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Theater
Regensburg
    21.10.2006

'Maske in Blau'

Texte: Heinz Hentschke / Günther Schwenn
Musik:
Fred Raymond

  
   
         
 
 

 

 


15.10.06 - Matinee zur Inszenierung

Gerhard Platièl inszeniert ….

…. wieder einmal in Regensburg, war der überhaupt weg, hat er doch eben erst den 'Superstar Jesus Christ' den Regensburgern näher gebracht.
Es ist doch immer wieder eine Freude, liest man schon in der Spielplanvorschau – Platièl kommt wieder. Gelegentlich ist er gar mehrfach in einer Spielzeit in Regensburg, wenn er nicht gerade in Pforzheim oder in Hagen als Regisseur gebraucht wird.
Soeben – genau am 6.10. - hat er in der Schmuckstadt zwischen Stuttgart und Karlsruhe – 'Maske in Blau' inszeniert.

Alles ist also noch frisch zur Hand. Choreographierte er in Pforzheim selber, überlässt er es in Regensburg dem hiesigen Ballettmeister. Glücklicherweise ist Herr Platièl ja nicht ganz unbewandert auf dem Sektor Tanz, war er doch schon 1971 – also vor 35 Jahren - Ballettmeister SZG I, dann später Spielleiter bzw. Oberspielleiter in Gießen, in Mainz, in Trier und auch in Gandersheim.

Wie schön, dass der Regensburger Theaterdirektor in alter Verbundenheit Herrn Platièl immer wieder an’s Regensburger Regiepult holt.
So muss sich niemand umgewöhnen, das Publikum nicht, weiß es schon, was kommt, das Ensemble nicht, kennt es sich aus.

Da ihm alles so leicht von der Hand geht, konnte er nahezu gleichzeitig in Regensburg und in Pforzheim die 'Maske in Blau' in Szene setzen und bei der Matinee zur Einführung in das Werk 'relaxed' weit zurückgelehnt sitzen, die erfahrenen Tänzer-Beine weit von sich strecken und die Chefdramaturgien reden lassen.
Diese sprach von Revue-Operette und sagte statt Fred Raymond – abgeleitet von Raimund einem Vornamen des Komponisten - immer ’Fred Remon’.
Das ist eben Theater Regensburg und da heißt es 'Fred Remon'.
Klang so, als erinnere sie an Fritz Remond, den legendären Zoo-Theater-Direktor in Frankfurt. Der hatte einen accent egu auf dem ’é’ – das hat er später weggelassen wie auch Herr Platièl den accent grave - vielleicht ein Relikt aus seiner Pariser Zeit als Eleve - nicht mehr benutzt. Jetzt heißt er ganz einfach Platiel oder Plati-el. Je nachdem.

Dann las die Chefdramaturgin den Inhalt des Werkes vor, präsentierte einige der Solisten und den neuen Dirigenten Arne Willimczik, bemühte sich weiter, dem Regisseur einige Worte zu entlocken – es gelang ihr nur bedingt.

Aber immerhin gab er kund und zu wissen:
Bei der Inszenierung in Regensburg habe man sich durchgerungen, “hammermäßig progressiv“ sein, jetzt wolle er eine Revue machen, weil, er habe jetzt 'Paganini' gemacht und das wäre alles so nett gewesen und jetzt wolle er bissl mal zuschlagen, so bissl mit Slapstik und so bissl mit leichtem Witz, aber ganz leicht, nicht so arg, dass man’s auch versteht.

Das sei so mit dem Ensemble, die kenne er alle schon länger und die seien ganz nett, das sei nicht so, dass man da nicht klarkomme. Und da mache er mal so’n bissl, so ’ne flotte Revue. Und das sei dann so, dass man das Stück erkenne. Es sei nicht einer grün und gelb oder laufe als Indianer rum, "Sie erkennen’s, aber wir wollen eine flotte schmissige Revue.“
Er komme von der Oper und da sei es so hundetraurig immer gewesen und jetzt wolle er, “dass es mal lustiger wird.“
Ausnahmsweise, wie er betont.

