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Ein
Regisseur, der die Welt gesehen hat - zumindest die im Osten der
Deutschen Republik - Georg Mittendrein.
War u.a. Intendant des Landestheaters Altenburg, Intendant
der Vereinigten Bühnen Bozen, Intendant des Theaters
Plauen-Zwickau, fester Regisseur am Opernhaus Halle und nun
Intendant der 'Clingenburg Festspiele' in Klingenberg am
Bayerischen Untermain. Gearbeitet hat er in acht Ländern auf
zwei Kontinenten - in elf der 16 Bundesländer, in fünf der
östlichen Bundesländer hat er in vier inszeniert, in drei war er
Intendant.
Georg Mittendrein findet, es klänge schrecklich, diese
Aneinanderreihung seiner "künstlerischen Leidensstationen".
Er schied aus Wien im Unfrieden - findet es erstaunlich, welchen
künstlerischen Ruf die Stadt hat, er selber habe anderes erlebt,
wie eben in Österreich und vornehmlich in Wien mit Künstlern
umgegangen wird.
Im Rahmen einer Politiker-Endversorgung habe man jetzt einen
ehemaligen Stadtrat nun als Intendanten für das Mozart-Jahr
eingesetzt.
Ihm selber sei es widerfahren, dass eine Stadträtin ihm - damals
war er 36 / 38 Jahre alt - mitteilte: "Herr Mittendrein, Sie
haben den Plafond erreicht."
Nun ist er in Regensburg und führt Regie bei 'Amadeus'.
In Shaffers 'Amadeus' werden mehrere Zeitebenen berührt, 1781
bis 1791 und dann 1823 - Jahre nach dem Tod Mozarts und zwei
Jahre vor dem Ableben Salieris.
Die Selbstbezichtigung Salieris, er habe Mozart zu Tode
gebracht, kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, auch
wenn immer wieder behauptet werde, es gäbe sogar ein
schriftliches Geständnis Salieris, das im Vatikan verwahrt
werde.
Mit dem Papst aus Pentling müsste es doch ein leichtes sein,
diesen Aktenvermerk der Regensburger Öffentlichkeit zugänglich
zu machen.
Als Mörder käme auch Franz Xaver Süßmayr, der Schüler Mozarts in
Frage, der angeblich ein Verhältnis mit Frau Constanze hatte
oder Franz Hofdemel, dessen Frau Schülerin und evtl. auch
Geliebte Mozarts war. Immerhin ging Hofdemel am Tag nach Mozarts
Tod mit einem Rasiermesser auf seine Frau los, beging dann aber
Selbstmord.
Verdächtigt wurden auch die Freimaurer, weil Mozart deren Riten
in der 'Zauberflöte' offenbarte.
Die Weiterverbreitung des Mord-Gerüchts war und ist nach Meinung
von Herrn Mittendrein in Wien besonders gut möglich. Klatsch und
Tratsch ausufere im Österreich und Wien außerordentlich gut.
Fast kann der Eindruck entstehen, er, Mittendrein litte genauso
wie Thomas Bernhard unter Österreich.
Intrigenwirtschaft in Wien mit dem Gift, das aus derartigen
Verhaltensweisen resultiert, führt zum Miss-Verhältnis Salieri /
Mozart in Peter Shaffers Werk.
Salieri sei aufgrund seiner Art zu leben, sich zu geben und
seiner künstlerischen Leistung der Favorit des Hofes gewesen und
so in gut dotierte Stellung wie die des Hofkapellmeisters
aufgestiegen, während Mozart sich das Publikum erst erobern
musste.
Mozart sei es erst bei Glucks Tod gelungen, eine feste Position
als Kammermusikus zu erlangen, wenn auch nicht mit der Bezahlung
wie sie Gluck für sich in Anspruch nehmen konnte.
Dass 'Figaros Hochzeit' beim Publikum und bei Kaiser Joseph II
nicht gut an kam, wurde Salieri - vor allem von Mozarts Vater -
angelastet. Verständlich, wenn in der Zeit von 1781 bis 1791 in
Wien 163 Opern Salieris und nur 63 Opern Mozarts zur Aufführung
gekommen sein sollen.
Dass Salieri nicht gerade 'happy' gewesen ist, einem 'Kind'
Genialität zu attestieren, die sein eigenes umfassendes
Gesamtwerk in den Schatten stellte, ist nur mehr als
verständlich.
