Es ist also nicht eine Frage des Geldes,
dass Agamemnon und Apollon wie auch der Aigistos und der Richter in
Bleiziffers Orestie am Theater Regensburg vom jeweils selben Darsteller
gespielt werden.
Auch kein dramaturgischer Ansatz, sondern nach des Oberspielleiters
Aussage, ein konzeptioneller.
Aha!
Die Vorstellung 'Die Orestie' am 16.10.04 - mit leider nur mittelmäßig
besetztem Velodrom - brachte keine Erhellung, aber das ist ja auch kein
Wunder, denn Herr Intendant Ernö Weil fand am 10.10.04 während des
Theaterfrühschoppens heraus und verkündete es laut, dass der
Berichterstatter kein solcher Fachmann sei, wie er zu sein glaube.
Hm, na ja, wenn er meint.
Hauptsache, er selber verfügte über die entsprechende Fachkompetenz, auf
dass seine Inszenierungen gelängen.
Nach dem erneuten Ansehen der Orestie - eben am gestrigen 16.10.04 -
stellt sich die Frage, die sich immer wieder sich ergibt: warum
inszenierte Bleiziffer z.B. nicht Fidelio oder Mahagonny. Die Aida am
alten Kornmarkt war zwar nicht das gelbe vom Ei, aber immerhin waren
intelligente Einfälle zu sehen. Außerdem war diese Regie unter
erschwerten Bedingungen nämlich open air.
Kennt man das Theater Regensburg schon aus den Tagen von Herbert Decker,
den der Vater des Berichterstatters Anfang der 60-er Jahre als Intendant
nach Krefeld holte, trifft es besonders, wird die Identifikation der
Stadt mit seinem Theater aus den Bewerbungsunterlagen Europäische
Kulturhauptstadt 2010 deutlich.
Nicht einmal 10 Zeilen hatte die Stadt Regensburg übrig, das Theater im
ersten Bewerbungsbuch zu erwähnen: Theater hätten schließlich alle
europäischen Bewerberstädte, meinte der OB.
Schikaneder steht irgendwo im Bewerbungsbuch. Immerhin war er mal
Intendant an diesem Theater, das in diesem Jahr auch noch seit 200
Jahren besteht und was mit Pomp von der Stadt gefeiert wurde, aber in
den Bewerbungsunterlagen nicht erwähnt wird.
Dass am Theater Regensburg einer der wichtigsten Musiker engagiert war,
der die Oper nachhaltig prägte und noch heute beeinflusst, dass es eine
Oper gibt, die in Regensburg spielt, weiß der OB wohl nicht. Oder
interessiert es ihn nicht?
Für solche Sachen hat er ja seinen Schattenintendanten. Unterzeichnender
Berichterstatter wurde am 10.10.04 zu diesem ernannt.
Wie stehen wir nun da! Gekrönt und mit Lorbeer geschmückt.
Seit mehr als
30 Jahren lebt der Schattenintendant durch familiäre Bindung im direkten
Umkreis eines deutschen Staatstheaters sowie einer staatlichen
Hochschule für Musik und Theater, ist also mit dem Leben von
Bühnenangehörigen, mit der Arbeit von Agenten vertraut und durch
Kenntnis von Interna vieler Theater auf entsprechendem Wissensstand.
Natürlich ist
ihm auch die Frau Gemahlin des jetzigen Regensburger Intendanten aus
ihren Anfängen und noch als Frau Gessendorf-Hollweg und
selbstverständlich auch in ihrer Entwicklung als Sängerin im Wagner- und
Strauß-Fach bekannt.
Ceterum censeo:
Gemessen an der Bedeutung der Stadt
Regensburg
und auch in Verbindung mit der Bewerbung 2010,
ist das Theater Regensburg unterfinanziert.
Das Theater ist
der kulturelle Mittelpunkt einer Kommune.
Also trägt es den Namen dieser über die Region hinaus,
in gutem wie in schlechtem Sinne.
So ist das Ansehen einer Stadt in kultureller Sicht direkt proportional
zum Niveau ihres Theaters.
Wen interessiert
das in der Schönen an der Donau, die sich als Europäische
Kulturhauptstadt 2010 bewirbt.
DH

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