22.09.05
Rückblick auf 17. März 2005  

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   Wie geht es weiter mit dem KulturKlub

 

Frage von Frau Birnthaler:
Nach der für Regensburg negativen Entscheidung 2010
Wie geht es weiter mit dem KulturKlub ?

Antwort: OB Schaidinger:
Ich habe mittlerweile schon zwei Angebote von Institutionen, die diesen Kulturklub und da geht’s ja nicht nur um die Räume, da geht’s auch um Atmosphäre, da geht’s auch um Betreuung, ich hab schon zwei angeboten von Institutionen, die den Kulturklub gerne beherbergen würden, gern bei sich - ich sag es mal so - aufnehmen würden, ich habe auch gesagt und das ist die zweite Bemerkung dazu - ich möchte nicht gern, dass - das soll jetzt meinen Mitarbeiterin und Mitarbeiter nicht falsch auffassen, die städtischen Mitarbeiter sind genauso gut, die sollen es nicht falsch auffassen - ich möchte nicht gerne, dass das eine städtische Veranstaltung wird, in dem Sinne, dass es da einen Sachbearbeiter gibt, der bricht sich die ganze Zeit einen ab, Themen zu finden, sondern ich meine, es wäre schön, wenn sich ein paar zusammentäten, aus verschiedenen Ecken, ein Künstler, ein Kulturvermittler z.B. wir tun auch mit, vielleicht auch ein Journalist, was auch immer, also alle die zu dem Thema gehören und die würden so einen - so eine Runde bilden und sagen, wir machen uns sozusagen Gedanken was jeweils so Programm im Kulturklub ist. Lass es Lindinger und Schmid und die anderen drei gemacht haben, die gesagt haben, wir sorgen dafür, dass es hier immer am Donnerstag so interessant ist, dass es sich lohnt, hinzugehen. Das müsste so eine Runde machen, die Stadt würde dafür Geld in die Hand nehmen müssen, wir wüssten das dann auch zu organisieren, weil das alle nicht umsonst sponsorn werden, ich bin dankbar, dass es bisher gemacht haben, Also da werden wir paar Mark in die Hand nehmen müssen, paar Euro, das gehört auch dazu und drittens meine ich, es muss sehr regelmäßig sein, gerade die Tatsache, dass da hier jeden Donnerstag war, man wüsste, man muss nicht erst überlegen, im Kopf haben ist heute was ist das abgesagt, also Donnerstag Abend ist Kulturklub, da geht man einfach hin - und es wird auf jeden Fall interessant.
Lieber macht man’s so, dass man z.B. vom 1. Mai bis Ende September Pause macht, da freuen sich alle um so mehr auf das Winterhalbjahr und da ist dann wieder jeden Donnerstag oder vielleicht auch alle 14 Tage Kulturklub. Also das sind drei Anregungen von mir, Räumlichkeiten werden wir finden und ein paar Euro dafür, die wir brauchen, einfach, damit die Organisation stimmt, die werden wir auch finden und ansonsten sind das jetzt nur Ideen von mir, ich sage jetzt ganz bewusst, das muss nicht so sein ich bin auch für anderen Vorschläge offen, aber die Basis, die Möglichkeit dafür, den Kulturklub weiterzuführen, die wird gelegt und das ist nicht nur endlich ein Dankeschön an Lindinger und Schmid, die diese Idee gehabt haben und die es nicht verdient hätten, wenn die Idee - besonders nachdem sie von vielen gewünscht wird - jetzt einfach eingedampft würde oder sterben würde. Und, äh, die Probe aufs Exempel, die ich erwähnt habe, die ist dann, wenn die Besucher auch kommen. Dazu müssen zwei Dinge erfüllt sein, es muss genügend Neugierige geben, die sich mit diesem Thema regelmäßig auseinandersetzen wollen und es muss genügend interessante Themen geben und drum sollte man Interessiert, die dran mitwirken wollen, die sollte man zusammen führen, so einer Art Programm-Komitee - ist ein geschwollener Ausdruck - ich hab jetzt keinen besseren parat. Also das sind meine Überlegungen, die mir in der letzen Woche gemacht habe, so könnt’s gehen und wenn’s noch bessere Vorschläge gibt, bin ich auch dankbar.

Frage von Frau Birnthaler:

Was wird mit dem Koffer, wird er geöffnet, wer darf ran, wie und was wird rausgeholt ?

Antwort OB Schaidinger:

Ich habe in der letzten Woche zwei Stimmungen verspürt, das erste, was überwiegend, weit überwiegend auch die Stimmung am letzten Donnerstag war, und die hat sich so ausgedrückt, wir haben gemeinsam viele Ideen zusammengetragen, haben was in Bewegung gebracht und müssten doch verrückt sein, wenn wir einfach zulassen würden, dass das alles wieder in sich zusammenfällt. Die zweite Stimmung ist, so ein bisschen Häme darüber zu gießen - mit dem beschäftige ich mich mal nicht, mit dem habe ich aber viel intensiver gerechnet. Es kommt viel weniger, aber vielleicht kommt die Häme auch noch. Aber, Also vielleicht auch nicht.

