31.03.05

'Der Streit um die Brücke'

 
 

   Donauanlieger wehren sich

 
Die Stadt Regensburg hat sich entschlossen, die Steinerne Brücke für den Verkehr zu schließen und das Denkmal zu sanieren.

Als Ersatz für diese wichtige Verbindung der beiden Donauufer will sie Ersatzbrücken für den öffentlichen Nahverkehr (und Taxen) errichten. Das Wahrzeichen 'Steinerne Brücke' ist marode und bedarf dringend einer Sanierung, der oberste bayerische Landeskonservator, Prof. Dr. Egon Greipl, begrüßt diese Maßnahme und macht zudem in Bezug auf eine Ersatzbrücke deutlich, "keine Brücke" sei die beste Lösung, sprich: Ersatztrassen würden das historische Stadtbild beeinträchtigen.

Noch 1996 sperrte sich OB Schaidinger und seine satte CSU-Majorität im Stadtrat gegen die Verkehrsbeschränkung auf dem Monument 'Steinerne Brücke', die dann aber per Bürgerentscheid herbeigeführt wurde.

Nun schlüpft Schaidinger ganz ungewohnt in die Rolle des Denkmalschützers. Die 'Steinerne Brücke' ist nun auf einmal sakrosankt, gebaut werden soll die "verkehrsärmste Brücke Europas", ob die nun mit dem historischen Ambiente und dem Naherholungsgebiet der Wöhrde verträgt oder nicht, egal.

Baupläne liegen bereits vor.

Widerstand regt sich, erneut wird ein Moderationsverfahren bemüht, Frau Schäuble (schon beim PlanungsDialog Maxstraße nicht gerade rühmlich in Erscheinung getreten) hat Ersatztrassen-Gegner auf den Plan gerufen. Die Wogen schlugen hoch, da nicht alle Äußerungen zu Protokoll genommen wurden und auch noch eine Mitarbeiterin der "Schlichterin" während einer Anhörung Anfang März 2005 von der Mitteilung 'überrascht' wurde, Regensburg habe sich als Kulturhaupthauptstadt 2010 beworben.

Nun erklärte Frau Schäube explizit, es könne durchaus passieren, dass kein Konsens erreicht werde und die Angelegenheit ergebnislos an den Stadtrat zurück verwiesen werden müsse.

Zweifel an der Objektivität des Moderatorinnen-Teams wurden bereits in Leserbriefen an die Heimatzeitung deutlich.

Lesen Sie unten einen offenen Brief der Donauanlieger e.V. an den OB, den wir im original Wortlaut wiedergeben.

Dem OB droht hier neues Ungemach.

Nach Florian-Seidl-Straßen-Umbenennung-Pleite, Bundesgartenschau-Ablehnung, Stadt-der-Wissenschaft-Absage, Donaumarkt-Schlappe vom Dezember 2004, dem 2010-Desaster und der Burgweintinger Lärmschutz-Posse muss er mit einem weiteren Bürgerbegehren gegen sein Bauvorhaben Donautrasse rechnen, sollte der PlanungsDialog nicht wenigstens offen geführt und protokolliert werden.

Am 8. und 9. April 2005 findet das Moderationsverfahren im Salzstadel seine Fortsetzung.

Gehen Sie hin, diskutieren Sie mit und lassen Sie Ihre Meinung zu Protokoll nehmen. Ob die Stadtverwaltung Ihre Ansichten und Vorschläge dann auch publik macht, wie angekündigt, werden Sie dann selbst sehen, wenn den der Internetbeauftragte der Stadt Regensburg die entsprechenden Links nicht gerade deaktiviert hat, wie momentan (31.3.2005).
PL


 

