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Vierzig Jahre lang
beschäftigte sich Richard Wagner mit Themen um Parzefal.
1842 erhielt er durch Samuel Lehrs Einblick in die Lohengrin-Sage,
die er 1845 durch die Schaffung der ersten Prosaskizze in seine
romantische Oper umwandelte.
1882 schloss er das Gesamt-Thema um den Gral mit dem Ende der
Komposition des 'Parsifal' ab.
Robert Wilson nahm 100 Jahre später das Thema für die
Hamburgische Staatsoper auf.
1991 brachte er in seinem Bühnenbild, seiner Regie und seiner
Lichtkomposition das Spätwerk Richard Wagners auf die Bühne der
Hansestadt, in der für ihn so typischen Choreographie der
Minimal-Bewegungen und Minimal-Pantomime - nicht zu vergessen,
Wilson war der erste mit Pilipp Glass zusammenarbeitende Regisseur,
wobei sich offensichtlich die 'minimal-music' des Komponisten auf
die Minimal-Inszenierung des Robert Wilson übertrug.
Im Laufe des Abends allerdings verlieren die Sänger irgendwie die
Lust, an den merkwürdigen Hand-, Kopf- und Fuß- wie Körperbewegen,
stehen meist still, lupfen gelegentlich mal die Arme, konzentrieren
sich aber auf den schon genug schwierigen Gesangspart der Rolle.
Eindrucksvoll, durch den offenen Vorhang, der Blick auf das
Einheitsbühnenbild einen durch den Schleier sich zeigenden, leicht
wogenden See, Flirren eines Sommertages, die Gaze hebt sich und
gibt den Blick auf die sich sanft nach hinten erhöhende
Spielfläche, mit Silberfolie belegt, frei, die wohl so das imaginäre
Ufer eines Waldsees darstellen soll und über das im Laufe des Abends
mal 'Kundry' auf einem Brett über die Bühne gezogen, mal - durch
übergroße Strelizien symbolisiert - der Zaubergarten von links nach
rechts verschoben wird, mal ein Fels von links nach rechts
vorüberpoltert, mal ein innerlich erleuchteter, mannshoher
'kristalliner Körper' sich von links nach rechts bewegt, über diesen
sich ein gläserner, von innen beleuchteter und begehbarer Ring
stülpt, wohl um die Runde der Gralsritter, ohne diese, vorzuzeigen.
Das Ereignis des Abends: der große und nach nahezu vierzig Jahren
Bühnentätigkeit (1969 sang er mit 24 Jahren den 'Philipp' im 'Don
Carlos') nicht in der Routine erstorbene, stimmlich unverschlackte und
musikalisch sichere Matti Salminen als 'Gurnemanz'. Er
übersteht diese Riesenpartie ohne hörbare Anstrengung, hat das lang
ausgehaltene hohes 'E' beim [..] die letzte Last entnimm nun seinem
Haupt. [...]" parat - als wäre es nichts und das am Ende eines
langen Abends. Die große Gestalt, ungebeugt von vielen Opernabenden
zeigt die Strenge wie auch die Güte, der Figur entsprechend.
Gefeiert vom Publikum, auch Dank, dass er nach der Gala für das
40-jährige Hamburg-Jubiläum von Placido Domingo am 1.2.07 - bei dem
er im 1. Aufzug Walküre den 'Hunding' sang - mal eben da blieb, um
dem Elbestadt-Publikum und angereisten R-W-Verbänden einen
souveränen 'Gurnemanz' zu präsentieren.
Neben einem Salminen verblasst alles:
Bei Yvonne Naef als 'Kundry' merkt der Aufmerksame, dass auch
für sie ein 'hohes B' ein 'hohes B' ist und darüber hinaus dann auch
ein 'hohes H' entsprechende Tücken aufweist.
Zweifelsohne hat sie in der ihr bequemen Lage Möglichkeiten der
Phrasierung, die sie auch entsprechend zum Wohlgefallen des
Publikums nutzt, aber Spitzentöne sind eben nicht aus der Linie
heraus 'gesungen'. Da geht das hohe 'H' bei ..." [...] und - lachte
[...]" noch an, aber 'die Schrauben' wie beim "[...] lässt dich dann
Gottheit erlangen [...]" oder am Ende der Rolle mit dem "[...] dich
weih ich ihm zum Geleit [...]" zeigen die Grenzen auf.
Alexander Tsymbalyuk bleibt als 'Titurel' unsichtbar, was man
stimmlich aus der Gasse hört, ist nicht unangenehm, reißt aber auch
nicht vom Sessel.
Anders bei Hanno Müller-Brachmann als 'Amfortas'.
Hier fühlt
der Stimmenkennende sich bemüßigt, aufzuspringen und zu rufen "O
haltet ein!" -
liegt der Sänger nämlich völlig neben seinen
Möglichkeiten. Schon figürlich lässt sich abschätzen, dass hier der
Klang für den leidenden Grals-König nicht erreicht werden kann,
schlimm wird es dann bei den 'Wehe-Rufen' - das ist pure Quälerei,
die sollte Herr Müller-Brachmann sich ersparen und an die Lindenoper
zurückkehren, dort sein angestammtes Repertoire wie 'Papageno',
'Guglielmo' - vielleicht noch 'Escamillo' singen und nicht mit dem 'Amfortas'
als Rollendebut in Hamburg gastieren gehen, zumal er auch vom
Ausdruck her neben einem gequälten 'Amfortas' steht.
