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  Staatsoper Hamburg
Repertoire-Vorstellung
04.02.2007

Richard Wagner
'Parsifal'
 Bühnenweihfestspiel
 
"... und - lachte ..."
 
   
         
 
 

 

 

   
 

 

 

     
  Vierzig Jahre lang beschäftigte sich Richard Wagner mit Themen um Parzefal.
1842 erhielt er durch Samuel Lehrs Einblick in die Lohengrin-Sage, die er 1845 durch die Schaffung der ersten Prosaskizze in seine romantische Oper umwandelte.
1882 schloss er das Gesamt-Thema um den Gral mit dem Ende der Komposition des 'Parsifal' ab.

Robert Wilson nahm 100 Jahre später das Thema für die Hamburgische Staatsoper auf.
1991 brachte er in seinem Bühnenbild, seiner Regie und seiner Lichtkomposition das Spätwerk Richard Wagners auf die Bühne der Hansestadt, in der für ihn so typischen Choreographie der Minimal-Bewegungen und Minimal-Pantomime - nicht zu vergessen, Wilson war der erste mit Pilipp Glass zusammenarbeitende Regisseur, wobei sich offensichtlich die 'minimal-music' des Komponisten auf die Minimal-Inszenierung des Robert Wilson übertrug.
Im Laufe des Abends allerdings verlieren die Sänger irgendwie die Lust, an den merkwürdigen Hand-, Kopf- und Fuß- wie Körperbewegen, stehen meist still, lupfen gelegentlich mal die Arme, konzentrieren sich aber auf den schon genug schwierigen Gesangspart der Rolle.

Eindrucksvoll, durch den offenen Vorhang, der Blick auf das Einheitsbühnenbild einen durch den Schleier sich zeigenden, leicht wogenden See, Flirren eines Sommertages, die Gaze hebt sich und gibt den Blick auf die sich sanft nach hinten erhöhende Spielfläche, mit Silberfolie belegt, frei, die wohl so das imaginäre Ufer eines Waldsees darstellen soll und über das im Laufe des Abends mal 'Kundry' auf einem Brett über die Bühne gezogen, mal - durch übergroße Strelizien symbolisiert - der Zaubergarten von links nach rechts verschoben wird, mal ein Fels von links nach rechts vorüberpoltert, mal ein innerlich erleuchteter, mannshoher 'kristalliner Körper' sich von links nach rechts bewegt, über diesen sich ein gläserner, von innen beleuchteter und begehbarer Ring stülpt, wohl um die Runde der Gralsritter, ohne diese, vorzuzeigen.

Das Ereignis des Abends: der große und nach nahezu vierzig Jahren Bühnentätigkeit (1969 sang er mit 24 Jahren den 'Philipp' im 'Don Carlos') nicht in der Routine erstorbene, stimmlich unverschlackte und musikalisch sichere Matti Salminen als 'Gurnemanz'. Er übersteht diese Riesenpartie ohne hörbare Anstrengung, hat das lang ausgehaltene hohes 'E' beim [..] die letzte Last entnimm nun seinem Haupt. [...]" parat - als wäre es nichts und das am Ende eines langen Abends. Die große Gestalt, ungebeugt von vielen Opernabenden zeigt die Strenge wie auch die Güte, der Figur entsprechend. Gefeiert vom Publikum, auch Dank, dass er nach der Gala für das 40-jährige Hamburg-Jubiläum von Placido Domingo am 1.2.07 - bei dem er im 1. Aufzug Walküre den 'Hunding' sang - mal eben da blieb, um dem Elbestadt-Publikum und angereisten R-W-Verbänden einen souveränen 'Gurnemanz' zu präsentieren.

Neben einem Salminen verblasst alles:
Bei Yvonne Naef als 'Kundry' merkt der Aufmerksame, dass auch für sie ein 'hohes B' ein 'hohes B' ist und darüber hinaus dann auch ein 'hohes H' entsprechende Tücken aufweist.
Zweifelsohne hat sie in der ihr bequemen Lage Möglichkeiten der Phrasierung, die sie auch entsprechend zum Wohlgefallen des Publikums nutzt, aber Spitzentöne sind eben nicht aus der Linie heraus 'gesungen'. Da geht das hohe 'H' bei ..." [...] und - lachte [...]" noch an, aber 'die Schrauben' wie beim "[...] lässt dich dann Gottheit erlangen [...]" oder am Ende der Rolle mit dem "[...] dich weih ich ihm zum Geleit [...]" zeigen die Grenzen auf.

Alexander Tsymbalyuk bleibt als 'Titurel' unsichtbar, was man stimmlich aus der Gasse hört, ist nicht unangenehm, reißt aber auch nicht vom Sessel.

Anders bei Hanno Müller-Brachmann als 'Amfortas'.
Hier fühlt der Stimmenkennende sich bemüßigt, aufzuspringen und zu rufen "O haltet ein!" -
liegt der Sänger nämlich völlig neben seinen Möglichkeiten. Schon figürlich lässt sich abschätzen, dass hier der Klang für den leidenden Grals-König nicht erreicht werden kann, schlimm wird es dann bei den 'Wehe-Rufen' - das ist pure Quälerei, die sollte Herr Müller-Brachmann sich ersparen und an die Lindenoper zurückkehren, dort sein angestammtes Repertoire wie 'Papageno', 'Guglielmo' - vielleicht noch 'Escamillo' singen und nicht mit dem 'Amfortas' als Rollendebut in Hamburg gastieren gehen, zumal er auch vom Ausdruck her neben einem gequälten 'Amfortas' steht.

