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Richard Wagner
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Die Feen |
Große
romantische Oper in
drei Akten
nach dem Theaterstück 'La donna serpente' von Carlo Gozzi
Uraufführung 29.06.1888 im München |
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Richard Wagner war Zeit seines Wirkens sein eigener
Textdichter. Übernahm er anfangs Themen, die andere Poeten
schon bearbeitetet hatten, fand er schon bald zum
Mittelalter und zur Mythologie wie sie sich dann im 'Ring
des Nibelungen' manifestierte.
Carlo Gozzi (1720-1806) stammte aus einer verarmten
literarisch begabten venezianischen Familie. Sein Bruder
Casparo war ein bekannter Schriftsteller.
Nach
Kriegsdiensten in Dalmatien begann auch er mit literarischen
Arbeiten und blieb dieser Tätigkeit bis zum Ende treu.
Eine Reihe von Schriften und Stücken hinterließ er, die zu
Vertonungen führten und durch sie unsterblich wurden, wie
Die Liebe zu den drei Orangen,
König Hirsch und
Turandot.
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In Ludwigs Tiecks
und E.T.A. Hoffmanns Märchendramen finden sich deutlich Spuren von Carlo Gozzi.
Die Verbindung von märchenhaften und zeitkritischen
Zügen fand den Beifall der Romantiker. Friedrich Schlegel setzte Gozzi sogar Shakespeare gleich.
Gozzi's Märchenspiel 'Die Frau als
Schlange' inspirierte den jungen Richard Wagner zu seinen
'Feen'. |
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Nahe gekommen ist
er wahrscheinlich dem Stoff durch die enge Bindung an seinen Onkel,
dem er die stärksten Einflüsse in die Literatur verdankt "[...] Mein
Oheim gewann später einen nicht unbedeutenden Einfluß auf meine
Entwicklung [...]", war Adolf Wagner doch als Privatgelehrter mit
Tieck befreundet und mit einer reichhaltigen Bibliothek
ausgestattet, diese "[...] hatte mich fieberhaft nach allen Seiten
hin aufgeregt [...]" (Richard Wagner, Mein Leben S. 16, S. 30,
Piper/Schott 1983) |
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Stil und Ton der 'Feen'
lassen nicht auf Wagner schließen, doch ist dieses Werk durch seine
dramaturgische und kompositorische Stellung für ein Jugendwerk mit
seiner schwungvollen Musik in die erste Kategorie der romantischen Oper
einzureihen.
Ein Tonsymbol - anspruchsvoll aber starr - dokumentiert die Verbindung
zum Überirdischen. Eine Akkordreihe schwingt nicht nach unten, sondern
steigt bestimmend nach oben und gibt dem Zuhörer so die Richtung zum
Überirdischen vor - Ada wird ihre Unsterblichkeit nicht verlieren und
Arindal sich zu ihr in die Feenwelt emporheben wird - Erlösung durch
Liebe. |
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Naturkräfte, denen in vorchristlicher Zeit in Quellen,
Bäume, Felsen, Wind, Wolken, Sonne, Mond Respekt gezollt wurde,
verkamen unter christlichem Einfluss zu Gespenstern. Seelenlose
Wesen wie die schöne Lau, die Loreley sehnten sich nach einem in
christlichem Sinne beseelten Menschen. Es ist das Grundthema,
Erlösung durch Liebe, das Richard Wagners Leben und Werk durchzieht. |
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Besetzung 05.02.05
- Pfalztheater Kaiserslautern |
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Die Feen |
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Feenkönig |
Juri
Zinovenko |
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Ada |
Dagmar Hesse |
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Farzana |
Barbara Bräckelmann |
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Zemina |
Anette Yasmin Glaser |
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Die Menschen |
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Arindal, Prinz von
Tramond |
Alexander Fedin |
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Lora, seine Schwester |
Adelheid Fink |
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Morald, ihr Geliebter |
Peter Kovacs |
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Gernot, Freund
Arindals |
Daniel Böhm |
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Drolla, Loras Zofe |
Arlette Meißner |
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Gunther, ein Höfling |
Steffen Schantz |
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Harald, ein Feldherr |
Peter Floch |
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Ein Bote |
Bernhard Schreurs |
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'Die Schwarzen', 05.02.05,
Kaiserslautern |
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Musikalische Leitung |
Francesco Corti |
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Inszenierung |
Johannes Reitmeier |
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Bühnenbild |
Thomas
Dörfler |
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Kostüme |
Antje
Adamson |
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Chor |
Ulrich Nolte |
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Dramaturgie |
Andreas
Bronkalla |
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Auf der anderen Bühnenseite ein Klotz, ein Kubus in
dem die Feen wie in Schrankelemente gestellt, leben. So gibt es für
den Zuschauer den Abend über die zerstörte Fassade eines
Bürogebäudes und dieser gegenüber der Block, den die Feen in ihren
weißen Brautkleidern mit gealterten Gesichtern über eine herunter zu
lassende Zugbrücke, wie bei einem Landungsboot, verlassen dürfen.