Dr. H.J. Ahrns, Lieblstr. 18, 93059 Regensburg

Herrn
Oberbürgermeister
Hans Schaidinger
Altes Rathaus
93047 Regensburg

Betr.: Internetseite der Stadt Regensburg zum PlanungsDialog

Sehr geehrter Herr Schaidinger,
der Verdacht, der „PlanungsDialog Steinerne Brücke“ sei nicht wirklich „offen“ – wie anfangs deklariert – hat sich nun bedauerlicherweise bestätigt. In der offiziellen Internetpräsentation der Stadt Regensburg findet man unter dem Titel des Moderationsverfahrens „Statements von Interessengruppen“. Diese enthalten ausnahmslos Stellungnahmen von Befür­wor­tern einer Ersatztrasse für die Steinerne Brücke (wobei offenbar eine Ersatzbrücke gemeint ist). Auf die Argumente will ich hier nicht eingehen (obgleich man zu diesen eine Vielzahl wohl begründeter Einwände vortragen könnte). Meine Kritik betrifft die skandalös einseitige Darstellung. Es gab (und gibt) in und zum PlanungsDialog eine nicht eben geringe Zahl von gegenteiligen Stellungnahmen von Bürgern und „Interessenvertretern“ der Stadt Regensburg. Um nur wenige zu nennen: CSU-Ortsverein Stadtamhof, Altstadtfreunde, Forum Regensburg, Initiative „Fest im Fluss“, Verein Donauanlieger. Letzterer hat bereits das Protokoll der Moderatorinnen zur „ersten Runde“ des Verfahrens massiv kritisiert, da dieses die Meinungsäußerungen der Teilnehmer (!) in einer stark verzerrenden Weise wiedergibt und – vor allem – sehr gewichtige Aussagen (insbesondere des Denkmalschutzes) schlicht unterschlägt.

Unsere Einwände gegen das Protokoll sind trotz mehrfacher Aufforderungen ebenso wenig ins Netz gestellt worden wie die „Statements“ von „Interessenvertretern“, die den vorgeschlagenen Ersatzbrücken (nicht aber der vom Stadtplanungsamt eingebrachten Tunnellösung) kritisch gegenüberstehen.

Die Stadt Regensburg hat das Recht, die Inhalte ihrer Internetseite selbst zu bestimmen.

Eine missbräuchliche Ausnutzung dieses Informationsmonopols – wie in diesem Fall – verstößt jedoch eindeutig gegen das demokratische Wettbewerbsrecht sowie die grundlegenden Gebote der Fairness und der Chancengleichheit. Im Übrigen desavouiert es den PlanungsDialog selbst.

Zur Erinnerung: das aus dem Griechischen stammende Wort „Dialog“ bedeutet soviel wie „Zwiegespräch“ oder „Wechselrede“. Nun finden wir uns wohl wieder im Monolog derjenigen, die als Interessenvertreter absurderweise anderen den Vorwurf machen, Interessen zu ver­folgen. (Es ist immer wieder verblüffend, dass solchen Leuten die Widersprüchlichkeit ihrer „Argumentation“ nicht einmal auffällt.)

Ich möchte Sie als Bürger dieser Stadt und in meiner Funktion als Vorstandsmitglied des Vereins Donauanlieger e.V. eindringlich auffordern, auch den Kritikern der Ersatzbrücken-Projekte einen angemessenen Platz im Internet-Forum der Stadt einzuräumen.

Mit freundlichen Grüßen


Diesem Schreiben der Donauanlieger erwidert der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg wie folgt:


Per Telefax: 0941/88229

Herrn
Dr. Hans-Jürgen Ahrns
Lieblstraße 18

93059 Regensburg

Regensburg, 01.04.2005
D 1/10.3-26360

Internetseite der Stadt Regensburg zum PlanungsDialog Steinerne Brücke

Sehr geehrter Herr Dr. Ahrns,

Ihr Schreiben vom 29. März 2005 haben wir erhalten. Sie monieren darin, dass die städtische Internet-Seite einseitig informieren würde. Ich habe mich persönlich über den Sachverhalt informiert und darf Ihnen hierzu folgendes mitteilen:

