21.09.04

Lebt dasTheater vom Wechsel ?


Es ist sicher wenig sinnvoll, den gleichen Spielplan über einen langen Zeitraum zu halten - es sei denn ein Stück wie 'Faust I' in der Regensburger Inszenierung von Michael Bleiziffer mit der Neuhauser als Mephisto wird vom Publikum verlangt.
Oder jetzt Tabori's 'Mein Kampf' - für die Bayerischen Theatertage mühsam auf den Spielplan gesetzt, jetzt für den November wieder aufgenommen.
Hier also: "
Wandel und Wechsel liebt, wer lebt; das Spiel drum kann ich nicht sparen."

Ganz anders sieht es in Bezug auf ein gesundes Ensemble aus. Das Publikum will sich mit den Bühnenakteuren über einen langen Zeitraum identifizieren. Sie wollen ihre Lieblinge und auch die, die sie nicht so toll finden. Will sehen, wie sie gedeihen.
In einem guten Stadttheaterensemble wächst ein Anfänger langsam mit seinen Rollen in das Fach, was letztlich von ihm erfüllt werden kann. Noch unter Frau List konnte eine Anfängerin sagen, "die Donna Anna ist mir zu schwer. Die will ich nicht singen." Wäre das heute wohl noch möglich ?
Wenn aus Kostengründen nur junge Leute - also Anfänger - engagiert werden, dann sollten die sich entwickeln können.

Fatal - wie es jetzt geschieht - wenn ein Buffo - allenfalls lyrischer Tenor 'plötzlich und unerwartet' den Florestan singen soll. Und das Begrüßungskonzert am 19.9.04 zeigte es deutlich und enthebt uns der Frage: "Weißt du, wie was wird ?"
Mefistofele ohne Bass mit profunder Tiefe ? Fidelio ohne Tenor mit stabiler und voluminöser Mittellage und Höhe ? Quälerei wird es werden, wenn ein hohes H nicht drin ist, um ein B sicherzustellen.

Schwere Kost kann dem Publikum eben nicht mit Leichtgewichten  vorgesetzt werden.
Falscher Ehrgeiz der Führung des Hauses - ohne richtige Fachbesetzung eben keine große Oper, bei der das Publikum auf den Sitzen rumrutscht, weil es nicht zu ertragen ist, was von der Bühne zu hören ist.
Was ficht es IntendantenInnen an, wenn die Stimmen durch
zu schnell, zu viel, zu schwer ruiniert werden.
Es wird doch angeblich immer schwieriger, Sänger zu finden. Da sollte man eben beim Engagement auf Qualität und Entwicklungsfähigkeit achten und diejenigen langsam aufbauen.

Aber einem Ondit zufolge lebt das Theater ja vom Wechsel. Wenn einer fertig ist, dann eben ex und hopp.
Und will sie/er selber gehen, dann darf man sie/ihn nicht mit zu großen Partien locken, zu bleiben. SängerInnen sind leicht verführbar. Da ist dann die Fürsorgepflicht gefragt, aber die gibt es rechtlich verankert ja nur bei Beamten, nicht bei einem Tendenzbetrieb wie einem Theater.

DH