Kein erhellendes Element. |
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Es wäre wohl angebracht gewesen,
z.B. durch Flächen aus Folie, Räume für den Feenbereich
zuschaffen, damit den realen Trümmern, irreale Bilder durch
Projektionen, Schattenwürfe gegenübergestellt werden können, wie
dies auch zum Schluss der Aufführung auf der Rückseite des Kubus -
leider spät - geschieht. |
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Regisseur-Intendant Reitmeier führt
Chor, Extrachor, Statisterie und Solisten überzeugend durch die
Handlung. Hier werden Einzelschicksale der Irdischen oder
Gruppenprobleme der überirdischen Feen herausgehoben. So gelingt es
ihm, die verschiedenen Situationen des Geschehens plausibel
darzustellen.
Unterstützt wird diese Wirkung durch die Kostüme von Antje Adamson.
Die real existierenden Menschen in ihren Schutzanzügen nach der
Katastrophe oder die Feen in ihren weißen Hochzeitskleidern, mit
Feenhaarperücken. Gestützt auf Krückstöcken geistern sie durch das
Werk. Ein starker Kontrast. |
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Eingebettet in die Gruppe der
Irdischen ist Arindal, der Prinz von Tramond. Alexander Fedin singt
ihn mit einem auf hell trainiertenTenor, dem leider ein
Körpervolumen weitgehend fehlt. Den Gedanken Wagners als dem über
allem stehende Künstler bringt Intendant Reitmeier in Spiel, als er
Arindal an einem Klavier sitzend und mit Notenblättern sich
beschäftigend zeigt.
Neben ihm Daniel Böhm als sein Freund Gernot. Es ist bedauerlich,
dass, mit oder ohne Vorgabe des Regisseurs, sich die
Rollengestaltung zu der eines Buffos entwickelt, wobei Herr Böhm es
nicht unterlassen kann, durch Wedeln mit den Armen und sonstigem
aufdringlichem Gehabe, der Figur und seinem eigenen Tun den
Beigeschmack einer Knallcharge zu geben. Der Klang seiner Stimme ist
weich, warm, leicht wattig und könnte so eine Fokussierung
vertragen. |
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Adelheid Fink als Lora, der Schwester
Arindals, bewährt als Violetta, Pamina hatte nach anfänglichen
spitzigen Tönen, später einen bemerkenswert üppigen Stimmklang in
großen Ausbrüchen und hohen Lagen zu bieten, der bei ihr so bisher
und in er Vergangenheit nicht festzustellen war. |
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Bei den im überirdischen Bereich
lebenden Feen überzeugen Barbara Bräckelmann als Farzana und Anette
Yasmin Glaser als Zemina.
Im Gegensatz zu dem vom Regisseur vorgegebenen und im Programmheft
veröffentlichten Auffassung, die Feen wären gefühlskalt, agieren die
beiden Damen sehr emotional, in dem Vorhaben, Verbindungen von
überirdischer Welt mit Menschen zu verhindern und somit Arindal und
Ada trotz der beiden bereits vorhandenen gemeinsamen Kinder wieder
auseinanderzubringen. |
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Aus dem Ensemble hervorzuheben ist
Dagmar Hesse als Ada - halb Mensch, halb Fee. Jugendlich dramatisch
agiert sie als Wesen zwischen Welt und Überwelt. Die Tongebung
durchgängig in jeder Lage mit einem kernigen Timbre, jede Schärfe
kann vermieden werden, jeder Ton sitzt einheitlich in einem
kraftvollen Klang.
Interessant ist diese Situation insofern, als Dagmar Hesse in einem
life-Rundfunkkonzert des NDR während des Studium die Klage des
Gluck'schen Orpheus ein wenig abstinent und mit Textirrungen
darbrachte.
"Der Wecker kam .... "
Wer war es, der sie an die Höhe heranführte und zu einer klugen,
gewinnenden Darstellung von dramatischen Rollen auf der Bühne
brachte ?
Wenn sie jetzt schon Senta singt, dürfte eine Sieglinde nicht weit
sein und wenn sie es sich einteilt, kann dann später und langfristig
mehr noch werden. Hoffentlich ist sie klug genug, sich nicht wie
viele andere, schnell ruinieren zu lassen. |
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Ein B-Haus war's, das diesen
herausragenden Abend vorstellte, weil die Stimmung im Pfalztheater
Kaiserslautern - geprägt durch den Intendanten Reitmeier gut und
kollegial zu sein scheint.
Nicht jedes B-Haus in nächster oder weiterer Umgebung kann dies von
sich behaupten und einen solchen Abend 'stemmen'.
Kaiserslautern hat es mit seinem Orchester unter Francesco Corti
geschafft, ein weitgehend unbekanntes Werk Richard Wagners
musikalisch auf eindeutige Weise dem überraschten Publikum
näherzubringen. Ein zahlenmäßig großer Klangkörper, wie auch ein
solcher Chor mit bemerkenswerten Solisten sicher durch das Werk
geführt - dafür wird ein überzeugend agierender musikalischer Leiter
und ein mit Menschen gut umgehen könnender Intendant gebraucht.
Das Pfalztheater Kaiserslautern hat beide. - Gratulation. |
DH
Fotos: Thomas M. Jauk |
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