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"Was
für ein Lamm?" |
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Das Geheimnis dieses Stückes sei, jeden
Tiefsinn zu vermeiden, so stelle sich der Tiefsinn dann ein - meinte
tiefsinnig der Dramaturg der Schauspiels Regensburg am 12.11.06 anlässlich der
Einführung in das Werk Taboris.
Nachdem Peter Radke 1992/93 die Goldberg-Variationen im 'Theater am Haidplatz' mit Rudolf Zollner als Mr. Jay aufführte, wagt das Theater
nun, ins Große Haus mit diesem Stück zu gehen, zumal es "die
Magie der großen Bühne" benötige, in der Hoffnung, man könne den
Erfolg der damaligen Inszenierung wiederholen.
George Tabori, einer der wichtigsten Dramatiker des deutschsprachigen
Theaters, ist nach 1992/93 nach Brecht der meistgespielte
deutschsprachige Autor. Herauszuheben seine Anstöße bei der Arbeit
mit Schauspielern und im Rahmen der Vergangenheitsbewältigung.
Nach seiner Rückkehr aus den USA inszenierte er 1969 gemeinsam mit
Martin Fried in der Werkstatt des Berliner Schillertheaters sein Stück
'Kannibalen'.
Im Bremer Theater-Labor versuchte er mit Schauspielern neue
Arbeitweisen: Nur die Idee vorzugeben und das Stück mit den
Darstellern zu erarbeiten, woraus die Fassung entsteht, somit das
Stück als ein Produkt aus den Proben entwickelt - das Wort Fleisch
wird, indem es der Schauspieler ausspricht. Das Wort bei Tabori ist
gut, wenn es mit dem Schauspieler, wenn er es spricht, identisch
ist. Somit sind Tabori-Stücke mit wechselnden Schauspielern an
verschiedenen Spielstätten in verschieden Städten permanent im
Status des Entstehens, sind Veränderungen ausgesetzt.
Tabori meinte, erst wenn sein Stück das letzte Mal gespielt sei,
werde es die endgültige Fassung geben.
1991 wurden 'Die Goldberg-Variationen' am Akademie-Theater Wien
uraufgeführt - Intendant damals Klaus Peymann, dem Tabori nach
Berlin ans Deutsche Theater folgte. Immer wieder kehrte er früher an
kleine Theater zurück, da er lieber in Katakomben, denn in
Kathedralen arbeite.
'Die Goldberg-Variationen' - Theater auf dem Theater - in dem Mr. Jay die Entstehung der Welt aufzeigen will, in
sieben Tagen soll Premiere sein wie auch die Welt nach dem Alten
Testament in sieben Tagen erschaffen wurde. Probenrealität und was geprobt
wird, die Erschaffung der Menschheit, überlagern sich im Laufe des
Stückes, so dass die Ebene der Probe mit der des Inhalts nicht mehr
auseinanderklaffen.
Leben und Leid des jüdischen Volkes werden verknüpft mit den
typischen Gegebenheit in einem Theater: Schwierigkeiten im
Zwischenmenschlichen, Pannen bei Proben, die Unwägbarkeiten.
"Die Erwartung einer Katastrophe ist das Wesentliche der
darstellenden Kunst. Die stillschweigende Annahme, dass trotz aller
unserer bestgemeinten Planungen etwas schief gehen wird, dass Othello
seine Dame wirklich stranguliert. Dies scheint mir der wahre, wenn
auch unbewusste Grund, warum die Menschen noch immer ins Theater
gehen."
Die Einordnung des Stückes erscheine schwierig, meint Dramaturg
Ronzier, ist es nun eine Komödie, eine Tragödie, ein philosophisches
Drama, ein religiöses Drama - für Regisseur Zametzer ist es eine
Backstage-Comedy, eine lustige Nummer.
Man erlebe ein breites Spektrum an Witz, an feiner und auch
bitterer Ironie, es gehe auch bis zu sehr derben Kalauern und
makabren Pointen - wobei der Spaß in Sekundenschnelle in Ernst
umschlage.
Nach Tabori sei das Tragische niemals lachhaft, eher umgekehrt und
"unsere besten Witze gründen sich auf's Desaster."
Die
Schöpfungsgeschichte sei eine Pleite voller Pannen und dies werde
auf dem Theater dargestellt, wenn eben nicht Licht wird und Kain wirklich
verletzt wird - Überblendungen zwischen Probe mit dem Thema der
Entstehung der Welt, der Leidensgeschichte des Jüdischen Volks und
der Passion.
Taboris Gott zeige im Laufe des Stückes auf: die Schaffung der
Sünde, der Gnade und auch des Antisemitismus.
Gott wolle, dass die Menschen gut sind, ohne Schweinebraten, ohne
Orgien, ohne Sex.