In den letzten beiden Arbeitssitzungen des PlanungsDialoges Steinerne Brücke am 04./05. März 2005 haben sich die Beteiligten darüber beklagt, sie kämen nicht zu Wort und sie könnten ihre Positionen nicht einbringen. Ich darf mir erlauben, hierzu aus dem Protokoll der letzten Sitzung zu zitieren: "Mit den langen RednerInnenlisten zeigen sich mehrere Teilnehmende unzufrieden". Darauf hin wurde - auch das kann dem Protokoll entnommen werden - durch die Moderatorinnen der Vorschlag gemacht, Stellungnahmen von Vereinen, Verbänden und Initiativen im Internet zu veröffentlichen. Es wurde gebeten "Stellungnahmen - möglichst als Email-Datei - an das Schäubleinstitut zu senden." Auch wurde nochmals darauf hingewiesen, dass Informationen von Teilnehmenden bei den Veranstaltungen ausgelegt werden können. Von dieser Möglichkeit hat der Verein der Donauanlieger bereits mehrfach Gebrauch gemacht.

In Bezug auf den Vorwurf, das nun vorliegende Protokoll sei zu spät veröffentlicht, darf ich anmerken, dass - so teilte uns das Schäuble Institut mit - trotz Zusage des Vereins der Donauanlieger vom 9. März 2005 auch auf Nachfrage am 21. März 2005 protokollrelevante Unterlagen nicht eingegangen sind. Auch dies ist im Protokoll durch Leerseiten dokumentiert.

Seit 24. März.2005 ist unsere Rubrik "Statements" eingerichtet und seit diesem Zeitpunkt ist es uns möglich das Einstellen von Statements zu veranlassen. Die Rubrik wird je nach eingehenden Stellungnahmen laufend ergänzt. Noch bevor Sie die Einseitigkeit dieser Rubrik monierten, haben wir veranlasst, Auszüge aus Ihren Flugblättern in Internet zu veröffentlichen. Sollte der Wunsch bestehen, darüber hinaus Positionen von Ihrer Seite, der Seite des CSU-Ortsverbandes, der Altstadtfreunde, dem Forum Regensburg, der Initiative "Fest im Fluss" einzustellen, wenden Sie sich bitte an das Schäubleinstitut, selbstverständlich werden auch meine Mitarbeiter eingehende Statements entgegennehmen und den Moderatorinnen zuleiten.

Sie sehen also, sehr geehrter Herr Ahrns, alle die von Ihnen erhobenen Vorwürfe sind unbegründet.

Sehr geehrter Herrn Ahrns, sowohl die in Ihrem Schreiben als auch in den gegenüber der Presse geäußerten Vorwürfen, wonach "die Stimmen gegen eine Ersatzbrücke komplett unter den Teppich gekehrt" würden, sind für mich nicht nachvollziehbar. Alle Anregungen und Informationen zu aufgeworfenen Fragen der Donauanlieger sind im Protokoll berücksichtigt. Uns ist es unverständlich, wenn nun von dieser Seite moniert wird, keine ausreichenden Darstellungsmöglichkeiten für ihre Position erhalten zu haben.

Zum Erfolg eines PlanungsDialoges gehört die Bereitschaft zum sachlichen Austausch der Argumente. Das Verhalten der Donauanlieger - im Zusammenhang mit dem jetzt laufenden Verfahren - sich mit einem Brief an den Oberbürgermeister zu wenden und den Brief vorweg der Presse zuzuspielen, ist kein Kommunikationsstil im Sinne eines Dialogs. Die Presse hatte den Brief zum Teil bereits mehr als einen Tag vor mir. Ich muss vermuten, dass dieser Ablauf gezielt gewählt war, um der Stadt die Möglichkeit einer unmittelbaren Reaktion zu verwehren.


Mit freundlichen Grüßen

Hans Schaidinger