Es haben viele gesagt, wir sollten das in Bewegung halten, was in Bewegung gekommen ist und dazu gehört jetzt, gehören zwei Dinge aus meiner Sicht: das erste möchte ich mal so bezeichnen, mit dem Wort Messlatte.

Wir haben uns in Regensburg in den letzten eineinhalb Jahren, die Messlatte dafür, was wir als angemessene kulturelle Atmosphäre, Aktivität, Szene in dieser Stadt und für Stadt und Region empfinden, höher gelegt durch unsere Bewerbung. Und wir sollten sie nicht einfach wieder tiefer hängen, sondern wir sollten sie dort oben lassen und sollten den Ehrgeiz uns selbst, das was in Regensburg passiert, das was wir anstreben an dieser höher gelegten Messlatte orientieren und messen, diesen Ehrgeiz sollten wir uns behalten.

Das zweite: es haben sich vor gut einem Jahr ganze Samstage lang Arbeitskreise und Diskussionszirkel getroffen, um zu diskutieren, was könnte man konzeptionell machen, was sollte man verwerfen, was ist wichtiger, was ist weniger wichtig - eine gleich Diskussion wünsche ich mir, also es wäre nicht gut, wenn jetzt einer oder nur einige wenige, diesen Koffer voller Ideen öffnen würden. er steht sozusagen der Allgemeinheit zur Diskussion oder zur Begutachtung oder zur Verfügung - aus meinem Verständnis.

Die Diskussion und Begutachtung, die droht natürlich in solchen Fällen ganz egoistisch abzulaufen, der eine favorisiert seine Idee, das andere ist aber nicht so gut, was ich meine, das, wenn wir vermeiden können, wäre gut, und wenn wir was vermeiden können, dann lässt sich sicherlich eine produktive Diskussion darüber anzetteln, was wir von dem Vorrat von Ideen umsetzen. es ist auch noch etwas Geld da. Ich habe heute einen Bericht bekommen, das ist ja ganz was seltenes, dass wir nicht nur unseren Etat nicht überzogen haben, sondern Lindinger und Schmid haben mir heute mitgeteilt, haben den Etat auch unterschritten, haben sparsam gewirtschaftet, haben nicht alles ausgegeben. Viele Zahlen, die ich da in den letzten Wochen mir, also die ich da gelesen habe, was was gekostet hat, die sind alle falsch. Und deswegen ist auch noch was übrig geblieben und wenn der Freistaat Bayern - er war der Löwenanteils-Finanzier - wenn der Freistaat Bayern das jetzt nicht zurückfordert, was ich hoffe, dann werden wir nicht Straßenbauten verbauen, die sind, werden anderweitig finanziert, sondern dann ist das ein kleines Startkapital zur Umsetzung einer ersten Tranche aus Ideen aus diesem Vorratskoffer.

Also auch das Geld ist nicht das Thema, die aller neuesten Projekte für die wir im Jahr 2010 so richtig viel Geld in die Hand hätten nehmen können, die werden wir nicht realisieren können.

Aber wir sollten die Projekte ohnehin aus diesem Koffer nicht in zwei Koffer sortieren, die da heißen, die einen kosten viel, die anderen kosten wenig, sondern wir sollten sie sortieren nach der Frage, was bringt uns was, was genügt nach dieser Messlatte, also nicht die Messlatte wieder niedriger legen, mit allem zufrieden geben und selbst gemütlich erscheinen, die Messlatte oben lassen, was genügt dieser Messlatte und was ist interessant und was hält diese Stimmung, diese Atmosphäre, diesem Aufbruch, der entstanden ist, auch am Leben und am Laufen.

Zwei Überlegungen von meiner Seite:

Ich habe gestern ein Gespräch mit einem Regensburger Künstler geführt, er sitzt da und geht mit H und hört mit uber auf und der hat mir ein Projekt vorgestellt, das auch so ‘ne Weiterentwicklung dieser Aufbruchstimmung ist. Und ich habe ihm gesagt, ich helfe ihm auf jeden Fall bis an einem bestimmten Punkt, aber ich möchte das als ein Beispiel nehmen für das Thema Messlatte, nicht weil er das am letzten Donnerstag selber hier gesagt hat, sondern weil ich weiß, dass er einer ist, der dies auch ernst nimmt und das ist etwas, was ich mir vorstellen kann, hat natürlich mit dem Thema Graz zu tun da ist ja auch etwas entstanden, was nicht nur Kunst und künstlerische Produktion und künstlerisches Entstehen betrifft, sondern das damit zu tun hat, dass mehrere künstlerische Ausdrucksformen zusammenkommen, hat mit Vermittlung zu tun, nicht nur Entstehen, sondern auch Vermittlung dessen, was entsteht, und heute hab ich ein Gespräch geführt über eine unserer Präsentationen in Berlin - ist jetzt ja interessant, dass alle vergessen haben, das wir uns in Berlin vier mal präsentiert haben. Nicht einmal - es reden alle nur noch über eine - und die anderen drei kommen überhaupt nimmer vor, wir haben uns in Berlin zum Beispiel auch mit einer wirklich hoch interessanten Arbeit präsentiert von Herrn Moosburger und Herrn Brielmeyer mit dem Thema, wie macht man das, was Regensburg als Stadt geworden ist im Mittelalter - wie macht man das erlebbar - eben nicht aus der historischen Sicht, sondern wie bringt man das einem Menschen von heute nahe, was Regensburg als Stadt im Mittelalter ausgemacht hat, inwieweit das für Europa modellhaft war, das war es nämlich wirklich und haben uns bemüht für dieses Thema heute wieder anzuknüpfen bei unserer Bewerbung und die Jury davon zu überzeugen, dass diese europäische Modellstadt im Sinne der Evaluierungskriterien für die EU eigentlich viel wichtiger wäre, als eine Stadt, die von sich behauptet, dass sie im Wandel ist, aber gut, das hat die Jury halt nicht beeindruckt, aber wir glauben, dass Regensburg gerade diesen Aspekt in ganz Europa modellhaft darstellen kann.

