Theater Regensburg
   05.05.06

  
   "Und in dem "Wie" da liegt der ganze Unterschied"

 
Spielplanvorschau 2006/2007
  
   
 

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Mächtige Schatten wirft die Spielzeit voraus, muss der Beobachter zur Kenntnis nehmen.

Noch laufe zwar die von 2005/2006, Produktionen stünden, meinte die Chefdramaturgin, noch aus, aber man wolle schon mal die neue Planung vorstellen. Mit dem heutigen Tage sei ja auch das Spielzeitheft erschienen und nun solle das Geplante dem Publikum schmackhaft gemacht werden, damit die Herrschaften wüssten, was auf sie zukomme.

Der Beginn der Spielzeit beim Musiktheater gestalte sich so, wie die jetzt laufende aufhöre, mit einem Werk von Verdi, jetzt 'Maskenball', dann mit dem Spätwerk 'Otello', inszeniert von dem Regisseur, der vor Jahren 'Loreley' auf die Bühne brachte, aufmerksame Theaterbesucher werde sich erinnern, dass wieder einmal Übertitelung nichts mit dem Geschehen auf der Bühne zu tun hatte, da Rupert Lummer verschiedene Dinge anders sah, als der gemeine Regensburger es erwartete.

Frau Schmidt, die Musikdramaturgin führte weiter aus:
Wieder aufgenommen werde aus der jetzt laufenden Spielzeit: 'Jesus Christ', 'Don Giovanni' und der 'Maskenball', somit sei es möglich, zwei Opern von Verdi in einer Spielzeit zu sehen.
Bei der Operette käme 'Maske in Blau' unter der Spielleitung von Gerhard Platiel, der ja nun im dritten Jahr in RBG tätig sei. 'Maske in Blau' - ein sehr buntes, südlich angehauchtes Operettenspektakel, mit einem Hit - geschickt verwandelte sie den Versprecher Musical in eine Sachaussage, die Maske in Blau sei ja fast zwischen Operette und Musical angesielt und sei gespickt mit Hits, von denen die Julischka aus Budapest und Ja das Temperament, das kenne man ja - zitiert wurde.
Ballett sei auch wieder dabei.
Danach folge als Abschluss des Gedenk-Jahres die Übernahme aus Münster, 'Titus' - das Spätwerk Mozarts über den blutrünstigen und zwielichtigen Herrscher in der Ausstattung von Heinz Balthes.

Anschließend werde die Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater Prag fortgesetzt, als Daniel Dvorak Bühne und Kostüme für 'Lulu' von Alban Berg gestalte. Die Spielleitung übernehme Ernö Weil.

Wenn denn 'Lulu' nun März 2007 rauskommen soll, müsste man nach Meinung des Beobachters eigentlich ja bei dem schwierigen Werk schon bald mit den Proben beginnen, aber Regensburg weiß ja noch nicht einmal, ob es die 2- oder die 3-Aktige Fassung spielt. Immerhin sieht man schon ein, dass die 'Lulu'  ein großes Unterfangen für die Solisten und das gesamte Haus darstellt.
Am Haidplatz sei dann - im Rahmen der Pflege der Kammeroper - Viktor Ullmanns 'Der Kaiser von Atlantis' - vorgesehen - nach Meinung von Frau Schmidt der Dramaturgin, könne es als eine Parabel auf den NS-Staat gesehen werden, wobei auch komische Situationen entstünden, wenn der Tod das Sterben verweigere. Regisseurin Barbara Kunze hatte in dieser Spielzeit die Produktion 'Songs of Travel' betreut, wird jetzt dieses Werk übernehmen.

Doris Buske - gerade als Regisseurin von Menottis 'Medium' hervorgetreten, werde in der nächsten Spielzeit Donizettis 'Don Pasquale' leiten. So ergebe es sich, dass RegisseurInnen wieder eine Aufgabe bekämen, wenn sie schon am Regensburger Haus erfolgreich hervorgetreten seien.

Legt der Beobachter die Produktion 'Das Medium' zugrunden, darf im Falle von Frau Buske gehofft, werden, sie bleibe beim Autoren-Theater und gleite nicht ab, in die Niederungen von Jiri Nekvasil, der ja meinte, seinen Aufholbedarf an Regietheater ausgerechnet in Regensburg decken zu müssen und diesen Schmarrn von 'Holländer' zusammenmurkste.