Nachdem Frau Gesche Geyer und Herr Juan Carlos Falcón singend behauptet hatten, jeder hätte in dem anderen sein Glück gefunden, meinte Herr Platièl ganz ungefragt, er müsse jetzt nachdem "wir diese feinsinnige Hintergründe der Musik gehört haben, muss ich jetzt hier mal so ’ne Bombe platzen lassen“ weil das einfach keiner weiß “außer natürlich meine intellektuelle Chefdramaturgin, dieser Armando Cellini hat wirklich gelebt. Ich guckte ARTE, war erschrocken und guckte länger, das dauert bei ARTE ja länger, die sprechen leise“ und die seien den ganzen Tag in sich versunken und er sei dann auch wieder mal aufgewacht und da sei Florenz gekommen und da dachte er sich, Florenz sei immer gut, das sei ja nicht schlecht und da sei so in einem kleinen Nebensatz Armando Cellini vorgekommen und da habe es ihm das Ohr weggerissen und den gab’s tatsächlich.
“Nur dass das mal klar ist für die schreibenden Zunft.“

Alle Darsteller seien schön, “die Fummel sind zwar von gestern“, aber man spiele heute. Es sei eine Ausstattung “wir hauen rein … Dekor ist traumhaft und wenn Sie da hingucken, sie werden jedes Mal blind vor lauter Schönheit.“
Man habe große Bilder gebaut, “sechs Bilder, die Technik bringt sich halb um, weil sie müssen immer laut Angaben von meinem Kapellmeister in einer Minute umbauen, das hat die sind so irritiert und jetzt rennen sie mal richtig, also deswegen, das ist nicht leicht für die Technik.“

Im Vergleich zur letzten Platièl-Operetten-Produktion ’Paganini’, die ganz klassisch gewesen sei, habe man jetzt große Bilder, mit großer Klarheit “so einem kleinen Witz dahinter.“ Er mache jetzt
so eine bunte Palette von Farben, das kenne jeder, aber es sei schön.

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   19.10.06
   
 


 
Umschrift TV-Sendung

Sprecher
"Wenn Regensburg im Nebel versinkt, die Tage immer kürzer werden - wer wünscht sich da nicht eine farbenfrohe Abwechslung?
Das Theater Regensburg entführt sie an glitzernde, exotische Schauplätze.
Die Operette 'Maske in Blau' feiert am Samstag Premiere - ein musikalischer Augenschmaus für alle Sinne."

Sprecherin
"Mitreißende Evergreens, pulsierende Orchestermusik, tanzende Schauspieler und originelle Kostüme - die 'Maske in Blau' ein musikalisches Bühnenwerk, das das Theater in einen Revuepalast verwandelt."

Bühnenbildner Walter Perdacher
"Dieses Stück ist - äh - hat zwar eine Unmenge von Bildern, ist aber nicht so sehr eine Operette, ist fast eine Revue. Das heißt es ist sehr schmissig, hat eine wunderbare Musik, hat eine sehr knapp und sehr spannende Story, 'ne sehr hübsche Story - ja, fast eher eine Revue würd' ich sagen - mit viel Ballett."

Sprecherin:
"Das Stück handelt von einer bittersüßen Liebesgeschichte eines Malers zu seinem Modell. Eine Geschichte großer Gefühle, Intrigen und Missverständnisse.
Die gelungene Inszenierung steht für die jahrelange Zusammenarbeit und Erfahrung von Regisseur und Bühnenbildner."

Regisseur Gerhard Platièl
"Die ist immer fantastisch, weil der ist schon seit 25 Jahren exklusiv mein Bühnenbildner und er bleibt es auch bis ich - äh - vielleicht Raumfahrer werde oder so irgend ....."
(..... unverständlich.)

Sprecherin
"Ob die beiden Liebenden schließlich in einem 'happy end' zusammenfinden, das können Sie am Samstag Abend sehen, um 20 Uhr am Theater am Bismarckplatz."

Sprecher
"Jetzt noch der Blick auf’s Wetter ......"

