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Frage von Frau Birnthaler:
Nach der für Regensburg negativen Entscheidung 2010
Wie geht es weiter mit dem KulturKlub ?
Antwort: OB Schaidinger:
Ich habe mittlerweile schon zwei Angebote von Institutionen, die
diesen Kulturklub und da geht’s ja nicht nur um die Räume, da
geht’s auch um Atmosphäre, da geht’s auch um Betreuung, ich hab
schon zwei angeboten von Institutionen, die den Kulturklub gerne
beherbergen würden, gern bei sich - ich sag es mal so -
aufnehmen würden, ich habe auch gesagt und das ist die zweite
Bemerkung dazu - ich möchte nicht gern, dass - das soll jetzt
meinen Mitarbeiterin und Mitarbeiter nicht falsch auffassen, die
städtischen Mitarbeiter sind genauso gut, die sollen es nicht
falsch auffassen - ich möchte nicht gerne, dass das eine
städtische Veranstaltung wird, in dem Sinne, dass es da einen
Sachbearbeiter gibt, der bricht sich die ganze Zeit einen ab,
Themen zu finden, sondern ich meine, es wäre schön, wenn sich
ein paar zusammentäten, aus verschiedenen Ecken, ein Künstler,
ein Kulturvermittler z.B. wir tun auch mit, vielleicht auch ein
Journalist, was auch immer, also alle die zu dem Thema gehören
und die würden so einen - so eine Runde bilden und sagen, wir
machen uns sozusagen Gedanken was jeweils so Programm im
Kulturklub ist. Lass es Lindinger und Schmid und die anderen
drei gemacht haben, die gesagt haben, wir sorgen dafür, dass es
hier immer am Donnerstag so interessant ist, dass es sich lohnt,
hinzugehen. Das müsste so eine Runde machen, die Stadt würde
dafür Geld in die Hand nehmen müssen, wir wüssten das dann auch
zu organisieren, weil das alle nicht umsonst sponsorn werden,
ich bin dankbar, dass es bisher gemacht haben, Also da werden
wir paar Mark in die Hand nehmen müssen, paar Euro, das gehört
auch dazu und drittens meine ich, es muss sehr regelmäßig sein,
gerade die Tatsache, dass da hier jeden Donnerstag war, man
wüsste, man muss nicht erst überlegen, im Kopf haben ist heute
was ist das abgesagt, also Donnerstag Abend ist Kulturklub, da
geht man einfach hin - und es wird auf jeden Fall interessant.
Lieber macht man’s so, dass man z.B. vom 1. Mai bis Ende
September Pause macht, da freuen sich alle um so mehr auf das
Winterhalbjahr und da ist dann wieder jeden Donnerstag oder
vielleicht auch alle 14 Tage Kulturklub. Also das sind drei
Anregungen von mir, Räumlichkeiten werden wir finden und ein
paar Euro dafür, die wir brauchen, einfach, damit die
Organisation stimmt, die werden wir auch finden und ansonsten
sind das jetzt nur Ideen von mir, ich sage jetzt ganz bewusst,
das muss nicht so sein ich bin auch für anderen Vorschläge
offen, aber die Basis, die Möglichkeit dafür, den Kulturklub
weiterzuführen, die wird gelegt und das ist nicht nur endlich
ein Dankeschön an Lindinger und Schmid, die diese Idee gehabt
haben und die es nicht verdient hätten, wenn die Idee -
besonders nachdem sie von vielen gewünscht wird - jetzt einfach
eingedampft würde oder sterben würde. Und, äh, die Probe aufs
Exempel, die ich erwähnt habe, die ist dann, wenn die Besucher
auch kommen. Dazu müssen zwei Dinge erfüllt sein, es muss
genügend Neugierige geben, die sich mit diesem Thema regelmäßig
auseinandersetzen wollen und es muss genügend interessante
Themen geben und drum sollte man Interessiert, die dran
mitwirken wollen, die sollte man zusammen führen, so einer Art
Programm-Komitee - ist ein geschwollener Ausdruck - ich hab
jetzt keinen besseren parat. Also das sind meine Überlegungen,
die mir in der letzen Woche gemacht habe, so könnt’s gehen und
wenn’s noch bessere Vorschläge gibt, bin ich auch dankbar.