Als letzte Produktion im Musiktheater komme 'Brigadoon', ein Musical, das kaum gespielt werde, heraus, obwohl die Autoren immerhin 'My fair Lady' erarbeitet hätten. Olaf Schmidt, der Ballettdirektor, werde inszenieren. Die Dramturgin betonte ausdrücklich, dass Schottenröcke gezeigt würden.
Olaf Schmidt bestätigte das nur indirekt, so dass keine klaren Aussagen aufgenommen werden konnten, jedoch erklärte der Ballettdirektor, dass er dieses Stück besonders schätze, auch weil die Verfilmung so schlecht gewesen sei und das Stück kaum gespielt werde. Er nimmt es wohl auf sich, sich hier profilieren zu wollen.
Die Compagnie verändere sich in zwei Herren-Positionen, ansonsten bleibe das Ensemble zusammen.

Olaf Schmidt wird ein eigenes Stück vorbereiten und inszenieren, das Tennesse Williams zugrunde legt - eine Kollage aus verschiedenen seiner Werke mit dem Titel 'Endstation Tennesse'. Er sei der Meinung, man könne aus den Themen mit dem Ballett noch mehr herauskitzeln als dies über das Wort im Schauspiel möglich sei. Musik aus New Orleans werde verwendet und der Spitzentanz komme verstärkt zum Einsatz, da OS der Meinung sei, über den Spitzentanz noch mehr Schärfe aus den Themen entwickeln zu können.
Ein weiterer Abend befasse sich mit zwei Biografien - Lord Orlando, der Favorit von Königin Elisabeth I - und der von Virginia Woolf mit deren Geliebter, Vita Sackville-West. Noch offen sei die Frage der Ausstattung - alles geschehe beim Ballett unter Umständen schnell - immerhin habe man noch einen Ballettabend in der Dreieinigkeitskirche, der am 15. Juli Premiere haben solle, vorzubereiten.
Es gebe auch wieder eine AIDS-Tanzgala und eine Ballettwerkstatt, die wegen der großen Nachfrage auch mal im Velodrom stattfinden solle. Auch junge Choreographen würden wieder vorgestellt.

Der Oberspielleiter Schauspiel führte anschließend aus, dass er gerade von einer 'Don-Camillo'-Probe komme und von der Sonne gestochen sei. Nun, er liebe aber die Freilichtbühne und so werde er auch in der nächsten Spielzeit wieder in dieser Art des Theaters unter freiem Himmel tätig sein.
Die Spielstätte als solche habe einen großen Einfluss auf die Gestaltung des Spielplanes. RBG verfüge gerade für das Schauspiel über eine Vielzahl von Spielstätten, für die geeignete Stücke gefunden werden müssten. Auch sei es Bestandteil des Konzeptes, dass alle Stücke vom Ensemble gespielt werden. Nur in extremen Ausnahmefällen würden Gäste hinzu engagiert. 19 feste Positionen stünden zur Verfügung.
Ganz bestimmte Strategien, Ambitionen würden verfolgt, wobei auch wieder die Formen von ihm genannt wurden.
Die Physiker von Dürrenmatt lägen ihm am Herzen, stünden an erster Stelle und eröffneten die Spielzeit. Inszenieren werde er selber, wobei er Staub vom Werk zu wischen habe, das Werk aber spannend sei und bleibe. Anschlössen sich die 'Goldberg-Variationen' von Tabori, zu dem man bestimmte formale Ambitionen haben müsse, hierfür käme als Regisseur Johannes Zametzer. Er sei bemüht, für die einzelnen Stücke auch passende Regisseure zu finden.
'Maria Magdalena' von Hebel sei nun endgültig an diese Stelle in der Reihe von Produktionen gerückt, nachdem lange ein ganz anderes Werk vorgesehen war.
Klassiker seien laut Bleiziffer mit am reichsten, weil sie menschliches Verhalten zeigten. Wolle man diese Werke nun heute vorstellen, müsse man neue Formen entwickeln, damit meine er nicht eine vordergründige Aktualisierung, da diese meist sehr platt ausfalle. Für 'Maria Magdalena' wisse er das Regieteam noch nicht.
'Kleiner Mann, was nun' - nach Hans Fallada käme dann in der Bearbeitung von Tankred Dorst und Peter Zadek - hier werde das Ballett mitwirken, um das Stück als Revue dem Publikum vorstellen zu können. Er selber werde dieses Stück inszenieren, da es ihm darum ginge, Stücke zu finden, die auch heute das Publikum interessieren. Es gehe hier um Arbeitslosigkeit, sinnlich realisiert, ohne den Zuschauer zu erdrücken, zumal der Revuecharakter durch Einbeziehen des Balletts stärker hervortrete.
Cyrano de Bergerac werde er wieder in Szene setzen - als Freilichtproduktion.