 

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  Theater Regensburg  21.10.06

'Maske in Blau'
 

Die Schwarzen
Musikalische Leitung Arne Willimczik
Inszenierung Gerhard Platièl
Choreographie Olaf Schmidt
Bühne / Kostüme Walter Perdacher
Chöre Karl Andreas Mehling
Licht Klaus Herbert Welz
Dramaturgie Friederike Bernau

Die Personen und ihre Darsteller, der am 21.10. 2006 besuchten Vorstellung
gemäß Besetzungszettel als Beilage zum Programmheft
 
   
Evelyne Gesche Geier
Julischka Julia Amos
Marchese Cavalotti Marek Marzecki 
Armando Cellini Juan Carlos Falcón
Franz Kilian Georg Schießl
Josef Fraunhofer Karsten Münster
Gonzala Peter Heeg
Pedro dal Vegas Stefan Bräuler
4 Comedian Harmonists Arpad Vulkan, Harald Mück,
Thomas Brinkel, Sang-Sun Lee
Wirt Thomas Brinkel
José Harald Mück
   
   

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'Maske in Flau'

BWas Herrn Platièl doch immer und immer wieder und immer noch nach mehr als 200 Inszenierungen so alles in wochenlanger Probenarbeit einfällt, um einen solchen Abend zu gestalten.

Wie er die Damen und Herren an einem weißen Tisch auf ebensolch farbigen Stühlen - von Herrn Perdacher als Bühnenbildner dort rechtzeitig hingestellt - Platz nehmen lässt. Im Hintergrund sind Laubsägearbeiten in Form von Palmen aufgestellt, diese dokumentieren die Flora an der Ligurischen Küste - das ist San Remo.

Hinein platzt Herr Heeg mit unvermeidlichen Koffern, Herr Schießl stülpt sich einen blauen Eimer über den Kopf - als wolle er von allem nichts mehr sehen.
Damen werden auf Podesten als Dekoration des Narzissenfestes hereingefahren.

Sehr malerisch das Maleratelier, die Palette als Entree, Frau Amos fegt die Bühne, Herr Falcón bestaunt das von ihm gemalte Bild, dann holt er hinter dem Papp-David ein Tablett mit Gläsern hervor, ist entsetzt über die Kalkspuren, erhält von Herrn Schießl den Tipp, er solle die blauen Kalktabletten nehmen - 'dann klappt's auch mit dem Nachbarn.'

Immer wieder seitlich aufleuchtende Glühbirnen, das Revuehafte unterstreichend, inmitten dieser Herr Bräuler, um die Gunst von Frau Geier buhlend.

Lange Bahnen von Lametta trennen die Vorderbühne ab, Herr Marzecki als Gastgeber erscheint mit Papppapagei auf dem Arm, lädt zur Party.
Herr Münster ist von der fabelhaften Stimmung, die bei diesem Fest herrscht, lauthals angetan. Ein Ballettreigen treibt diese ausgelassenste Laune auf die Spitze.

Immer wieder erhält Frau Geier Gelegenheit, sich im Bereich der Rampe aufzuhalten, aber nicht nur sie, auch den anderen wird diese Gnade zu teil, denn sonst würden sie zugedeckt von den durch den alerten Herrn Willimczik aufgerührten Klangwogen - von Frau Amos hört man gelegentlich gar nichts.

Gauchos stehen in Reih' und Glied, werden von Frau Geier umschmeichelt - sie übt wohl schon für ihre 'Lulu'.
Die Bar am Rande der Hazienda - gefährliche Rangeleien spielen sich da ab - Sorge um den Tenor Münster, doch einen Buffo kann kaum etwas erschüttern. Er wird eher ein Mime oder Herodes, aber ein 'Jesus Christ' soll er sein? Da müsste er gewaltig an sich arbeiten.

Das kleine verträumte Haus - 'Oh, wie schön ist Regensburg.'

Diese Erkenntnis riss dann auch ein paar entzückende junge Damen im 3. Rang zu Jauchzen und Frohlocken hin.
Auf die singulären Beifallstürme angesprochen, machten die Youngsters klar, wenn sie Darsteller so auf der Straße träfen, mit denen sie gelegentlich auf der Bühne stünden, meinten diese, es sei so motivierend, wenn aus dem Rang herunter ihr Gekreische ertöne.

Das hatten wir schon bei 'Mefistofele' und das bleibt wohl jetzt so bis 2012.
Begeisternd

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Als Premieren-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten Karten aus dem freien Verkauf gebe ich hier meine subjektive Meinung zu den gehörten und gesehenen Theatervorstellungen zur Kenntnis.

Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
Dieter Hansing

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