Als 'Klingsor' stellte sich Daniel Sumegi vor. Er bemühte
sich die Boshaftigkeit des Zauberers deutlich zu machen, es blieb
beim schwarzen Kostüm und dem daraus zwangsläufig resultierenden, schwarzen
Charakter - die Dämonie wurde weder darstellerisch - auch wenn man
nur steht, kann vom Körper die Kraft sichtbar gemacht werden - noch
über die Stimme deutlich.
Der Hamburgischen Staatsoper völlig unangemessen, die beiden
Gralsritter und die vier Knappen. Die Frage stellt sich, woher
kommen diese Zauderer, die auch den Uneingeweihten verblüffen, mit rollendeckender Nicht-Stimmqualität. Die Besetzung der kleinen
Rollen bestimmt das Ansehen eines ganzen Hauses.
Am Ende und doch nicht zuletzt, die Besetzung der Titelrolle mit
Christian Franz.
Nun besteht zu diesem Sänger eine besondere Beziehung, hat der
Beobachter ihn doch als Anfänger in Regensburger Zeiten erlebt und
gebebt als er mit 25 Jahren schon 'Otello' und 'Laca' - nach
kleineren Rollen wie in 'Die wundersame Schustersfrau' im Theater
der Metropole der Oberpfalz sang.
Die Entwicklung ging über Wuppertal, Kassel direkt an die
Lindenoper, wo er auch 'Tristan' in den frühen Jahren dieses
Jahrtausends war.
Er hat bisher durchgehalten, sang 2003 in Köln und Münster
'Siegfriede' und gab nun den 'Parsifal' in Hamburg in einem Kostüm,
das bei aller Ehrfurcht vor Frau Parmeggiani als Kostümbildnerin -
mit ihren in dieser Produktion ansonsten bizarren Entwürfen - den
Ausruf des Sängers erlaubte: "so gehe ich nicht raus!"
Ein langes gesteiftes gelbfarbenes Gewand mit Flügelärmelchen, das
die nackerten, bleichhäutigen Ärmchen zeigt - er scheint mit Pfeil
und Bogen nicht viel geübt zu haben, jedenfalls, von Muskeln keine
Spur. In den ihm verpassten bequemen Puschen 'softet' er herum, verlässt er sich beim
Jagen auch mehr auf Robert Wilson, denn der lässt den toten Schwan
symbolisiert in Form eines Riesenflügels am Bühnenhindergrund aus
dem Schnürboden herabschweben.
Herr Franz macht nicht die Figur des kühnen Helden, in dem eine
Entwicklung zum Nahezu-Heiligen steckt - allenfalls im schwarzen,
alles überdeckenden Rittergewande im letzten Akt vor der Verwandlung
- der im Fluge alles trifft, "was fliegt" auch nicht des durch
Fastverführung Belasteten im zweiten Aufzug, nicht des
Erkenntnisreichen und nun Königs in Monsalvat am Ende des Werkes.
Mag sein, dass er als unbeschwerter 'Jung-Siegfried' das Publikum in
den Bann zieht, zumal, wenn er mit seinem fokussierten,
helltimbrierten Organ alles, was Töne macht, überwindet.
Soweit das Erinnerungsvermögen reicht, klang die Stimme früher und
auch im 'Tristan' an der Lindenoper satter, runder - jetzt sitzt
alles sicher in den oberen Kopfhöhlen, der Vorteil, Herr Franz
durchdringt die größten Orchesterwogen, aber ein kraftvoller,
satter, runder Sound wie ihn sich das Publikum besonders für den
geläuterten Parsifal vorstellt, war nicht zu hören.
Der Sänger versteht jedoch, mit dieser 'In-die-Maske-Technik' umzugehen, phrasiert gut, Piani kommen mühelos, die Gestaltung der
Rolle von dieser Seite aus, nahezu perfekt, wenn nicht der
hell-deutliche Klang der Stimme wäre, der vom Idealbild eines
Gralsritters - gepaart mit dem visuellen Eindruck - entfernt ist.
Über ein gewisses, in eine langsame Schaukel sich begebendes Vibrato,
soll nicht weiter gesprochen werden, zeigt es aber doch, dass Herr
Franz nun seit 1994 die großen Heldenpartien singt und er erst ein
Enddreißiger ist.
Großer Beifall am Ende des Abends besonders für das Staatsorchester
unter der Leitung der Frau Generalmusikdirektor Simone Young. Selten
hat der Zuhörer einem so samtenen, vollendeten Klang eines
Orchesters life lauschen können, der sich durch die verhaltenen
Tempi voll entfaltete.
Das Erstaunlichste: eine Frau in Hamburg, in dieser Männerstadt,
voller Industrie- und Schiffskapitäne, inmitten eines versnobten
Publikums kann sich durchsetzen und wird von den Hanseaten bejubelt.
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Als Premieren-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten Karten aus
dem freien Verkauf gebe ich hier meine subjektive Meinung zu den
Gehörten und Gesehenen zur Kenntnis.
Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik willen, sondern als Hinweis auf nach meiner
Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem. Neben Sachaussagen
enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire. Für
diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in
Anspruch. In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um
Kommentare herauszufordern. Dieter Hansing

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