11.03.05
 

Das Ende einer Illusion


"Ich muss ja in die Donau noch bevor es Tag wird."
 

So schön - so hatte er es sich ausgedacht - hätte es sein können, als Intendant das Theater Regensburg in die Kulturzeit 2010 zu führen. Nichts ist's damit.

Stattdessen muss sich der Regensburger Theaterdirektor am Tag der negativen Entscheidung der 2010-Jury mit seiner 'Mefistofele'-Produktion auseinandersetzen.

Hier nun steckt 'der Teufel' wahrlich im Detail. War schon die 'Carmen' eine schwere Geburt, ist hier alles noch umständlicher, denn das kaum gespielte Stück in einem Haus mit seinen beschränkten technischen und finanziellen Möglichkeiten, ohne Musikalischem Oberleiter, mit einem Dirigenten aus Pforzheim - woher auch sonst, gibt es für Theaterdirektor Weil doch nur noch Coburg, von wo er auch den designierten GMD Raul Grüneis kennt - einem Regisseur, der in sich schon schwierig ist und kaum eine Inszenierung rechtzeitig zu Ende bringt und einer Kostüm- und Bühnenbildnerin, die in den 70-ern Interessantes, wie einen fabelhaften Wozzeck auf die Bühne des Staatstheaters Oldenburg stellte.

So funktionierte bei der Klavierhauptprobe kaum etwas in den Abläufen.
Der Chor wurde ja schon 'aus Rationalisierungsgründen' in Kostüm und Maske in den dritten Rang verbannt, der Kinderchor tritt gar nicht erst auf, sondern kommt vom Band. Hier hatte wohl der Regisseur - und in beiden Fällen - keine Idee.
Schade, Kinder und Tiere auf der Bühne überbrücken doch - wie hinlänglich bekannt - Einfallslosigkeit.

Die langen Umbaupausen bringen - wie schon bei der unseligen Mahagonny-Inszenierung des Theaterdirektors Weil - zwar dem Publikum Entspannung, währen aber zu lange. Um das Einschlafen der Zuhörer zu vermeiden, sollte da nicht erwogen werden, weitere Pausen zur Erholung der gestressten Gäste - mit einem Glas Sekt - "Geht auf's Haus" - einzulegen ?
Inzwischen kann die geplagte Technik in Ruhe in die Speichen des Rades greifen und die Bühne in die richtige Blickrichtung drehen. Wäre doch eine Maßnahme.

Und diese Querelen 10 Tage vor der Premiere. Dabei steht zeitlich hinten dran schon der 'Peer Gynt' mit seinem Auftritt - auch im kleinen Haus am Bismarckplatz.

Kulturhauptstadt Europas werden wollen, aber nicht mal die Anstalt öffentlichen Rechts das 'Theater Regensburg' richtig führen können.

Und atemberaubend diese Spielpläne im Musiktheater - auch der für 2005/2006 atmet den Duft der großen weiten Welt - die einer 2010-Stadt zur Ehre gereichten:
'Holländer', 'Giovanni', 'Maskenball' und 'Arabella' - letztere inszeniert der Theaterdirektor Weil selber, da gibt es nur schöne Bewegungen -  meist andante moderato - der zweite Akt wie ein Theaterball anzusehen, den er ja schon realiter inszenierte - es kann bei dem Stück kaum etwas schief gehen, zumal er die Leitgeb als Arabella, Adam Kruzel als Mandryka und eine kesse Fiakermilli zur Verfügung hat. Aber wer sind die Tenöre ?
Und wer sind Erik, Senta - wer Giovanni, wer Richard, wer Amelia ?
Wer Ulrica ? Letztlich wird's wohl ein Ulrikchen werden.

"Mit san mir - mir könna ois !"

Vielleicht aber endet wegen Realitätsverlusts - wie auch schon bei 2010 erlebt - alles doch so:

Erst Feil, dann Weil ?

 

DH