Frage von Frau Birnthaler:
Was wird mit dem Koffer, wird er geöffnet, wer darf ran, wie und
was wird rausgeholt ?
Antwort OB Schaidinger:
Ich habe in der letzten Woche zwei Stimmungen verspürt, das
erste, was überwiegend, weit überwiegend auch die Stimmung am
letzten Donnerstag war, und die hat sich so ausgedrückt, wir
haben gemeinsam viele Ideen zusammengetragen, haben was in
Bewegung gebracht und müssten doch verrückt sein, wenn wir
einfach zulassen würden, dass das alles wieder in sich
zusammenfällt. Die zweite Stimmung ist, so ein bisschen Häme
darüber zu gießen - mit dem beschäftige ich mich mal nicht, mit
dem habe ich aber viel intensiver gerechnet. Es kommt viel
weniger, aber vielleicht kommt die Häme auch noch. Aber, Also
vielleicht auch nicht.
Es haben viele gesagt, wir sollten das in
Bewegung halten, was in Bewegung gekommen ist und dazu gehört
jetzt, gehören zwei Dinge aus meiner Sicht: das erste möchte ich
mal so bezeichnen, mit dem Wort Messlatte.
Wir haben uns in Regensburg in den letzten
eineinhalb Jahren, die Messlatte dafür, was wir als angemessene
kulturelle Atmosphäre, Aktivität, Szene in dieser Stadt und für
Stadt und Region empfinden, höher gelegt durch unsere Bewerbung.
Und wir sollten sie nicht einfach wieder tiefer hängen, sondern
wir sollten sie dort oben lassen und sollten den Ehrgeiz uns
selbst, das was in Regensburg passiert, das was wir anstreben an
dieser höher gelegten Messlatte orientieren und messen, diesen
Ehrgeiz sollten wir uns behalten.
Das zweite: es haben sich vor gut einem Jahr ganze Samstage lang
Arbeitskreise und Diskussionszirkel getroffen, um zu
diskutieren, was könnte man konzeptionell machen, was sollte man
verwerfen, was ist wichtiger, was ist weniger wichtig - eine
gleich Diskussion wünsche ich mir, also es wäre nicht gut, wenn
jetzt einer oder nur einige wenige, diesen Koffer voller Ideen
öffnen würden. er steht sozusagen der Allgemeinheit zur
Diskussion oder zur Begutachtung oder zur Verfügung - aus meinem
Verständnis.
Die Diskussion und Begutachtung, die droht natürlich in solchen
Fällen ganz egoistisch abzulaufen, der eine favorisiert seine
Idee, das andere ist aber nicht so gut, was ich meine, das, wenn
wir vermeiden können, wäre gut, und wenn wir was vermeiden
können, dann lässt sich sicherlich eine produktive Diskussion
darüber anzetteln, was wir von dem Vorrat von Ideen umsetzen. es
ist auch noch etwas Geld da. Ich habe heute einen Bericht
bekommen, das ist ja ganz was seltenes, dass wir nicht nur
unseren Etat nicht überzogen haben, sondern Lindinger und Schmid
haben mir heute mitgeteilt, haben den Etat auch unterschritten,
haben sparsam gewirtschaftet, haben nicht alles ausgegeben.
Viele Zahlen, die ich da in den letzten Wochen mir, also die ich
da gelesen habe, was was gekostet hat, die sind alle falsch. Und
deswegen ist auch noch was übrig geblieben und wenn der
Freistaat Bayern - er war der Löwenanteils-Finanzier - wenn der
Freistaat Bayern das jetzt nicht zurückfordert, was ich hoffe,
dann werden wir nicht Straßenbauten verbauen, die sind, werden
anderweitig finanziert, sondern dann ist das ein kleines
Startkapital zur Umsetzung einer ersten Tranche aus Ideen aus
diesem Vorratskoffer.
