Franz und Paul von Schönthan
 
     Der Raub der Sabinerinnen
  Schwank in vier Akten
 


Südostbayerisches Städte-Theater Passau
20.11.04


"Wir haben schon ganz andere Stücke geschmissen !"

 

 
         
   
     
 
 

Für das spanische Hallenballspiel
wurde 'am Sand' in Passau 1645 ein 'Ballhaus' gebaut,
Mitte des 18. Jahrhunderts zum Hofkomödien- und Hofopernhaus umgestaltet, steht es nun als ein Teil des Südostbayerischen Städtetheaters den Bürgern zur Verfügung.

Das Theater beschäftigt sich am liebsten – mit dem Theater. Mit sich selbst. Bildungs- und Kulturauftrag her, moralische Anstalt hin. Einen Jux woll’n sie sich machen, Intendanten, Regisseure, Aktricen und Darsteller – warum auch nicht, zumal auch das Publikum was davon hat. Schnurren aus der Welt der Bühne, Anekdoten, die schönsten Verballhornungen klassischer Dramatik, Theatermacher lieben es und nehmen gerne mal sich selbst und ihre Zunft aufs Korn. Vor 120 Jahren uraufgeführt, soll in der aktuellen Spielzeit der unverwüstliche Schwank landauf, landab zum Quotenbringer werden. In Landshut, Passau, Straubing, dem Südostbayerischen Städtetheater also, scheint diese Rechnung aufzugehen.

Von Landshut wurde die Komödie ins Theater-Schmuck-Kästchen in die Dreiflüssestadt transponiert und passte sich vorzüglich in den neuen Rahmen ein. Das Ensemble, von Oliver Karbus mit leichter Hand geführt, zeigt Engagement, typgerecht besetzt allesamt. Die Choreografie wirkt an ein paar Stellen aufgesetzt, da fehlt ein Funke Selbstverständlichkeit, gewollt sind einige Tableaus, die einer Komik jedoch durchaus nicht entbehren würden. Die Bühnen-Zimmer und –Salons von Klaus Gasperi sind unaufdringlich funktional, opulent ist das treffende Attribut für die vielen Kostüme von Sylvia Steinbart; die Damen in jedem Akt in neuen und aufwändigen Roben, die Herren chic in Frack und Gehrock, elegant auf die Leiber des Ensembles geschneidert, wirklich was fürs Auge.

Emanuel Striese, der Theatermacher
- dargestellt Holger Hildmann - zieht mit seinem Thespiskarren über Land und hofft, mit seinem Spielplan den Leuten zu gefallen, denn mit der Akzeptanz steht und fällt sein Unternehmen.
Geld fehlt an allen Ecken und Enden, die Gagen sind niedrig, die Requisiten werden zusammenge-pumpt und doch war es seiner Frau Luise möglich, ihm noch eine Schar von Kindern zu gebären.

Zu den Darstellern: Der sächselnde Striese, Holger Hildmann, ‚sahnt’ beim Publikum am meisten ab, und das nicht nur, weil die Gebrüder Schönthan ihm die treffendsten Pointen in den Mund gelegt haben. Klemens Neuwirth (Martin Gollwitz), der von allen Manipulierte, der Leidende, das Opfer, zeigt einmal mehr, die Seele der Komik ist die Tragik. Schadenfreude kommt auch beim Publikum am besten. Die Hintergangene und Rächerin, Frau Gollwitz, wird bei Ursula Erb zum Drachen, der sie sein muss. In die Rolle der überkandidelten Tochter Marianne schlüpft Antonia Reidel, sie passt ihr wie ein Handschuh. Allerliebst gestaltet Julia Loibl die Figur von Töchterchen Paula, ihr Zukünftiger, Marius Hubel alias Emil Gross, darf seine Körperlichkeit ausspielen, nicht unähnlich seinem Bühnen-Papa Peter Pruchniewitz. Dem Schwiegersohn und Doktor (Jochen Decker) fehlt es etwas an Subtilität, da könnte vieles weniger äußerlich sein, der Hochmut seines Charakters vertrüge Understatement. Und Rosa, so kennt man sie, die Perle, so liebt man sie, Heide Mentz. – Das Komödien-Personal bedient die üblichen Stereotypen, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das muss man erst mal können! Die Regie pfropft Plot und Text nichts über, das Publikum bekommt, was es erwartet und eine wackere Leistung des Schauspiels Landshut.
(PL)

 


 

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