Das ist auch wieder etwas, das über unseren eigenen Horizont sicher wieder hinausreicht, das ist ein Projekt, das ich auf jeden Fall gerne fortsetzen würde, das auch alle Bezüge einer europäischen Modellstadt des Mittelalters mit anderen Regionen, Städten in ganz Europa ganz frappierende Bezüge. Vieles, was man nur in dieser Gegenüberstellung herausarbeiten kann - Herr Brielmeyer und Herr Moosburger haben dafür ein Konzept gemacht - auch ein Projekt mit dem haben wir uns also einige unserer vier Präsentationsprojekte in Berlin und auch dieses Projekt ist eines, das man fortsetzen sollte.

Ich hab’ jetzt bewusst zwei Projekte herausgegriffen - kennzeichne sie als meine Meinung, möchte das nicht zurücknehmen, was ich vorher gesagt hab’, dass ich der Meinung bin, das sollte ich nicht allein entscheiden, oder der Kulturreferent, auch nicht der Kulturausschuss des Stadtrates, sondern ich würde mir wünschen, das in eine Diskussion, in einer Diskussion vorbereitet wird, nochmals so wie wir vor einem Jahr, die Bausteine für die Bewerbung zusammengetragen haben, sollten man jetzt auch jetzt die Diskussion führen, was man weitertreibt, was man beiseite legt, vieles wird man aus finanziellen Gründen beiseite legen müssen. Immerhin habe wir uns für 2010 einen Etat von 60 Millionen vorgenommen, den hätten wir nicht woanders weggenommen, sondern den hätten wir zusätzlich aufgebracht - haben auch ein Finanzierungskonzept dazu gehabt. Großteil wäre von Land und Bund gekommen, das sind jetzt alles Gelder, die nicht da sind, deswegen müssen wir natürlich diese Beschränkung, die findet kein Kulturschaffender recht angenehm und manche negieren sie auch gerne, aber das kann man nicht, diese Beschränkung, die müssen wir akzeptieren. vieles wird schon aus finanziellen Gründen nicht gehen. Aber ich sag’s noch einmal: ich würde mir wünschen, dass der finanzielle Maßstab nicht die erste Elle ist, man an diesen Koffer voller Ideen anlegt, sondern die erste Elle sollte diese Messlatte sein, die ich vorher skizziert hab’.

Frage von Frau Birnthaler:

Diese Messlatte soll jetzt auch in Zukunft auf europäischem Niveau liegen bleiben ?

Antwort OB Schaidinger:

Also man wird nicht in einer Stadt wie Regensburg jede Aktivität mit der europäischen Messlatte beurteilen können, das geht nicht. Da müsste ich dem Theater ca. dreimal so viel Geld geben, dann spielen die auch in einer anderen Liga, das würden die wahnsinnig gern machen, morgen würde sie sich mit Verve darauf stürzen, das geht aber nicht.

Also nicht alles wird man auch in Zukunft mit der europäischen Messlatte messen können, ich wollte so verstanden werden: wir haben uns nach einer bestimmten Decke gestreckt und haben gesagt wir wollen mal mehr sein, als die Metropole Ostbayerns - wir glauben dass wir auf der europäischen Bühne eine Rolle spielen können, mit dieser Bewerbung. Und dieser Maßstab, dieses Ziel, das sollte bei möglichst vielen unserer kulturellen Aktivitäten sozusagen ein Maßstab sein - den wird man nicht immer erreichen können, aber allein, dass man sich diesen Maßstab nimmt und nicht nur einen regionalen Maßstab, ohne dass ich jetzt - man wird ja leicht missverstanden, drum sage ich jetzt, ohne dass ich missverstanden werden möchte, nicht dass ich jetzt einen Künstler, der einen regionalen Aktionsradius hat, geringschätzen möchte, ganz im Gegensatz, das sind zwei verschiede Paar Stiefel, sozusagen dieser Maßstab die Bühne Europa als Bühne zu nehmen, zu begreifen der sollten bei solchen Diskussionen, solchen Überlegungen eine Rolle spielen.
(Applaus von einer Person) Wenigstens einer der den gleichen Ehrgeiz hat wie ich.

 

 

DH