Als 'Klingsor' stellte sich Daniel Sumegi vor. Er bemühte sich die Boshaftigkeit des Zauberers deutlich zu machen, es blieb beim schwarzen Kostüm und dem daraus zwangsläufig resultierenden, schwarzen Charakter - die Dämonie wurde weder darstellerisch - auch wenn man nur steht, kann vom Körper die Kraft sichtbar gemacht werden - noch über die Stimme deutlich.

Der Hamburgischen Staatsoper völlig unangemessen, die beiden Gralsritter und die vier Knappen. Die Frage stellt sich, woher kommen diese Zauderer, die auch den Uneingeweihten verblüffen, mit rollendeckender Nicht-Stimmqualität. Die Besetzung der kleinen Rollen bestimmt das Ansehen eines ganzen Hauses.

Am Ende und doch nicht zuletzt, die Besetzung der Titelrolle mit Christian Franz.
Nun besteht zu diesem Sänger eine besondere Beziehung, hat der Beobachter ihn doch als Anfänger in Regensburger Zeiten erlebt und gebebt als er mit 25 Jahren schon 'Otello' und 'Laca' - nach kleineren Rollen wie in 'Die wundersame Schustersfrau' im Theater der Metropole der Oberpfalz sang.
Die Entwicklung ging über Wuppertal, Kassel direkt an die Lindenoper, wo er auch 'Tristan' in den frühen Jahren dieses Jahrtausends war.
Er hat bisher durchgehalten, sang 2003 in Köln und Münster 'Siegfriede' und gab nun den 'Parsifal' in Hamburg in einem Kostüm, das bei aller Ehrfurcht vor Frau Parmeggiani als Kostümbildnerin - mit ihren in dieser Produktion ansonsten bizarren Entwürfen - den Ausruf des Sängers erlaubte: "so gehe ich nicht raus!"
Ein langes gesteiftes gelbfarbenes Gewand mit Flügelärmelchen, das die nackerten, bleichhäutigen Ärmchen zeigt - er scheint mit Pfeil und Bogen nicht viel geübt zu haben, jedenfalls, von Muskeln keine Spur. In den ihm verpassten bequemen Puschen 'softet' er herum, verlässt er sich beim Jagen auch mehr auf Robert Wilson, denn der lässt den toten Schwan symbolisiert in Form eines Riesenflügels am Bühnenhindergrund aus dem Schnürboden herabschweben.

Herr Franz macht nicht die Figur des kühnen Helden, in dem eine Entwicklung zum Nahezu-Heiligen steckt - allenfalls im schwarzen, alles überdeckenden Rittergewande im letzten Akt vor der Verwandlung - der im Fluge alles trifft, "was fliegt" auch nicht des durch Fastverführung Belasteten im zweiten Aufzug, nicht des Erkenntnisreichen und nun Königs in Monsalvat am Ende des Werkes.

Mag sein, dass er als unbeschwerter 'Jung-Siegfried' das Publikum in den Bann zieht, zumal, wenn er mit seinem fokussierten, helltimbrierten Organ alles, was Töne macht, überwindet.
Soweit das Erinnerungsvermögen reicht, klang die Stimme früher und auch im 'Tristan' an der Lindenoper satter, runder - jetzt sitzt alles sicher in den oberen Kopfhöhlen, der Vorteil, Herr Franz durchdringt die größten Orchesterwogen, aber ein kraftvoller, satter, runder Sound wie ihn sich das Publikum besonders für den geläuterten Parsifal vorstellt, war nicht zu hören.

Der Sänger versteht jedoch, mit dieser 'In-die-Maske-Technik' umzugehen, phrasiert gut, Piani kommen mühelos, die Gestaltung der Rolle von dieser Seite aus, nahezu perfekt, wenn nicht der hell-deutliche Klang der Stimme wäre, der vom Idealbild eines Gralsritters - gepaart mit dem visuellen Eindruck - entfernt ist. Über ein gewisses, in eine langsame Schaukel sich begebendes Vibrato, soll nicht weiter gesprochen werden, zeigt es aber doch, dass Herr Franz nun seit 1994 die großen Heldenpartien singt und er erst ein Enddreißiger ist.

Großer Beifall am Ende des Abends besonders für das Staatsorchester unter der Leitung der Frau Generalmusikdirektor Simone Young. Selten hat der Zuhörer einem so samtenen, vollendeten Klang eines Orchesters life lauschen können, der sich durch die verhaltenen Tempi voll entfaltete.
Das Erstaunlichste: eine Frau in Hamburg, in dieser Männerstadt, voller Industrie- und Schiffskapitäne, inmitten eines versnobten Publikums kann sich durchsetzen und wird von den Hanseaten bejubelt.
 
 
     
     
 

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Dieter Hansing

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