Der
Kulturreferent hatte gerufen und viele, viele Musikerinnen und
Musiker waren gekommen. Konzerte in Kirchen, Sälen und Hallen.
Singendes, klingendes, swingendes Regensburg, mochte da so
mancher Passant, so mancher Altstadtbewohner, an den
denkwürdigen Unger-Claim zu einem Bürgerfest zurückdenken. Viel
Licht, viel Schatten. Die schwimmende Insel schwamm nicht,
festgezurrt am Donauufer war sie Plattform für Plattes,
Altbekanntes, Populäres, music for he masses, ganz nach Lieschen
Müllers Geschmack. Bewährtes, Wunschkonzert, Erkennen Sie die
Melodie?
Grottenschlecht die Bands, die aus
irgendwelchen Übungskellern gekrochen den Bismarckplatz zu
rocken versuchten. Zurück ins Loch und üben, üben, üben! Joe
Cocker-The Police- oder Saga-Cover-Nummern, die brauchen wir
nicht, die haben wir zu genüge.
Vom 30. Juni bis 2. Juli 2006
schreckten im Stundentakt Rückkopplungen und wichtigtuerische
Soundchecks (Test, Test, eins, zwo...) die Anwohner von
Bismarckplatz, Beraiterweg, Predigergasse, Schotten- und
Drei-Mohren-Straße hoch, zwangen trotz Hitze, die Fenster besser
geschlossen zu lassen. Um 22.00 Uhr war längst nicht
Zapfenstreich, das Bassgewummer brachte weit über die die Gläser
in der guten Vitrine zum klirren, aber die Kinder wollen halt
auch mal zeigen, was sie so alles drauf haben, an der E-Gitarre,
am E-Bass, am Keyboard und am Schlagzeug. Achtung! Beim
Gassenfest vom 7.bis 9. Juli 2006, dem Brückenfest (die
Steinerne Brücke beginnt nämlich schon am Schottenportal, falls
Sie das noch nicht gewusst haben!) vom 14. bis 16. Juli 2006 und
dem Jazzweekend vom 20. bis zum 23. Juli 2006 wird es mit
Sicherheit nicht weniger leise zugehen! Tolle Planung!
Kompliment Herr Unger (oder war’s Frau Julia Weigl; die
ehemalige Stadthallen-Beauftragte, die Herr Stöberl, dem
ehemaligen Leiter des „Regensburg Business-Developments“, unter
die Arme greifen sollte), grandiose Idee, den Bismarckplatz als
Spielwiese für Nachwuchsrocker auszuweisen. Pikantes Detail am
Rande: Der einzige Behindertenparkplatz weit und breit, wurde
während des Festwochenendes kurzerhand mit Dixi-Klos
verbarrikadiert. Die Anwohner, die endlich gegen Mitternacht
Schlaf fanden, wurden pünktlich am Sonntagmorgen gegen 8:00 Uhr
(und am Montag gar im Morgengrauen) vom Fäkalienwagen geweckt,
der geräuschvoll die Hinterlassenschaften der Fans der
Rock-Dilettanten in den Tank saugte, von der Geruchsbelästigung
ganz zu schweigen. Es bleibt ein übler Beigeschmack. Musica
Europa, singendes, klingendes, swingendes Regensburg,
Rollstuhlfahrer und Behinderte unerwünscht, die können ja
ohnehin nicht mittanzen, -swingen, -feiern.
Und was hat der Spaß die
Regensburger gekostet? Wir sind gespannt, ob Herr Unger hierzu
demnächst konkrete und befriedigende Zahlen vorlegen wird.