Also auch das Geld ist nicht das Thema, die aller neuesten
Projekte für die wir im Jahr 2010 so richtig viel Geld in die
Hand hätten nehmen können, die werden wir nicht realisieren
können.
Aber wir sollten die Projekte ohnehin aus diesem Koffer nicht in
zwei Koffer sortieren, die da heißen, die einen kosten viel, die
anderen kosten wenig, sondern wir sollten sie sortieren nach der
Frage, was bringt uns was, was genügt nach dieser Messlatte,
also nicht die Messlatte wieder niedriger legen, mit allem
zufrieden geben und selbst gemütlich erscheinen, die Messlatte
oben lassen, was genügt dieser Messlatte und was ist interessant
und was hält diese Stimmung, diese Atmosphäre, diesem Aufbruch,
der entstanden ist, auch am Leben und am Laufen.
Zwei Überlegungen von meiner Seite:
Ich habe gestern ein Gespräch mit einem Regensburger Künstler
geführt, er sitzt da und geht mit H und hört mit uber auf und
der hat mir ein Projekt vorgestellt, das auch so ‘ne
Weiterentwicklung dieser Aufbruchstimmung ist. Und ich habe ihm
gesagt, ich helfe ihm auf jeden Fall bis an einem bestimmten
Punkt, aber ich möchte das als ein Beispiel nehmen für das Thema
Messlatte, nicht weil er das am letzten Donnerstag selber hier
gesagt hat, sondern weil ich weiß, dass er einer ist, der dies
auch ernst nimmt und das ist etwas, was ich mir vorstellen kann,
hat natürlich mit dem Thema Graz zu tun da ist ja auch etwas
entstanden, was nicht nur Kunst und künstlerische Produktion und
künstlerisches Entstehen betrifft, sondern das damit zu tun hat,
dass mehrere künstlerische Ausdrucksformen zusammenkommen, hat
mit Vermittlung zu tun, nicht nur Entstehen, sondern auch
Vermittlung dessen, was entsteht, und heute hab ich ein Gespräch
geführt über eine unserer Präsentationen in Berlin - ist jetzt
ja interessant, dass alle vergessen haben, das wir uns in Berlin
vier mal präsentiert haben. Nicht einmal - es reden alle nur
noch über eine - und die anderen drei kommen überhaupt nimmer
vor, wir haben uns in Berlin zum Beispiel auch mit einer
wirklich hoch interessanten Arbeit präsentiert von Herrn
Moosburger und Herrn Brielmeyer mit dem Thema, wie macht man
das, was Regensburg als Stadt geworden ist im Mittelalter - wie
macht man das erlebbar - eben nicht aus der historischen Sicht,
sondern wie bringt man das einem Menschen von heute nahe, was
Regensburg als Stadt im Mittelalter ausgemacht hat, inwieweit
das für Europa modellhaft war, das war es nämlich wirklich und
haben uns bemüht für dieses Thema heute wieder anzuknüpfen bei
unserer Bewerbung und die Jury davon zu überzeugen, dass diese
europäische Modellstadt im Sinne der Evaluierungskriterien für
die EU eigentlich viel wichtiger wäre, als eine Stadt, die von
sich behauptet, dass sie im Wandel ist, aber gut, das hat die
Jury halt nicht beeindruckt, aber wir glauben, dass Regensburg
gerade diesen Aspekt in ganz Europa modellhaft darstellen kann.
