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Da kommt ein Zuhörer
nach der Einführung, will noch was wissen, er geht auf Heinz
Lukas-Kindermann zu - und der lässt ihn brüsk stehen. Kaum eines
Blickes würdigte er ihn. Vorher hatte der Regisseur entspannt
geplaudert, auch um die Frage drum herum geredet, ob er das Stück von
Arrigo Boïto schon mal inszeniert habe. "Nein, keine Antwort!"
So geht's fei net, Herr Kindermann, aber mir wern ja seh'n, was Sie
'zambracht ham, am nächsten Sonndag.
Dabei hat er allen Grund, freundlich zu sein und nicht nur zum
Publikum, denn so dolle klappt's ja a Woch vor der Premiere noch
need - eine Extra HP mit Klavier wird eingeschoben und für die
Verwandlung des alten Faust in den jungen hat er nach eigenem
Bekunden noch keine Lösung.
'Warum konnte Boïto dafür kein Intermezzo komponieren' meint er -
vielleicht wie das Intermezzo Sinfonico in 'Cavalleria' oder der
'Summ-Chor' in der Butterfly?
In der Zeit kann sich jeder Tenor gemütlich umziehen. Ist aber
nicht, die Musik gibt nicht viel Spielraum her. Also, jetzt geht's um die
Wurst.
Nun sieht er dieser Szene mit ganz schnellem Umzug wohl mit einiger
Sorge entgegen.
Der Chor ist ja von 'Cavalleria' schon gewöhnt, aus der Versenke zu
kommen, nur hier gilt es neben dem Singen auch noch die Klappdeckel
der Versenkung mit 'Kopf und Kragen' zu heben.
Gespannt darf das Publikum sein, vor allem auf ihn:
Matthias Tosi-Socolov, er wird den Mefisto singen.
Eine Stimme hat der Mittzwanziger, die er hegen und pflegen
sollte und nicht meinen, Regensburg sei schon der Nabel der Welt.
Der Escamillo sollte noch eine Grenzpartie sein und ausnahmsweise
gesungen werden. Der Mefistofele braucht eine Schaljapin'sche
Färbung und Tiefe. Zuviel Hochlagenpartien und die Tiefe geht
verloren. Mit 26 meint man Bäume ausreißen zu können, wie schon ein
Tenor in Regensburg glaubte, in kürzester Zeit - ohne die Proben zu
berücksichtigen - im September/Oktober 2004 Florestan -
Turiddu - Tamino und Herzog in 'Nacht in Venedig' singen wollen zu
müssen.
Und da Kultur Chefsache ist - er "darf", wie er selber meint und am
10.03.05 verkündete, sich um Kultur kümmern - bezeichnete der
Oberbürgermeister der durchgefallenen 2010-Bewerberin die Situation
mit den zwei überforderten Tenören als 'tragisch.'
Matthias Tosi-Socolov alterniert mit Jóhan Smári Saevarsson. Wann
wer dran kommt, kann das Publikum im Theater erfragen. Der
Regensburger Theaterdirektor gibt Besetzungen ja nicht bekannt, also
Leute ruft an: 0941 - 507-1422. Ab 12 Uhr könnt ihr täglich
erfahren, wer abends auf der Bühne steht.
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