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Arrigo Boito |
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Mefistofele |
Oper mit
einem Prolog, in vier
Akten und einem Epilog |
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Scenenbild von C- Ferrario zu 'Mefistofele' |
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Arrigo Boïto - auch Fachleuten
hauptsächlich als Librettist für Giuseppe Verdi bekannt - war Sohn eines
italienischen Malers und - durch Stipendien - Schüler des Mailänder
Konservatoriums.
Die Mutter, eine Polin, war drei Jahre nach dem Vater Silvestro Boïto
gestorben und hatte zwei Söhne, den 23-jährigen Camillo und den 16-jährigen
Arrigo, hinterlassen.
Der ältere Bruder kümmerte sich Zeit seines Lebens um den jüngeren. |
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Camillo Boïto hatte Architektur
studiert und war sehr früh Professor an der Accademia di Belle Arti
in Venedig geworden. 1859 wechselte er an die Akademie nach Mailand,
wo er 48 Jahre lehrte.
Eine Wohngemeinschaft der Brüder in Mailand und die finanzielle
Absicherung durch den Bruder erlaubten Arrigo Boïto, sich seinen
literarischen-musikalischen Arbeiten zu widmen. Während dreißig
Jahren war er als Übersetzer für die Verlage Lucca und Ricordi
tätig.
Bei Aufenthalten in Paris knüpfte er Kontakt zu Rossini, Berlioz,
machte sich mit Wagners Werken bekannt und übersetze dessen 'Rienzi',
'Tristan', das 'Liebemahl der Apostel' und die 'Wesendonck-Lieder'
ins Italienische wie auch schon vorher Webers 'Freischütz'. |
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1868 wurde seine einzige vollendete
Oper 'Mefistofele' an der Mailänder Scala uraufgeführt - ohne Erfolg
zu haben.
Eine überarbeitete Fassung, bei der er Kürzungen vornahm, kam in
Bologna am 5. Oktober 1875 auf den Spielplan.
Sein 'Nerone' blieb unvollendet und wurde erst 1924 durch Toscanini
dem Publikum zugängig gemacht. Sein eigenes Schaffen stellte Boïto
ganz seinem verehrten Freund Giuseppe Verdi zur Verfügung. Für 'Falstaff'
und 'Othello' erstellte er die Texte wie von ihm auch die
Bearbeitung von 'Simone Boccanegro' stammt. |
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Der Librettist der italienischen
oder auch französischen Oper hat eine besondere Stellung. Im
Gegensatz zu Lortzing und Wagner, die sich nicht auf fremde Texte
verließen, sondern eigene schufen, um bei Text und Musik
größtmöglichen Einklang zu schaffen, haben Komponisten in der
Mehrzahl Texte Anderer zur Vertonung herangezogen. Lorenzo Da Ponte
und Schikaneder waren für Mozart die tätig, Tschaikowski bediente
sich der Vorlagen von Alexander Puschkin, wobei sein Bruder Modest
die musikgerechten Texte lieferte. |
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In seinen 'Mefistofele' übernahm
Boïto Passagen aus Goethes Faust - Teil I und II - nahezu wörtlich,
um möglichst am Werk des Deutschen Dichters zu bleiben. Gerade
aber die Verbindung beider Teile führte zu dramaturgischen Problemen,
die dann auch zum Misserfolg bei der Uraufführung beitrugen.
Unter dem Einfluss von Wagners durchkomponierten Werken, versuchte Boïto, das nummernhafte der italienischen
seiner Zeit Oper zu verlassen.
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Hatte Gounod sich auf
die publikumswirksame Gretchen-Tragödie beschränkt, überstrapazierte
Boïto die Zuhörer mit einer fünfstündigen Fassung, die er dann in
der Bearbeitung auf die Situation Faust - Gretchen unter dem
Einfluss Mephistos reduzierte, ohne aber auf die
Walpurgisnacht, Helena-Szenen und Prolog im Himmel und Epilog zu
verzichten. Wenn auch der ganz große Erfolg dem Werk nicht
beschieden war, so konnte es sich doch auf den Spielplänen halten.
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In der Diskographie der Labels findet
sich das Werk in verschiedenen Einspielungen, wobei noch eine aus
den sechziger mit Cesare Siepi auf dem Markt ist. Die achtziger
Jahre zeigen vornehmlich Aufnahmen mit Nicolai Ghiaurov in der
Titelrolle neben Alfredo Kraus, Carlo Bergonizi, Plácido Domingo und
Luciano Pavarotti als Faust und mit Renata Tebaldi, Mirella Freni
oder Montserrat Caballé als Margherita zu finden sind. Später
erschienen sind Einspielungen mit Samuel Ramey als Mefistofele und 'Marton-Eva'
in der weiblichen Hauptrolle. |

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Die Besetzung der
Hauptrollen
am 20.03.2005 |
Theater Regensburg |
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Mefistofele |
Jóhann
Smári Saevarsson |
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Faust |
Yong-Bae
Shin |
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Margharita |
Katharina E. Leitgeb |
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Wagner |
Michael Suttner |
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Martha |
Astrid M. Hofer |
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Helena |
Gail Sullivan |
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Pantalis |
Carmela Calvano Forte |
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Nerone |
Karsten Münster |
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'Die Schwarzen' am 20.03.05
in Regensburg |
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Musikalische Leitung |
Jari Hämäläinen |
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Inszenierung |
Heinz
Lukas-Kindermann |
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Bühnenbild/Kostüme |
Heidrun
Schmelzer |
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Chor |
Andreas
Mehling |
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Licht |
Klaus
Herbert Welz |
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Dramaturgie |
Christina
Schmidt |
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Wie es uns gefallen hat !