Gesichert ist nicht, dass es offene Rivalitäten zwischen Salieri
und Mozart gegeben habe, immerhin unterrichtete Salieri Mozarts
Sohn.
Peter Shaffer lehne sich nach Dramaturg Rolf Ronzier mehr an
bekannte Gegebenheiten an, als dass er frei dichte. So fühlt
sich Salieri von Gott verraten, dem er sein Leben widmete und
von dem er Erfolg erwartete. Success wurde ihm als Handwerker
gegeben, allerdings gab Gott Mozart Unsterblichkeit durch das
Talent. Salieri werde als Gotteslästerer und Intrigant gezeigt,
wobei ersteres sicher nicht der Wahrheit entspreche.
Die Geschichte stimme zwar nicht, aber sie sei gut erfunden.
Laut Dramaturg Rolf Ronzier habe Shaffer einen Hang zur
analytischen Enthüllung, für die Aufdeckung von Hintergründen,
wofür er die Form der Beichte benutzt, die er auch für Salieri
verwendet.
Er verflechtet die Gerüchte mit den Tatsachen und verbinde sie
zu einer eigenen Geschichte, einer Begegnung von Mittelmaß und
Genialität, eine Schilderung historischer Gegebenheiten und auch
ein Kriminalstück. Nicht zuletzt ist es Unterhaltungstheater,
das in seiner Sinnlichkeit zur Musik Mozarts führt - es
ermöglicht, Mozarts Kompositionen zu begreifen.
Eine eindeutige Gattungsbezeichnung für 'Amadeus' zu
formulieren, ob Tragödie oder Komödie, sei schwierig, allenfalls
könne man es nach Regisseur Mittendrein feststellen, das Stück
habe Bildungswert und im weiteren Sinne einen unterhaltenden
Wert mit zwei Sterbeszenen.
Um die Wiener Gerüchteküche darzustellen, greift man im
Regensburger Stadttheater auf Damen des Ensembles zurück, die 'Venticelli'
zu verkörpern. Damen, weil Herren aus dem ensemble nicht zur
Verfügung stehen. Dem Regisseur genügten die beiden Damen nicht,
so verlangte er eine dritte Dame (Analogie zur 'Zauberflöte' ?).
Um nun nicht Klatsch und Tratsch im Stück ganz in die Hände von
Damen zu legen, erhält er Statisten zugewiesen - von diesen
sechs sind wenigstens drei mit Männerstimmen.
Karikaturen, die Hofschranzen von Strack, Graf Orsini-Rosenberg,
Baron van Swieten sind nur dramaturgische Stichwortgeber, um die
jeweilige Situation für die Protagonisten herzustellen. Ähnlich
ist dies in Büchners Woyzeck zu beobachten. Dort ist der Andres
die Mittlerfigur.
Gerade diese Aufgabe, das Stück durch die Rolle und die eigene
Einbringung in dieselbe, ist darstellerisch oft nur schwer zu
erfüllen.
Der Bühnenbildner gibt Auskunft über die Szenerie. Da der
Schnürboden im Velodrom nicht über ausreichende Höhe verfügt,
werden für die schnellen Szenenwechsel Dekoteile in sich gerafft
nach oben gezogen. Bauten werden in sich gedreht und zeigen mal
dies mal jenes.
Die Kostüme - im Stil der Zeit des Stückes - sind zwar noch
nicht alle zur Verfügung, aber zur Premiere am 20. sei ja noch
fünf Tage Zeit.
"Das wird schon" - war in solchen Fällen die Meinung des
früheren Oberspielleiters Schauspiel Rudolf Zollner.
Salieri oder Mozart - zwei prallen mit Positionen und Talent
aufeinander. Mozart noch unverstanden von der Welt, Salieri
etabliert im Rahmen seiner handwerklichen Möglichkeiten.
Er - wissend der Schwächere zu sein - lässt Mozart, der an
seinem Image kratzt, nicht zu..
Wie auch Intendanten glauben, die Position schütze sie. Ein Kurt
Hübner dagegen ließ Zadek, ließ Minks, ließ Stein an seinem
Bremer Theater zu.
Regisseur Mittendrein meinte, Regensburg verfüge über ein gutes
Theater, alles funktioniere bestens.
Hat der 'ne Ahnung. In sechs Wochen das so beurteilen zu wollen.
Aber der Herr Regisseur will wohl wiederkommen dürfen. |