Die Menschen wollen glücklich sein: mit Schweinebraten, mit Orgien,
mit Sex.
Das Scheitern sei somit vorprogrammiert. Es gehe nur darum:
scheitern, immer scheitern, wieder scheitern, besser
scheitern.
Tabori sei sehr kenntnisreich mit der jüdischen Geschichte
umgegangen, habe ein komplexes System von textlichen Quer-Verweisung
geschaffen, die aber das Stück nicht erschlügen.
Zur Not könne ja wie in der Oper mit Übertiteln gearbeitet werden, meinte der
Regisseur:
Er weiß nicht, wovon er redet, denn es ist ihm offensichtlich
verborgen geblieben und damit nicht bekannt,
welch Unheil im Musiktheater der 'Metropole der Oberpfalz' die Göhring'sche Übertitelungsanlage,
gesteuert durch die Dramaturgie, ob nun z.B. im 'Otello' oder im 'Ballo' anrichtet. |
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Theater Regensburg
'Die
Goldberg-Variationen'
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| Die
Schwarzen |
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| Inszenierung |
Johannes Zametzer |
| Bühne / Kostüme |
Rainer Sellmaier |
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Die Personen
und ihre Darsteller, der am 18.11. 2006 besuchten
Vorstellung
gemäß Besetzungszettel |
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Dr. Jay, Regisseur |
Martin Hofer |
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Goldberg, sein Assistent |
Hubert Schedlbauer |
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Mrs. Mopp, Putzfrau |
Martina Mann |
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Terese Tormentina, Superstar |
Silke Heise |
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Ernestina van Veen |
Anna Dörnte |
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Japhet |
Stefan Bräuler |
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Masch |
Stefan Casimir Roczek |
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Raamah |
Horst Kiss |
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Die Hells Angels |
Stefan Bräuler / Horst Kiss / Stefan Casimir Roszek |
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Das goldene Kalb |
Anna Dörnte |
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"Das Theater
der Grausamkeiten" |
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Der Abend leidet unter
der Distanz, die durch die große Bühne und den Abstand der
Darsteller zum Publikum entsteht. Selbst wenn sich einzelne Szenen
auf der Vorderbühne am Bismarckplatz abspielen, bleibt der Abstand
erhalten, zumal wenn der Hintergrund bespielt wird und sei es nur,
dass Figuren - z.B. in der Kreuzigungs-Szene diesen statisch
bevölkern.
Die Nuancen des Textes zerfallen im Raum, ohne die Zuschauer zu
treffen.
Hinzu kommt der Hall, entstanden durch ein schwach besetztes Haus.
Von den ausgezählten 94 Plätzen im dritten Rang waren eben mal 8
besetzt - wobei sich noch die Frage stellt, waren es alles
Vollzahler, was allerdings keinen Einfluss auf die Verständlichkeit
des Textes hat.
Dieser litt auch noch unter Marotten.
Warum muss Martin Hofer als 'Aaron' nun unbedingt auf Minetti
machen oder im dritten Teil einen plötzlich in der Pause zahnlos
gewordenen Alten im Rollstuhl spielen?
Die Tongebung sowieso bei ihm schon so halsig, auf diese Weise so
ohne Kern, so ohne Konsonanten, dass nur mit Mühe der spannende
Tabori-Text zu verstehen ist.
"Ich will nur zwei Kreuze haben, der Junge bringt sein eigenes mit."
"Er erfindet Sünden, damit er sie auf sich nehmen kann."
"Es gibt nur einen Gott, sein Name sei gepriesen, aber der Junge
macht gleich eine ganze Mischpoke daraus."
"Bei Noah hat es nicht getröpfelt, die Sintflut kam."
"Kennt sich hier im Saal jemand mit Kreuzigen aus?"
Im ersten Teil
der tobende wichtigtuerische Regisseur Mr. Jay, die Darsteller
peinigend, 'bietet an' - weil er wie die meisten nichts vorbereitet
hat und sich im Stück nicht auskennt: "Wo sind wir?"
Hier wenigstens so gesprochen, dass auch im hinteren Teil des Hauses
noch etwas zu hören ist - man stelle sich vor, das Stück werde in
einem halbleeren Velodrom dargeboten.
Warum Herr Hofer in dieser Produktion wie in den 'Physikern' mit dem
Knickbein des 'Richard Voß' auftreten darf, fragt sich - Mätzchen,
die sich doch wohl nicht durch andere Stücke und den Rest der
Spielzeit ziehen.
Hubert Schedlbauer - das Stolpern und Hinfallen hat er aus dem
'Krug' übernommen - merkwürdig unbeteiligt, sein 'Goldberg' steht da
und wartet. Selbst ein durch KZ gegangener, gepeinigter Jude hätte
doch im Stück als Regieassistent an der Arbeit, dem Entstehen einer
Inszenierung, Anteil zu nehmen.