Bericht von der Mefistofele-Premiere in Regensburg
Gretchen leidet.
Schrecken, Einsamkeit, Wahnsinn und der Trost im Tod mischen sich in
ihrer großen Arie - ganz berührend und dramatisch von Katharina E.
Leitgeb gestaltet. Diese lange Szene, in der knallgelben
Kerkerkiste, die mal des Teufels Revier mal den Brocken darstellt,
ist eindrucksvoll - aber leider eine der wenigen, die hängen bleiben
nach einem langen Opernabend. Boitos "Mefistofele" hat man sich im
Theater Regensburg vorgenommen, selten gespielt, entpuppt sich die
Komposition des Verdi-Librettisten als äußerst sperrig und
bruchstückhaft.
Und diese Mängel konnte die Inszenierung von Heinz Lukas-Kindermann
nicht ausgleichen.
Goethes "Faust" gibt es häppchenweise: Osterspaziergang - die Regie
lässt den Chor als maskierte Spießer in stilisierten Posen und
Bewegungen agieren. Die Studierstube kommt vor - doch die Wandlung
des Bettelmönches (statt des Pudels) zum Teufel verpufft in einem
putzigen Feuerwerkseffektchen. So gibt es sozusagen immer mal einen
Wiedererkennungseffekt, aber eine richtige Dramaturgie, eine
Entwicklung der Figuren findet nicht statt. Und so bleibt die
Teufels-Geschichte, nach einem sehr langen, aber ganz
beeindruckenden (Chor-)Prolog zum Lob der Harmonie und der Welt, ein
Schnitzelwerk.
Das hat Lukas-Kindermann in einem abstrakt-kühlen Bühnenbild
(Heidrun Schmelzer, die auch die zeitgenössischen Kostüme entworfen
hat), in Szene gesetzt. Da stehen sich in der Studierstube zwei
Herren mit Halbglatze und Anzug gegenüber, Mefistofele der eine und
Faust der andere, der bald mit (wieder) Feuerwerk verjüngt
erscheinen darf. Und dann entführt eine rote Zeigefinger-Hand die
beiden zu Gretchen in den Garten, wo aber ziemlich uninspiriert auf
dem sich drehenden Bodenkeil spaziert wird; von Verführung
keine Spur.
Schließlich geht es noch auf den Brocken, zu Hexen im Abendkleid,
von denen eine als gewagtestes Utensil Strapse trägt; ein
Hexensabbat so sündig wie ein Nachmittagstee. Dass dieser Sabbat
trotzdem einigermaßen zündet, liegt am wunderbaren Mefistofele von
Johan Smari Saevarsson. Der singt mit ausdrucksvoller Tiefe, ist
dämonisch und listig, sehr präsent und agil und singt auch mal das
Augenzwinkern mit. Das ist über die ganzen drei Stunden eine Freude
zu sehen und zu hören. Leider fehlt ihm der Gegenpart, denn auch
eine Oper, die Mefistofele heißt, braucht einen Faust. Doch Yong-Bae
Shin bleibt stimmlich wie spielerisch blass, ist weder grübelnder
Gelehrter noch leidenschaftlich Liebender; er liefert
Tenor-Standard-Gesten zu wenig eindrücklichem Gesang.
Nach der Pause geschieht dann in dieser Oper, die so vieles einfach
auf die Bühne stellt, die, ebenso wenig wie die Regie, Figuren und
Handlung glaubhaft und begründet macht, Erstaunliches. Denn
eigentlich gibt es nur drei Szenen, die überhaupt nicht zueinander
passen. Da ist Gretchens Kerkerszene, sehr eindrucksvoll. Da ist die
Szene in Griechenland bei der schönen Helena, der Faust verfällt.
Eine Verknüpfung oder Begründung, warum man plötzlich in
Griechenland ist, gibt es nicht - aber die Szenerie mit idyllischem
Statuenhain und einer erstaunlichen Helena (Gail Sullivan)
funktioniert einfach und klingt gut. Und dann noch der lange
Abschied des Faust von seinen Träumen, seinen Idealen, vom Leben in
seiner Studierstube. Dafür schickt Lukas-Kindermann den Chor noch
mal in den dritten Rang hinauf.
Auch musikalisch ist dieser Mefistofele durchaus unterschiedlich. Da
wird viel wie bei Verdi gedräut, Gefahr signalisiert, Aufregung in
Noten gesetzt - doch die Eleganz Giuseppe Verdis fehlt. Boito hat
eine funktionierende Theatermusik geschrieben, teils sehr
weitschweifig, aber mehr nicht. Kaum etwas bleibt hängen, keine der
Arien beeindruckt wirklich, auch die Chöre (Einstudierung Karl
Andres Mehling) haben schön, aber nicht besonders eindrucksvoll zu
singen. Das Orchester unter Jari Hämäläinen malt ordentlich die
Farben aus, die Boito ihm zuschreibt, macht die Walpurgisnacht
aufregender als sie auf der Bühne ist und ist in der Kerkerszene ein
ganz sanfter Partner der Sängerin.
Allerdings: Eine "ungewisse Schlacht zwischen Satan und Gott" sind
an diesem Abend weder Stück noch Inszenierung.
Und trotzdem: die Regensburger jubelten ausgiebig.
(UG)
(Ute Grundmann schreibt u.a. für den 'Mannheimer
Morgen' und
'Die Deutsche Bühne'.)
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