Es ist sicher wenig sinnvoll, den gleichen Spielplan über einen langen
Zeitraum zu halten - es sei denn ein Stück wie 'Faust I' in der
Regensburger Inszenierung von Michael Bleiziffer mit der Neuhauser als
Mephisto wird vom Publikum verlangt.
Oder jetzt Tabori's 'Mein Kampf' - für die Bayerischen Theatertage
mühsam auf den Spielplan gesetzt, jetzt für den November wieder
aufgenommen.
Hier also: "Wandel und Wechsel
liebt, wer lebt; das Spiel drum kann ich nicht sparen."
Ganz anders sieht es in Bezug auf ein gesundes Ensemble aus. Das
Publikum will sich mit den Bühnenakteuren über einen langen Zeitraum
identifizieren. Sie wollen ihre Lieblinge und auch die, die sie nicht so
toll finden. Will sehen, wie sie gedeihen.
In einem guten Stadttheaterensemble wächst ein Anfänger langsam mit
seinen Rollen in das Fach, was letztlich von ihm erfüllt werden kann.
Noch unter Frau List konnte eine Anfängerin sagen, "die Donna Anna ist
mir zu schwer. Die will ich nicht singen." Wäre das heute wohl noch
möglich ?
Wenn aus Kostengründen nur junge Leute - also Anfänger - engagiert
werden, dann sollten die sich entwickeln können.
Fatal - wie es jetzt geschieht - wenn ein Buffo - allenfalls lyrischer
Tenor 'plötzlich und unerwartet' den Florestan singen soll. Und das
Begrüßungskonzert am 19.9.04 zeigte es deutlich und enthebt uns der
Frage: "Weißt du, wie was wird ?"
Mefistofele ohne Bass mit profunder Tiefe ? Fidelio ohne Tenor mit
stabiler und voluminöser Mittellage und Höhe ? Quälerei wird es werden,
wenn ein hohes H nicht drin ist, um ein B sicherzustellen.
Schwere Kost kann dem Publikum eben nicht mit Leichtgewichten
vorgesetzt werden.
Falscher Ehrgeiz der Führung des Hauses - ohne richtige Fachbesetzung
eben keine große Oper, bei der das Publikum auf den Sitzen rumrutscht,
weil es nicht zu ertragen ist, was von der Bühne zu hören ist.
Was ficht es IntendantenInnen an, wenn die Stimmen durch
zu schnell, zu viel, zu schwer ruiniert werden.
Es wird doch angeblich immer schwieriger, Sänger zu finden. Da sollte
man eben beim Engagement auf Qualität und Entwicklungsfähigkeit achten
und diejenigen langsam aufbauen.
Aber einem Ondit zufolge lebt das Theater ja vom Wechsel. Wenn einer
fertig ist, dann eben ex und hopp.
Und will sie/er selber gehen, dann darf man sie/ihn nicht mit zu großen
Partien locken, zu bleiben. SängerInnen sind leicht verführbar. Da ist
dann die Fürsorgepflicht gefragt, aber die gibt es rechtlich verankert
ja nur bei Beamten, nicht bei einem Tendenzbetrieb wie einem Theater.
DH
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