14.11.05
  Regensburg
Pressekonferenz Kulturkaufhaus
 

      "Die Kunst und die Kleinstädter"

 

 
   
 
  Selbsterklärend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright Peter Lang - teleZeitung.tv

Am 10. März 2005 fiel Regensburg mit seiner Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 durch. Die Stadt hatte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte lang, versäumt, sich um die Entwicklung einer eigenständigen Kultur zu bemühen.
Private Initiativen versuchten das Loch zu füllen: 'Jazz-Weekend', 'Tage alter Musik' brachten ein gewisses Renommee und die Stadt ins Gespräch.
Mehr war aber nicht.
Das Theater Regensburg dümpelt als erste Kultureinrichtung der Stadt nach wie vor im Provinziellen.

Kunstinteressierte Damen nahmen den Mangel zum Anlass, einen kunstvollen Faden zu spinnen und zeigten schon 2003 in einem leer stehenden Gebäude in der Regensburger Ostengasse - den Abriss für die zu schaffende so genannten 'Hans-Schaidinger-Gedächtnishalle' am Donaumarkt erwartend - Kunst der Gegenwart zum Anschauen und Kaufen.

Der Gedanke des Kunstkaufhauses wird nun in diesem Jahr weiterverfolgt. Da die Damen anfänglich keine Location hatten, wandte sie sich an den Herr Oberbürgermeister. Generös stellte er für den Zeitraum ab Mitte November 2005 bis Anfang Januar 2006 Räumlichkeiten zur Verfügung, für die er nach eigener Aussage gar keine Verfügungsgewalt mehr hatte. Am 17.3. teilte er nämlich der Bevölkerung mit, der KultuRklub müsse aus dem bis dahin genutzten Degginger-Gebäude weichen, der Mietvertrag laufe Ende März 2005 aus.



 

Im Sommer stellte er die Räume mit einem Untervertrag für das Kunstkaufhaus zur Verfügung.
Wer fragt da nach Ungereimtheiten.

Alles wunderbar und kaum jemand hätte die Widersprüche aufgenommen, wäre es nicht jetzt zum Eklat gekommen, als Marjolaijn Dijkman die Schaufenster des zu eröffnenden Kunstkaufhauses mit Plakatschnipseln beklebte.
Geschäftsleute der unmittelbaren Umgebung beklagten sich bei der Stadt und flugs war eine Vorgabe weitergeleitet: Bis Montag 14.11.05 haben die Fenster wieder den freien Durchblick zu geben, die Schnipsel müssen weg - somit die Kunst auch.

Kunst am Bau ?

Die Künstlerin Marjolaijn Dijkman findet ihre Inspiration vor Ort. Sie kam vor einigen Monaten nach Regensburg, reagierte auf den Ort und tauchte nach einem Spaziergang mit Plakatresten wieder auf, damit war die Idee für die Installation geboren.
Letzte Woche kam sie wieder in die Stadt, um die Materialien zu sammeln, was ihre keine Mühe machte, zumal sie sich nicht mehr als 5 km im Umkreis zu bewegen brauchte.
Am 10. brachte sie morgens um 8 Uhr die Installation an, die unter Titel steht 'Plakatieren verboten!' steht.
Das Verbot fasst die Künstlerin als Zensur, einem Zurückhalten von Informationen auf, dem Opfer eines Kampfes, der in einer Stadt vor sich geht.
Das Publikum soll zum Nachdenken gebracht werden, über Autoritäten, kommerzielle Einrichtungen.

Es vergingen an diesem 10.11.05 nur Minuten, dass die Weisung der Stadt Regensburg als Mieter der Räume ausgesprochen wurde, die Installation binnen vier Tagen zu entfernen. Die Künstlerin fasste die Attacke mit einem großen Lachen auf. Sie konnte die Reaktionen in so kurzer Zeit mit solcher Heftigkeit nicht begreifen. Weder nahm die Obrigkeit das Kunstwerk offiziell in Augenschein genommen noch wurde es hinterfragt.

Wohl die Pressekonferenz am 14.11.05 nun brachte die Wende. Aufgescheucht durch das Echo am Wochenende machte die Stadt eine Kehrtwendung und unmittelbar vor dem Zusammentreffen mit den Medienvertretern konnten die Initiatoren mitteilen: Herr Unger als Kulturreferent habe sich mit dem Inhaber des Gebäudes ins Benehmen gesetzt und das Kunstwerk an den Scheiben gerettet.
Alles dürfe jetzt so bleiben und wenn das Kunstkaufhaus seine Pforten Anfang Januar 2006 wieder schließt, müssen die Schaufensterscheiben halt wieder sauber sein. So what !

DH