Im Theater am Haidplatz, das ihm besonders am Herzen liege - immerhin habe er dort seine erste Gastinszenierung vor 19 Jahren gemacht - käme 'Alpenglühen' von Turrini, als modernem Autor, in der Inszenierung von Martin Pfaff, der neu in RBG sei.
'Das Ende vom Anfang' - eine gute Komödie, wie er meine - werde von Michael Blumenthal erarbeitet, der wie die Chefdramaturgin wortabschneiderisch einwarf, in RBG schon im Musiktheater tätig gewesen sei, bei 'Anatevka', 'Mann von la Mancha' und bei 'Cabaret'.
Ein griechisches Stück folge dann im Theater am Haidplatz, nämlich 'Antigone'. Christian von Treskow fiel dem Herrn Oberspielleiter anlässlich der Theatertage in Regensburg auf, nicht der Mann selber, sondern eine Inszenierung von ihm und besonders habe den Herrn Oberspielleiter fasziniert, mit welcher formalen Ambition er diese Inszenierung umgesetzte. Und er denke, dass solche Stoffe, wie 'Antigone', sehr ambitionierte Regisseure brauchen, zumal wenn man es wie in einem Raum wie am Haidplatz macht, da man ein solches Stück dort nicht psychologisch-realistisch ins Szene setzten könne. Er selber sei darauf besonders gespannt, wie die 'Antigone' letztendlich an einer der zentralsten Positionen im Spielplan werde. Er setzte auf das Theater am Haidplatz, da man gerade dort bestimmte Formen ausprobieren könne, die man möglicherweise mit großen Stücken im großen Haus nicht erarbeiten könne.
Im Turmtheater komme ein eigenes Projekt zweier Schauspieler zur Aufführung, die mal nicht an einem fremden Text oder einem Regisseur hängen, sondern selber etwas entwickeln könnten. Hier gehe es darum, dass Schauspieler oft den Eindruck hätten, ferngesteuert durch Spielplan, Besetzung und Regisseur zu sein, entgegenzuwirken, indem man sie selber mal machen lasse. Er selber begrüße solche Ambitionen, ein eigenes Projekt machen zu wollen. Es werde nun vorbereitet, mit dem Arbeitstitel: 'Heimat' - ein lustiger und ernster Abend unter der Leitung von Martin Hofer und Heinz Müller. Es könne sein, dass noch eine junge Schauspielerin hinzukomme.
'Heute weder Hamlet' vom - wie der abonnierte und ambitionierte Beobachter meint - Vielschreiber Rainer Lewandowski. Erinnert sei hier an sein großes Werk 'Ich'.

Zu dem allem, was da jetzt schon Seiten im Spielplanheft füllt, kommt noch das Kinder- und Jugendtheater, das dem Regensburger Theaterdirektor besonders am Herzen liege und er von einer eigenen Spielstätte hierfür träume. Sicherlich könnte sich Michael Heuberger selber für diese Sparte als Oberspielleiter gut vorstellen.

Alles, was da geschrieben steht, will inszeniert, mit Kulissen und Kostümen versehen, einstudiert und auch gespielt und gesungen werden. Beim Schauspiel ist das noch kein so großen Problem, gut, so alles war nicht geglückt in er laufenden Spielzeit, der 'Krug' war wirklich ein zerbrochener und bei manchem fragte sich der besorgte Abonnent, warum und warum so ?

Was ist das alles gegen das Musiktheater, mit einem Dirigenten, der rechts den Takt schlägt und links nicht Musik macht, sondern umblättert, oder einer der den Damen die Hände küsst, bei jeder Vorstellung aber andere Tempi nimmt, als die bei der Einstudierung vereinbart wurden, dass die Sänger irritiert sind.
Und ganz abgesehen von allem Drum und Dran, die tragen ihre Stimmbänder zu Markte, werden durch zu früh, zu viel, mit zu schwer, überfordert. Jetzt kommt doch das schon erwartete Stückvertragstheater.
Was der Oberspielleiter Schauspiel beschwört - das Ensemble, aus dem heraus die Produktionen gestaltet werden, führt im Musiktheater - eben weil ein geschlossenes Ensemble hier nicht permanent zusammensteht - zum Stückwerk.

Wie das alles funktionieren soll ? Armer Zuschauer und Zuhörer und die Ärmsten der Armen, die SängerInnen !
Dann natürlich auch noch "Lulu - mein Engel", als Chefstück für Theaterdirektor Ernö Weil.
Hingehauen - passt schon.

In welcher Spielzeit kommt er denn nun endlich mit der 'Frau ohne Schatten' ?
Regensburg will ja mehr sein als die Metropole der Oberpfalz - um das zu zeigen, muss 'FroSch' her.

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Als Premieren-Abonnent Theater Regensburg und Abnehmer von Karten aus dem freien Verkauf veröffentliche ich auf dieser privaten Homepage meine Meinung.
Ich
verstehe die Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthalten die Texte auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um weitere Kommentare herauszufordern.
Dieter Hansing

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