkopf und Trumpeterstraale,
Reisende
Ein Dieb und ein Hehler
Anitra, die Tochter eines Beduinenhäuptlings
Araber, Sklavinnen, tanzende Mädchen usw.
Die Memnons-Säule (singend)
Die Sphinx von Gizeh (stumme Person)
Begriffenfeldt, Professor, Dr. phil., Vorsteher des
Tollhauses zu Kairo
Huhu, ein Sprachreformer von der malebarischen
Küste
Hussein, ein morgenländischer Minister.
Ein Fellah mit einer Königsmumie
Mehrere Tollhäusler nebst ihren Wärtern
Ein norwegischer Schiffskapitän und seine
Mannschaft
Ein fremder Passagier
Ein Geistlicher.
Ein Leichengefolge.
Ein Amtmann.
Ein Knopfgießer
Eine magere Person
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Die Besetzung der
Hauptrollen
07.04.2005 |
Theater Regensburg |
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Aase |
Silvia
van Spronsen |
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Peer Gynt |
Valentin
Stroh (Akt I-III)
Martin Hofer III,7/Akt IV und V |
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Solvejg |
Anna Dörnte |
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Ingrid |
Karolina Thorwarth |
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'Die Schwarzen' am 07.04.05
in Regensburg
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Inszenierung |
Michael Bleiziffer |
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Bühnenbild |
Konrad
Kulke |
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Kostüme |
Uschi
Haug |
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Licht |
Klaus
Herbert Welz |
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Dramaturgie |
Rolf
Ronzier |
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Wie es uns gefallen hat
Ein Spektakel aus dem 19.
Jahrhundert oder ein sehr heutiges Stück, was holt uns dieser
Michael Bleiziffer auf die Regensburger Bühne? Sein Peer Gynt, der
seine Lebenszeit vergeudet, verspielt er ebenso unsere Theaterzeit?
Er lässt uns mit auf die Lebensstrecke gehen, als Begleiter dieses
rastlosen Globetrotters, der gestartet ist, um König oder gar Kaiser
zu werden und doch als Kaiser der Selbstsucht und König der Irren
endet. Peer, der als begnadeter Aufschneider vor dem Herrn und der
nordischen Dorfgemeinschaft gilt, macht sich auf den Weg, auf die
Suche und findet spät, fast zu spät, das wahre Kaisertum, verkörpert
durch die Werte, für die Solvejg steht: Glaube, Liebe, Hoffnung. Oft
als nordischer Faust kategorisiert, und damit bestens ins
diesjährige faustische Spielplan-Konzept von Intendant Ernö Weil
passend, beschreitet Peer den entgegengesetzten Weg: entfernt sich
Faust in seinem Erkenntnisdrang von diesem Wertekanon, erkennt Peer
darin letztlich dessen Krönung. Nicht bleibt wie es ist, nur eine
Konstante begleitet sein Rastlosigkeit: Solvejgs Zuneigung. Und
somit wirft Bleiziffer durchaus heute mehr denn je gültige
existentielle Fragen nach dem wohin auf. Was bleibt und wie
gestaltet sich die Lebens(zwischen)bilanz jedes Einzelnen? Sind es
Peer ähnliche Träume, aus denen heute Lebensfäden geknüpft sind? Und
wie sehr muss man Visionär sein in dieser Zeit, wie sehr sich
Verbiegen, um ans Ziel zu kommen. Peer Gynt ist bei Bleiziffer so
ein Mensch, der sich überall einfügt, anpasst, um vorwärts zu kommen
auf der von ihm selbst vorphantasierten Lebensleiter. Letztlich
stellt er fest, er hat an seinem Leben vorbeigelebt, seine
Individualität blieb auf der (Lebens)strecke. Viele Regisseure vor
dem Regensburger Oberspielleiter hatten Vorstellungen, wie dieser
Peer auf die Bühne und durch das Leben schreiten muss. Vor 35 Jahren
ließ Peter Stein an der Schaubühne ganze sechs Peer aufmarschieren,
bei Kresnick in Salzburg waren es ihrer drei und Bleiziffer lässt
wie Hasko Weber in Stuttgart zwei aufmarschieren. Als ob einer die
Last nicht tragen mag, bestreitet bis zur Pause nach dem dritten Akt
und dem Tod von Aase Valentin Stroh diesen Part, während Martin
Hofer auf die irrende Weltreise über den großen Teich, in die Wüste,
auf archäologische Stippvisite in Ägypten und via Psychiatrie wieder
im heimischen Norden landen darf. Hier setzt die Frage nach dem
Warum dieser Doppelung an. Ist doch eben die selbstgenügsame
Unverrückbarkeit das konstante Markenzeichen dieses Phantasten, der
erst in der berührenden Abschlussszene zur Erkenntnis gelang, dass
eine eigene Identität nie allein, sondern nur in der Sozialisation
definiert werden kann.
