06.08.05
Mann, oh Mann  
 

... da wird er genannt in den Medien als der Neue für das Staatstheater am Gärtnerplatz und die Korrespondenten stürzen sich auf ihn, ehe er irgend etwas von sich gegeben, geschweige denn produziert hat.
Er hat das Theater Augsburg zu einer besseren Auslastung geführt – kaum eine Schwierigkeit, denn beim Vorgänger und 'der Axel hat sich doch so viel Mühe gegeben' führte die Theaterleitung zu einer Minimal-Nachfrage. Da gab es auch Vorstellungen z.B. 'Hochzeit des Figaro' mit nur gut 25 und 'Walküre' mit Elisabeth Meyer-Topsoe als Sieglinde mit gerade mal 100 Besuchern. War damals bei Purcells 'Dido und Äneas' überhaupt jemand im Zuschauerraum?
Hier eine Steigerung zu schaffen, ist keine Kunst, selbst in schlechten Zeiten, wenn das Geld für gehobene Kulturveranstaltungen den Bürgern nicht mehr so zur Verfügung steht.
Jetzt nun soll in München seine zweite Intendanz beginnen. Die Staatsoper bekommt den ehemaligen Chef des Burgtheaters, Herrn Bachler, das Theater am Gärtnerplatz den ehemaligen Oberspielleiter Karlsruhe und jetzigen Intendanten in Augsburg. Dieses Theater wird sich sicherlich eines Zustroms von Münchnern erfreuen dürfen, wenn die letzte Spielzeit in Augsburg unter die Lupe genommen wird.
Wenn nun jetzt schon die Herren Brembeck, Kaiser und Tholl Zweifel haben und warnen, um ein Gärtnerplatz-Desaster zu vermeiden, ist doch die eine Weiche schon gestellt, das Publikum aufmerksam und kritisch gemacht, mit dem Resultat: "Wir haben es doch gewusst."

Dass der Neue zumindest so überlegt vorgeht, sich erstmal das Haus anzusehen und nicht gleich zum eigenen Dienstantritt alle zu kündigen, die sich solidarisch mit dem jetzigen Intendanten erklären, schafft ihm Luft. Ob er danach aber die richtigen Sänger für seinen Spielplan bekommt und nicht nur auf die Popularität eines Bass-Buffos setzen muss, ist fraglich.
Alle sind nun besonders aufmerksam, jeder Schritt wird beobachtet, eine zusätzliche Belastung zu allem, was nun zu bewältigen ist.
Fast muss man sagen, diese Übernahme: ein aussichtsloses Unterfangen.

Nun aber dreht sich das Karussell in Augsburg, wer übernimmt hier. Immerhin ist der Wechsel schon für 2007 notwendig. Wer ist denn zu diesem Zeitpunkt 'zufällig frei'?
Wie wäre es denn mit Ernö Weil, dem Regensburger Theaterdirektor. Der hat immerhin in den paar Jahren seines Hierseins den Betrieb auf 10 Spielstätten ausgedehnt. Das ist doch was, so eine Art Generalintendant im eigenen Haus. Die Qualität ist eine andere Sache, denn würde die Stadt durch entsprechende finanzielle Ausstattung des Theaters ein Ensemble ermöglichen, das bei jeder Premiere die Feuilletonisten auf den Plan ruft, hätte die Stadt eine Außenwirkung steter Art und könnte auf solche Aktionen wie die obskuren Begleiterscheinungen im Rahmen der 2010-Bewerbung verzichten, die nur Geld kosteten und Regensburg in Verruf brachten.
So wie die Stadt hier agiert und ohne Einsicht die Aktion nach wie vor gut heißt, präsentiert sich eine Partei mit dem Wahlspruch: 'Wolli wählen!'
Und einer fragte: "Wer ist Wolli, was haben wir mit dem Bürgermeister von Berlin zu tun".

Der Kulturreferent der Stadt am Strom ist auch in der Reißen - hat er nun Aufträge vergeben außerhalb des Reglements oder doch nicht und hat er nun drauf "einen Eid geschworen" oder doch nicht?

Wenn dann auch noch Leserbriefe publiziert werden - das Schauspiel müsse gelobt werden für die Inszenierung von 'Peer Gynt' von Edvard Grieg oder die Freude über 'Il Bajazzo und Cavalleria rusticana' sei groß sowie das Lob über 'Mefistofele' von Arrigo Poito - bleibt nur beredtes Schweigen.
 

DH