05.06.05

Einsicht

 
 

   Theater Regensburg
 

Einführung
Gaetano Donizetti:
'Der Liebestrank'
 

Es geschehen noch Zeichen und Wunder:
Das Theater Regensburg rückt von der für dieses Haus von uns immer als unnötig bezeichneten Übertitelungsanlage ab und gibt die Opera buffa, den 'L'élisier d’amore', in deutscher Sprache als komische Oper 'Der Liebestrank'.

Wie unsinnig der Einsatz dieser Fehlinvestition sich darstellt, zeigte sich gerade jetzt wieder und besonders bei der Produktion von 'Cavalleria', wo wieder im Übertitel etwas anderes ausgewiesen wurde, als was sich gerade auf der Bühne abspielte.
Es ist sicher so, dass der mangelhafte Besuch der Cavalleria/Bajazzo-Vorstellungen mit dem für das Publikum erschwerten Zugang zu diesen Werken, bedingt durch das fragwürdige Ergebnis der Regie-, Bühnenbild und Kostümarbeit in Verbindung steht.

Nun die Kehrtwendung des Regensburger Theaterdirektors Weil und Anschluss an die Praxis der Komischen Oper in Berlin und des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München.
Beide Häuser spielen alle Opern in Deutsch.
Und jetzt endlich entschließt sich das Theater Regensburg zu einem "hoffnungsvollen Experiment", so wörtlich heute am 5.6.06 die Dramaturgin für das Musiktheater und Ballett: Christina Schmidt.
Vor allem bei komischen Opern sei es so, dass die Situationskomik inszeniert werden könne, die dann noch ergänzt werde vom Wortwitz.
Es sei eben schade, wenn das Publikum erst drei Minuten später, weil es erst dann und wenn überhaupt, die Übertitel – wenn sie denn auch noch mit der Szene übereinstimmen – gelesen habe und reagieren könne.
Die deutsche Fassung gebe auch den Darstellern auf der Bühne die Möglichkeit, direkter in Verbindung mit dem Wort zu spielen und somit direktere Reaktionen beim Publikum auszulösen.

"Halleluja" -
bemerkt der besorgte Abonnent und Steuerzahler dieser Stadt, greift sich besorgt irgendwo hin und fragt:
'Hatte ich es hier und bisher mit den ersten Menschen zu tun?'

Man kann doch nicht jahrelang Theater gegen das Publikum machen.
Da steht dem Regensburger Theater ein Direktor vor, der jetzt endlich erkennt: das Publikum bleibt mir weg, ich muss Oper in deutscher Sprache bringen. Dabei ist es die älteste Theaterweisheit, dass gerade Komödien in der Landessprache gegeben werden.
Also dann, z.B. 'Cosi' wie im letzten Jahr in Trier in Deutsch, damit die Übersetzung aus dem Italienischen von Eduard Devrient voll zur Geltung komme:
"Für Geld tu' ich gar manches."

Dem Liebestrank-Regisseur Wolfgang Quetes geht es bei seiner Arbeit für Regensburg darum, nicht in die Einheitslustigkeit einer Komödie verfallen, die irgendwann spielen kann, im 16. oder 20. Jahrhundert, sondern man möchte doch die historische Situation der Entstehungszeit auf der einen Seite geistig berücksichtigen und zeigen, was dahinter steckt.
Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts war es noch nicht üblich, Stücke zu schreiben, die unter dem gemeinen Volk spielen. Bis dahin spielten die Opern in historischem oder im bukolischen Milieu, oder waren im Milieu eines Sagenkreises angesiedelt
.
Die Situation im 'Liebestrank' zeigt das Ende der Napoleonischen Kriege - Italien war in der Zeit besonders in Mitleidenschaft gezogen – mit einer Fast-Persiflage eines Soldaten, eines Sergeanten, der sich um eine junge Frau bemüht, bekommt sie nicht, sondern ein junger Bauer – bisher kaum beachtet, des Lesens und Schreibens unkundig. Er freit um die junge Gutsbesitzerin und bekommt die Adlige auch zur Frau.

'Der Liebestrank' zeigt also das Aufatmen der Bevölkerung nach den Kriegen, der Beginn einer neuen Zeit, in der das Militär eben nicht mehr die Hauptrolle spielt.
Wolfgang Quetes nimmt den Gedanken aus der eigenen Nachkriegsituation auf, das Lebensgefühl der Hoffnung, der Zukunftshoffnung – die Bevölkerung will kein Militär mehr, will die schlimme Vergangenheit vergessen, selbst bestimmen, wie das Leben in Freiheit, ohne bestimmenden Adel oder Bonzentum weitergehen soll.
Regisseur und Bühnen-/Kostümbildner nehmen diese Gedanken mit in das eigene Inszenierungskonzept und verbinden dieses mit dem Wiederaufleben der Filmindustrie in Italien. Der Neoverismo von Fellini oder de Sica, die Situation in kleinen italienischen Dörfern, wobei der Film 'La strada' hier besonders eingewirkt hat.

Es ergibt sich für die Bühne im 'Liebestrank' eine Nachkriegssituation in einem italienischen Dorf, in dem man sich über das Militär in Form des Sergeanten Belcore lustig macht.

Die Dekoration liegt zwischen abstrakt und konkret, ist vor allem variabel, um, dem Film nachempfunden, kleine, intime Szenen in einem kleinen Ausschnitt quasi mit einer engen Optik und große Volks-Szenen in einer Art von Totale darstellen zu können.
Hierzu hat der Bühnenbildner Manfred Kaderk eine variable Szenerie geschaffen, mittels derer beweglichen schwenkbaren Wänden, eben die Räume in ihrer Größe und Zugehörigkeit zur jeweiligen Szene, verändert werden können.
 

DH