Das ist auch wieder etwas, das über unseren
eigenen Horizont sicher wieder hinausreicht, das ist ein
Projekt, das ich auf jeden Fall gerne fortsetzen würde, das auch
alle Bezüge einer europäischen Modellstadt des Mittelalters mit
anderen Regionen, Städten in ganz Europa ganz frappierende
Bezüge. Vieles, was man nur in dieser Gegenüberstellung
herausarbeiten kann - Herr Brielmeyer und Herr Moosburger haben
dafür ein Konzept gemacht - auch ein Projekt mit dem haben wir
uns also einige unserer vier Präsentationsprojekte in Berlin und
auch dieses Projekt ist eines, das man fortsetzen sollte.
Ich hab’ jetzt bewusst zwei Projekte
herausgegriffen - kennzeichne sie als meine Meinung, möchte das
nicht zurücknehmen, was ich vorher gesagt hab’, dass ich der
Meinung bin, das sollte ich nicht allein entscheiden, oder der
Kulturreferent, auch nicht der Kulturausschuss des Stadtrates,
sondern ich würde mir wünschen, das in eine Diskussion, in einer
Diskussion vorbereitet wird, nochmals so wie wir vor einem Jahr,
die Bausteine für die Bewerbung zusammengetragen haben, sollten
man jetzt auch jetzt die Diskussion führen, was man
weitertreibt, was man beiseite legt, vieles wird man aus
finanziellen Gründen beiseite legen müssen. Immerhin habe wir
uns für 2010 einen Etat von 60 Millionen vorgenommen, den hätten
wir nicht woanders weggenommen, sondern den hätten wir
zusätzlich aufgebracht - haben auch ein Finanzierungskonzept
dazu gehabt. Großteil wäre von Land und Bund gekommen, das sind
jetzt alles Gelder, die nicht da sind, deswegen müssen wir
natürlich diese Beschränkung, die findet kein Kulturschaffender
recht angenehm und manche negieren sie auch gerne, aber das kann
man nicht, diese Beschränkung, die müssen wir akzeptieren.
vieles wird schon aus finanziellen Gründen nicht gehen. Aber ich
sag’s noch einmal: ich würde mir wünschen, dass der finanzielle
Maßstab nicht die erste Elle ist, man an diesen Koffer voller
Ideen anlegt, sondern die erste Elle sollte diese Messlatte
sein, die ich vorher skizziert hab’.
Frage von Frau Birnthaler:
Diese Messlatte soll jetzt auch in Zukunft auf europäischem
Niveau liegen bleiben ?
Antwort OB Schaidinger:
Also man wird nicht in einer Stadt wie Regensburg jede Aktivität
mit der europäischen Messlatte beurteilen können, das geht
nicht. Da müsste ich dem Theater ca. dreimal so viel Geld geben,
dann spielen die auch in einer anderen Liga, das würden die
wahnsinnig gern machen, morgen würde sie sich mit Verve darauf
stürzen, das geht aber nicht.
Also nicht alles wird man auch in Zukunft mit der
europäischen Messlatte messen können, ich wollte so verstanden
werden: wir haben uns nach einer bestimmten Decke gestreckt und
haben gesagt wir wollen mal mehr sein, als die Metropole
Ostbayerns - wir glauben dass wir auf der europäischen Bühne
eine Rolle spielen können, mit dieser Bewerbung. Und dieser
Maßstab, dieses Ziel, das sollte bei möglichst vielen unserer
kulturellen Aktivitäten sozusagen ein Maßstab sein - den wird
man nicht immer erreichen können, aber allein, dass man sich
diesen Maßstab nimmt und nicht nur einen regionalen Maßstab,
ohne dass ich jetzt - man wird ja leicht missverstanden, drum
sage ich jetzt, ohne dass ich missverstanden werden möchte,
nicht dass ich jetzt einen Künstler, der einen regionalen
Aktionsradius hat, geringschätzen möchte, ganz im Gegensatz, das
sind zwei verschiede Paar Stiefel, sozusagen dieser Maßstab die
Bühne Europa als Bühne zu nehmen, zu begreifen der sollten bei
solchen Diskussionen, solchen Überlegungen eine Rolle spielen.
(Applaus von einer Person) Wenigstens einer der den gleichen
Ehrgeiz hat wie ich. |