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Selbsterklärend
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Am 10. März
2005 fiel Regensburg mit seiner Bewerbung zur europäischen
Kulturhauptstadt 2010 durch. Die Stadt hatte Jahre, wenn nicht
Jahrzehnte lang, versäumt, sich um die Entwicklung einer
eigenständigen Kultur zu bemühen.
Private Initiativen versuchten das Loch zu füllen: 'Jazz-Weekend',
'Tage alter Musik' brachten ein gewisses Renommee und die Stadt
ins Gespräch.
Mehr war aber nicht.
Das Theater Regensburg dümpelt als erste Kultureinrichtung der
Stadt nach wie vor im Provinziellen.
Kunstinteressierte Damen nahmen den Mangel zum Anlass, einen
kunstvollen Faden zu spinnen und zeigten schon 2003 in einem
leer stehenden Gebäude in der Regensburger Ostengasse - den Abriss
für die zu schaffende so genannten 'Hans-Schaidinger-Gedächtnishalle'
am Donaumarkt erwartend - Kunst der Gegenwart zum Anschauen und
Kaufen.
Der Gedanke des Kunstkaufhauses wird nun in diesem Jahr
weiterverfolgt. Da die Damen anfänglich keine Location hatten,
wandte sie sich an den Herr Oberbürgermeister. Generös stellte
er für den Zeitraum ab Mitte November 2005 bis Anfang Januar
2006 Räumlichkeiten zur Verfügung, für die er nach eigener
Aussage gar keine Verfügungsgewalt mehr hatte. Am 17.3. teilte
er nämlich der Bevölkerung mit, der KultuRklub müsse aus dem bis
dahin genutzten Degginger-Gebäude weichen, der Mietvertrag laufe
Ende März 2005 aus.

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Im Sommer
stellte er die Räume mit einem Untervertrag für das
Kunstkaufhaus zur Verfügung.
Wer fragt da nach Ungereimtheiten.
Alles wunderbar und kaum jemand hätte die Widersprüche
aufgenommen, wäre es nicht jetzt zum Eklat gekommen, als
Marjolaijn Dijkman die Schaufenster des zu eröffnenden
Kunstkaufhauses mit Plakatschnipseln beklebte.
Geschäftsleute der unmittelbaren Umgebung beklagten sich bei der
Stadt und flugs war eine Vorgabe weitergeleitet: Bis Montag
14.11.05 haben die Fenster wieder den freien Durchblick zu
geben, die Schnipsel müssen weg - somit die Kunst auch.
Kunst am Bau ?
Die Künstlerin Marjolaijn Dijkman findet ihre Inspiration vor
Ort. Sie kam vor einigen Monaten nach Regensburg, reagierte auf
den Ort und tauchte nach einem Spaziergang mit Plakatresten
wieder auf, damit war die Idee für die Installation geboren.
Letzte Woche kam sie wieder in die Stadt, um die Materialien zu
sammeln, was ihre keine Mühe machte, zumal sie sich nicht mehr
als 5 km im Umkreis zu bewegen brauchte.
Am 10. brachte sie morgens um 8 Uhr die Installation an, die
unter Titel steht 'Plakatieren verboten!' steht.
Das Verbot fasst die Künstlerin als Zensur, einem Zurückhalten
von Informationen auf, dem Opfer eines Kampfes, der in einer
Stadt vor sich geht.
Das Publikum soll zum Nachdenken gebracht werden, über
Autoritäten, kommerzielle Einrichtungen.
Es vergingen an diesem 10.11.05 nur Minuten, dass die Weisung
der Stadt Regensburg als Mieter der Räume ausgesprochen wurde,
die Installation binnen vier Tagen zu entfernen. Die Künstlerin
fasste die Attacke mit einem großen Lachen auf. Sie konnte die
Reaktionen in so kurzer Zeit mit solcher Heftigkeit nicht
begreifen. Weder nahm die Obrigkeit das Kunstwerk offiziell in
Augenschein genommen noch wurde es hinterfragt.
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Wohl die
Pressekonferenz am 14.11.05 nun brachte die Wende. Aufgescheucht
durch das Echo am Wochenende machte die Stadt eine Kehrtwendung
und unmittelbar vor dem Zusammentreffen mit den Medienvertretern
konnten die Initiatoren mitteilen: Herr Unger als Kulturreferent
habe sich mit dem Inhaber des Gebäudes ins Benehmen gesetzt und
das Kunstwerk an den Scheiben gerettet.
Alles dürfe jetzt so bleiben und wenn das Kunstkaufhaus seine
Pforten Anfang Januar 2006 wieder schließt, müssen die
Schaufensterscheiben halt wieder sauber sein. So what !
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