Er leidet vor sich hin und hätte mit passenderem Outfit und
entsprechender Maske eher den Anschein des Jesus von Nazareth
gegeben. Die Kreuzigung wird runtergehaspelt - selbst wenn es sich
nur um eine kalte Probe handelt, um die Technik auszuprobieren, "sicher
willst du nicht, dass das Publikum zwei Tage lang rumsitzt und
Kreuzschmerzen bekommt", auch wenn die Szene eben nicht endlos
dauert.
Anna Dörnte mit ihrer kecken 'Ernestina' in der Beschreibung
der Kreuzigungs-Technik den Zynismus in den Text bringend, die dem
Auftreten eines SS-Obersturmbandführers entlehnt sein kann. "Wenn du
unbedingt die reizenden Einzelheiten hören willst. Wenn man an den
Händen aufgehängt wird, sackt das Blut langsam in den Unterleib.
Nach etwa sechs Minuten sinkt der Puls um rund fünfzig Prozent ....
und man kratzt an Coronar-Insuffizienz ab." Geradezu begeistert
schildert sie die Vorzüge der Hinrichtungstechnik durch Kreuzigung.
Völlig unverständlich die 'Terese Tormetina' von Silke Heise.
Was für eine Sprache, ein Dialekt, ein Akzent, was immer das sein
soll - es ist ein Kauderwelsch, das Gezerre mit dem Fummel von
Stola: albern, als liefe ein Superstar so herum, doch nicht
in der Negev nach einem Sandsturm.
Wieso gelang ihr die 'Lina Rose' so gut - ist sie eher die
Schrullige und kann die Verquertheit eines Stars - selbst wenn er
nur Verschnitt ist - nicht nachempfinden?
Martina Mann putzt und verteilt als 'Mrs. Mopp' gekonnt den
Dreck gleichmäßig, ist bedacht Schmutz von der Bühne zu bringen,
weil sie den da nicht leiden kann. Ihr Gekicher im falschen Moment,
ihr Arschwackeln beim Aufwischen im Bücken, ihr unmotiviertes
Klaviergeklimper gibt ihr die Möglichkeit bei aller Theatralik um
sie herum, 'die Normale' zu bleiben.
Stefan Bräuler - kraftvoll / Steffen Casimir Roczek -
niedlich / Horst Kiss mit zweifellos zu kleinem Feigenblatt -
füllen auf, sind aber irgendwie unterbeschäftigt - ist dem Regisseur
für diese Drei nicht genug eingefallen?
Rainer Sellmaier gelingt es nur unzulänglich, zu fokussieren.
Der Zuschauer wird abgelenkt durch die offenen Seiten, die Gänge in
dem Bühnenbild werden zu lang, die Spannung des Textes verläuft
sich.
Das Licht von Klaus Herbert Welz beschränkt sich auf
gelegentliches An/Aus - selbst die Kreuzigungs-Szene ist
stimmungslos, liegt dies auch an der Schnelligkeit des
Runterspielens.
Johannes Zametzer kann im Haus am Bismarckplatz mit dieser
seiner Regie die Atmosphäre seines 'Mein Kampf' im Theater am
Haidplatz nicht wiederholen. Ein falscher Ehrgeiz, mit diesem Stück,
dass die Enge, den direkten Kontakt zum Publikum braucht, ins 'große
Haus' zu gehen - wenn die Produktion dann auch noch nicht angenommen
wird. So schlecht war das Wetter nicht, Fußball war auch nicht,
außer Bundesliga - also, warum geht da keiner hin. Sadisten kommen
allerdings nicht auf ihre Kosten, die Inszenierung bleibt trocken in
der Sprache, der Mimik, der Gestik, den Gängen - alles unaufregend.
Nur die drei Motorräder mit den bulligen Drivern lassen manche
Herzen höher schlagen, die drei Darsteller auf dem Sozius hatten
eher das Herz in der Hose. Sie saßen drauf wie geborgt.
Wenn an dem Abend nicht Tabori-Text und -Story als solche absolut
überzeugten .......
'Hermann kommt' hatte vor zehn Jahren in Bezug auf die zu erzählende
Geschichte einen ähnlichen Ansatz, die Inszenierung war Fehler
behaftet und fand sich im Sand wieder.
Auch in Taboris 'Goldberg' denkt jemand an das Streichen des Namens
im Programmheft - in 'Hermann kommt' fand es statt.
Regensburger Theatergeschichte.
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Als Premieren-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten Karten aus
dem freien Verkauf gebe ich hier meine subjektive Meinung zu dem Gehörten und
Gesehenen zur Kenntnis.
Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik
willen, sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes. Neben Sachaussagen enthält diese
private Homepage auch Überspitztes und Satire. Für diese nehme
ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch. In
die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare
herauszufordern. Dieter Hansing

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