Valentin Stroh und Martin Hofer eint, dass sie in
der Regensburger Inszenierung trotz inhaltlicher Schwere und
Dominanz ihre 22 Mitstreiter nicht an die Wand spielen und zur
Staffage ihrer beeindruckenden Auftritte degradieren. Das schafft
liebevoll herausgearbeitete hochambitionierte Szenen für die
Wegbegleiter ihrer Geschichte. Und wie die Lebensgeschichte
zusammenfassend, lässt der Regisseur die Figuren, die Peer
begleiteten, im Irrenhaus hintersinnig wieder auftauchen. Hofer
gefällt in den verhaltenen Momenten, aber auch im Absoluten seiner
Überlebenshandelns. Stroh, der sich bei der Premiere erst einmal
warm spielen musste und in der Anfangsphase bei Artikulation und
Textsicherheit kleinere Defizite offenbarte, arbeitet darstellerisch
gekonnt die fast pubertätspotenzstrotzende Kraft heraus, mit der er
Ingrid (Karolina Thorwarth) entführt, sexuell beglückt und fallen
lässt. Die emotionalsten und glaubwürdigsten Momente hat Stroh in
der Zwiesprache mit seiner Mutter Aase. Sie kauft Peer seine wilden
Geschichten ab, die er vom Elch erzählt. Und er kehrt noch einmal
aus seiner Waldfluchtstätte heim, um sie liebevoll mit der Kraft
seiner unbegrenzten Phantasie glücklich in eine bessere Welt zu
flunkern.. Welch ein Gegensatz zur tristen Lebenswüste, die Peer
noch erwartet. Ihre Aase hat das Leben und die Liebe zu einem Mann
gebeutelt, der den Wohlstand wie das ausgetrunkene Glas an die Wand
warf. Mühsam hangelt sie sich auch äußerlich davon gezeichnet, durch
die Widrigkeiten des Lebens und bleibt dabei stets die
hinwendungsvolle, liebende Mutter. Silvia van Spronsens Aase bekommt
so die Kurve, aus der das Leben Peer treibt.
Bis auf Solvejg in der Person der sehr sensibel
agierenden Anna Dörnte verblassen dagegen die anderen
Frauendarstellerinnen, die darstellerisch eher in Pastell gezeichnet
sind. Die Trollfrau, die Peer schwängert, wirkt in der Gestalt von
Silvia Schuh mehr animalisch als erotisch. Anja Carolin Pohls
sexuelle Ausstrahlung als Anitra ist weit von betörendem Liebreiz
einer heißblütigen Wüstengespielin entfernt. Ihre Begierde
kanalisiert sich in Richtung seiner materiellen Schätze, die sie ihm
abluchst und ihn dann züchtigend verlässt.
Ohne äußeren Glorienschein stilisiert die
Inszenierung die Solvejg Anna Dörntes zu einer Ikone. Sie singt das
Lebenslied der alles verzeihenden immerwährenden Liebe einer Frau.
Aus der scheuen Zurückhaltung des jungen Mädchens wächst die tiefe
Zuneigung zu jenem Mann, der vor ihr in die Welt flieht. Dörnte
offenbart dabei eine große introvertierte Wandlungsfähigkeit und
wirkt auch in ihrem Gesang höhensicher. Überhaupt mochte Bleiziffer
der Faszination des Textes von Hendrik Ibsen, dieser Melange aus
Volksmythen, Reisebericht und Satire, wohl nicht ganz zu trauen. Er
greift auf die Bühnenmusik von Edvard Grieg zurück, die zwischen
Bierwerbung und Radiowunschkonzert chargiert, setzt aber durchaus
eigene musikalisch Akzente.
Uschi Haug und Konrad Kulke, mit Michael
Bleiziffer seit Faust-Zeiten ein kongeniales
Inszenierungs-Dreiergespann, bebildern das Stück mit starken
Effekten für Auge und Ohr. Was da zu Beginn an eine Halfpipe oder
ein überdimensionierter trockener Brotkanten wirkt, entpuppt sich im
über dreistündigen Spiel als universaler Theaterort, der sich hebt
und senkt, aus dem sich Solvejgs Hütte und das amerikanische
Sonnendeck hebt. Dazu farbenfrohe und opulente Kostüme wie das Grün
der Trolle und das Puffrot in Licht und Strümpfen der Saeterinnen.
Verdienter Beifall aus dem für eine Premiere dieser Größenordnung
eher verhalten gefüllten Zuschauerraum für ein großartiges Ensemble,
das zahlreiche Rollen übernahm, und das Inszenierungsteam. (UK)
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