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Nach Rudolf
Zollners 'Krug' vor Jahren mit Michael Heuberger als Dorfrichter
Adam nimmt nun Michael Bleiziffer - der amtierende
Oberspielleiter Schauspiel Regensburg - sich der Scherben an.
In seiner Einführung in das Werk, bei dem Adam nicht wie in der
Bibel der Verführte, sondern eben der Verführer und Eve, die vom
'Zuspruch' des Dorfrichters Betroffene, die Reine ist, sprach
Michael Bleiziffer von der Musik in der Sprache Kleist's beim
'Krug'. Die fünfhebigen Jamben - ähnlich dem Sprachduktus
Richard Wagners im 'Lohengrin' - die besondere Herausforderung
an die Darsteller bedeuten.
Die kurzen Textfragmente, die Teile einer Frage, ein Hin- und
Herwerfen von Satzstücken erzeugen eine besondere Sprachmelodie.
Es gäbe nicht so viele Dichter, die mit der Sprache so etwas wie
Musik erzeugen könnten, die sich dann auf das Spiel - bei
genügend großer Virtuosität der Darsteller - übertrage. Häufig
habe er bei dieser Produktion die Worte Musik, Rhythmus, Dynamik
verwendet. Gerade beim 'Krug' könne man ja wie bei Sängern
beobachten, dass allein durch die Musik ein bestimmter Zustand
erzeugt wird, so dass der Sänger selber gar nicht mehr
hinzufügen müsse. Wenn der also den Gesang richtig hinbekomme,
brauche er keine Befindlichkeit, keinen Zustand, keine Haltung
zu spielen, der Gesang drücke eigentlich alles aus.
Im Schauspiel sei es ein bisschen anders. Er glaube nicht, dass
die Sprache allein alles das zeigen könne.
Dieses Ensemblestück - nach 115 eigenen Inszenierungen - bot nun
zum ersten Mal dem Regisseur die Mitarbeit der Darsteller, da
verschiedene Versionen bei der Umsetzung des Werkes möglich.
Weil alles so unendlich delikat sei, wurde sehr viel diskutiert,
welches wohl die richtige Auslegung sei, um dann bei allem
Überlegen endlich etwas festzulegen, da "wir auf der Bühne
wissen müssen, was wir wollen und zu welchem Zeitpunkt wir was
wollen." So z.B. wer erkennt wann, wer der Täter ist.
Um das Ganze in einem Spannungsbogen zu halten, brauche man
Widersprüche. Oftmals sei es notwendig bei einem Stück,
Widersprüche zu glätten, Linien zu verfolgen, die zu bestimmten
logischen Konsequenzen führen.
Bei diesem Werk gehe es darum, die Widersprüche so zu
verdeutlichen, dass der Zuschauer sich an diesem Prozess
beteiligt fühlt und bei diesem Krimi sei noch die Balance zu
erarbeiten und darzustellen, wie z.B. der Dorfrichter in
existentielle Nöte gerät und dabei die Komik über diese
Schwierigkeiten nicht verloren geht.
Wie bei jedem Krimi liegt die Tat vor dem Bericht und so ergibt
sich auch hier die Frage, welche Wahrheit wird wie und wann ans
Licht kommen.
Theater sei Inhalt, führt der Herr Oberspielleiter bei der
Einführungsmatinee aus, das bedeute, ganz bestimmte
Entscheidungen, dramaturgischer, schauspielerischer Art zu
treffen und daneben gelte es, die Form zu erfüllen, womit das
Phänomen Kunst eigentlich erst beginne. Man habe sich -
und "was für mich in den letzten Jahren a bissl was Neues ist"
für eine realistische Form entschieden.
In einem einzigen Raum spielt das ganze Stück - Gerichtssaal
Wohnraum, Schlafkammer in einem.
In diesem Raum wickeln sich auch ganz persönliche Dialoge in der
Öffentlichkeit ab. Ob nun Eve mit Ruprecht spricht oder der
Gerichtsrat mit dem Dorfrichter - das Ensemble ist dabei, wenn
auch versucht wird, durch entsprechende Anordnung der Personen
auf der Bühne, einen gewissen intimen Raum für die beiden
miteinander sprechenden zu finden. Und in dem Stücke wolle ja
jede Hauptperson etwas retten, der Dorfrichter sein Amt und
seine Unbeschädigtheit, Eve Ruprecht vor dem Militär, Frau Marte
die Bestrafung des Zertrümmerers ihres Kruges und Eve vor der
Heirat mit Ruprecht.
Diese Vielschichtigkeit darzustellen, mache die Arbeit an dem
Stück spannend und so spielten sich auch die Proben ab.
Mit dem Bühnenbildner Konrad Kulke habe er nun schon 50 bis 60
Inszenierungen gemacht und mit ihm, der früher detailversessen
gewesen sei, nun über die Jahre den "charakteristisch leeren
Raum" entwickelt, nicht austauschbar oder beliebig, irgendetwas illustrierend oder vorgaukelnd.
Das Schönste am
Theater sei die Wahrheit und wie die Schauspieler nicht so täten,
als ob sie was darstellen, sondern einfach sind, so solle auch
der Raum, in dem das Stück spiele, eine eigene Idee beinhalten -
wie es auch bei 'Faust' oder 'Peer Gynt' gewesen sei - beim 'Krug'
also psychologisch Realistisches brauche, in dem die Virtuosität
der Schauspieler zur Geltung komme und die Einheit von Zeit,
Raum und Handlung bewahrt bleibe.
Der Raum müsse über eine gewisse Wärme und Sinnlichkeit
verfügen. Die Vielschichtigkeit der Figuren in diesem Raum, die
eben nicht nur bös oder gut oder korrupt seien, spiegle die Natur
des Menschen wieder. Beispielhaft in diesem Raum: der
Dorfrichter, auf der einen Seite ein fast Vergewaltiger, aber
eben auch mit sympathischen Zügen oder solle das Publikum eher
den Gerichtsrat Walter als Sympathieträger sehen, der geradeaus
sein Ziel der Kontrolle nach Paragraph X verfolge.
Die Kostüme habe er noch nicht gesehen (!)
Am 30.09.05 ist Premiere im Velodrom. Es gäbe noch Karten.
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