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Exposé
über 'Les Misérables' |
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18.12.05
Theater Regensburg |
"Hau,
ruck!"
Stemmen wir's oder reißen wir's auf? |
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Der Mann kann reden, ohne Punkt und
Komma, ohne die Musikdramaturgin zu Wort kommen zu lassen, führt
Hartmut H. Forche aus:
Das Musical ist sein Metier, seit vielen Jahrzehnten (so alt scheint
er gar nicht zu sein) reist er immer wieder nach London und New
York. So hat er auch vor 20 Jahren 'Les Misérables' in London kennen
gelernt. Er bemerkte eine neue Art von Musical als das was er
kannte. "Seit diesem Zeitpunkt habe ich anders gearbeitet."
Nachdem die Zeit der Musicals in eigens dafür gebauten Häusern zu
Ende geht, geben die Verlage die Rechte an den Stücken nun auch an
kleine Häuser. So kommt das Theater der Metropole der Oberpfalz zu
der Ehre, die Bayerische Erstaufführung gestalten zu dürfen. Bei
aller Freizügigkeit achtet der Verlag darauf, dass bei diesem
Transfer vom 'Theater des Westens', Kantstraße 12 zum 'Theater
Regensburg' die Einheitlichkeit des Werkes nicht verloren geht. Gäbe
es das heute noch für die Klassik, wäre eine derartige Verhunzung
des 'Holländers' in der Sanktionierung des Direktors des Theaters
Regensburg oder des Parsifal in Bayreuth mit Billigung von Wolfgang
Wagner durch Schlingensief (OB Schaidinger würde ihn ja wie bei der
Bewerbung um Kulturhauptstadt Europas 2010 für Regensburg wieder
engagieren) nicht möglich gewesen.
Bei 'Les Misérables' zeigt sich deutlich ein neuer Ansatz, da im
Gegensatz zu 'Jesus Christ - Superstar' einer Rockoper, hier
durchkomponiert wird, im Sinne der Vertonung von Sprechgesang. Es
entstand 'ein musicalhafter Volksopernstil'. Melodien die durch das
Stück durchgehen und es prägen.
Aus dieser Veränderung sind auch 'Elisabeth', 'Miss Saigon',
'Phantom der Oper' zu verstehen. Jetzt aber denken die Produzenten
darüber nach, neue Formen zu schaffen, die auch von normalen
Stadttheatern 'zu stemmen' seien. Von allen Veränderungsbestrebungen
in die eine oder andere Richtung hat sich
die Arbeit von Stephen Sondheim
(z.B.
Sweeney Todd (1979)
nicht beeinflussen lassen, er geht seinen Weg unbeirrt. Sie
entspricht weitgehend Musical-Konventionen, sie ist stark
lautmalerisch, leitmotivisch, klingt nach Filmmusik, ist gefällig.
Die Musik von Schönberg für 'Les Misérables' besteht auch nach
Meinung des eloquenten, freiberuflich tätigen Dirigenten Manfred Knaak in der Form eines durchkomponierten Rezitativs. Der Komponist
lehnt sich mehr an die große romantische Oper, zwar gebe es weniger
die Arie, allenfalls werden Gedanken des Darstellers in seiner Rolle
vorgestellt.
Im Endeffekt, die großen Opernensembles, der große 'Operntonfall'
mit Musicaleffekten.
'Jesus Christ' dagegen ist eine Rocknummer, da geht es los und es
grooved, es werden Songstrukturen in die Handlung eingebunden, die
auch wiederkehren, auch mal ein Rezitativ - aber im Wesentlichen
sind es bei diesem Musical Rocksongs.
Die Darstellung des Werkes von Victor Hugo - auf - je nach Layout -
1500 Seiten - in Form des Musicals, gestaltet sich schwierig. Einem
Franzosen das Stück vorzustellen, bedeutet, Eulen nach Athen zu
tragen, somit Allgemeinplätze der französischen Literatur
vorzustellen, jeder Franzose kennt seinen Victor Hugo. Anders im
englischsprachigen Raum. So versuchte der Londoner Produzent Cameron
Mackintosh, das Musical der Franzosen
Alain Boublil and Claude-Michel
Schönberg umschreiben zu lassen,
mittels Prolog die Vorgeschichte - in 1815 spielend - zu erzählen,
um den Gang der Handlung damit verständlich zu machen. Was nicht
unbedingt gelang, denn auch Regisseur Forche verstand nicht, was
sich da auf der Bühne in London während des Prologs abspielte.
So soll in Regensburg eben versucht werden, durch bildhafte Momente,
den Prolog zu erzählen und verständlich zu machen.
Mit 300 Kostümen, einer Drehbühne und faltbaren Bauten will der
Regisseur dieses Großwerk - das seit 20 Jahren in aller Welt läuft -
auf die Drehbühne Regensburgs stemmen. Und hier liegt ein Problem,
denn die sich drehende Bühne birgt für Auftritte und Abgänge aus der
Sicht der Sicherheitsvertreter einige Probleme. Funktioniert ein
schneller Abgang nicht, so dreht die Bühne mit dem Darsteller
weiter, der sich dann in einer anderen Situation wiederfindet. Oder
er schafft den Umzug nicht in der vorgegebenen Zeit, kommt er in der
falschen Kostümierung in die falsche Szene.
Hier steckt also die Tücke im Ablauf - und es kann noch passieren,
dass der Computer hängen bleibt, dann stockt alles, denn die
Festplatte dreht die Bühne, bezogen auf die 'getimete' Musik.
Auf geht's: Let's rotate. |
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DH |
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