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Mächtige Schatten wirft
die Spielzeit voraus, muss der Beobachter zur
Kenntnis nehmen.
Noch laufe zwar die von 2005/2006, Produktionen
stünden, meinte die Chefdramaturgin, noch aus,
aber man wolle schon mal die neue Planung vorstellen.
Mit dem heutigen Tage sei ja auch das Spielzeitheft
erschienen und nun solle das Geplante dem Publikum
schmackhaft gemacht werden, damit die Herrschaften
wüssten, was auf sie zukomme.
Der Beginn der Spielzeit beim Musiktheater gestalte sich
so, wie die jetzt laufende aufhöre, mit einem Werk von
Verdi, jetzt 'Maskenball', dann mit dem Spätwerk 'Otello', inszeniert von dem
Regisseur, der vor Jahren 'Loreley' auf die Bühne
brachte, aufmerksame Theaterbesucher werde sich erinnern,
dass wieder einmal Übertitelung nichts mit dem Geschehen
auf der Bühne zu tun hatte, da Rupert Lummer
verschiedene Dinge anders sah, als der gemeine
Regensburger es erwartete.
Frau Schmidt, die Musikdramaturgin führte weiter aus:
Wieder aufgenommen werde aus der jetzt laufenden
Spielzeit: 'Jesus Christ', 'Don Giovanni' und der
'Maskenball', somit sei es möglich, zwei Opern von Verdi
in einer Spielzeit zu sehen.
Bei der Operette käme 'Maske in Blau' unter der
Spielleitung von Gerhard Platiel, der ja nun im dritten
Jahr in RBG tätig sei. 'Maske in Blau' - ein sehr buntes,
südlich angehauchtes Operettenspektakel, mit einem Hit -
geschickt verwandelte sie den Versprecher Musical in eine
Sachaussage, die Maske in Blau sei ja fast zwischen
Operette und Musical angesielt und sei gespickt mit Hits,
von denen die Julischka aus Budapest und Ja das
Temperament, das kenne man ja - zitiert wurde.
Ballett sei auch wieder dabei.
Danach folge als Abschluss des Gedenk-Jahres die Übernahme
aus Münster, 'Titus' - das Spätwerk Mozarts über den
blutrünstigen und zwielichtigen Herrscher in der
Ausstattung von Heinz Balthes.
Anschließend werde die Zusammenarbeit mit dem
Nationaltheater Prag fortgesetzt, als Daniel Dvorak Bühne
und Kostüme für 'Lulu' von Alban Berg gestalte. Die
Spielleitung übernehme Ernö Weil.
Wenn denn 'Lulu' nun März 2007 rauskommen soll, müsste man
nach Meinung des Beobachters eigentlich ja bei dem
schwierigen Werk schon bald mit den Proben beginnen, aber
Regensburg weiß ja noch nicht einmal, ob es die 2- oder
die 3-Aktige Fassung spielt. Immerhin sieht man schon ein,
dass die 'Lulu' ein großes Unterfangen für die
Solisten und das gesamte Haus darstellt.
Am Haidplatz sei dann - im Rahmen der Pflege der
Kammeroper - Viktor Ullmanns 'Der Kaiser von Atlantis' -
vorgesehen - nach Meinung von Frau Schmidt der
Dramaturgin, könne es als eine Parabel auf den NS-Staat
gesehen werden, wobei auch komische Situationen
entstünden, wenn der Tod das Sterben verweigere.
Regisseurin Barbara Kunze hatte in dieser Spielzeit die
Produktion 'Songs of Travel' betreut, wird jetzt dieses
Werk übernehmen.
Doris Buske - gerade als Regisseurin von Menottis 'Medium'
hervorgetreten, werde in der nächsten Spielzeit Donizettis
'Don Pasquale' leiten. So ergebe es sich, dass
RegisseurInnen wieder eine Aufgabe bekämen, wenn sie schon
am Regensburger Haus erfolgreich hervorgetreten seien.
Legt der Beobachter die Produktion 'Das Medium' zugrunden,
darf im Falle von Frau Buske gehofft, werden, sie bleibe
beim Autoren-Theater und gleite nicht ab, in die
Niederungen von Jiri Nekvasil, der ja meinte, seinen
Aufholbedarf an Regietheater ausgerechnet in Regensburg
decken zu müssen und diesen Schmarrn von 'Holländer'
zusammenmurkste.
Als letzte Produktion im Musiktheater komme 'Brigadoon',
ein Musical, das kaum gespielt werde, heraus, obwohl die
Autoren immerhin 'My fair Lady' erarbeitet hätten. Olaf
Schmidt, der Ballettdirektor, werde inszenieren. Die
Dramturgin betonte ausdrücklich, dass Schottenröcke
gezeigt würden.
Olaf Schmidt bestätigte das nur indirekt, so dass keine
klaren Aussagen aufgenommen werden konnten, jedoch
erklärte der Ballettdirektor, dass er dieses Stück
besonders schätze, auch weil die Verfilmung so schlecht
gewesen sei und das Stück kaum gespielt werde. Er nimmt es
wohl auf sich, sich hier profilieren zu wollen.
Die Compagnie verändere sich in zwei Herren-Positionen,
ansonsten bleibe das Ensemble zusammen.
Olaf Schmidt wird ein eigenes Stück vorbereiten und
inszenieren, das Tennesse Williams zugrunde legt - eine
Kollage aus verschiedenen seiner Werke mit dem Titel
'Endstation Tennesse'. Er sei der Meinung, man könne aus
den Themen mit dem Ballett noch mehr herauskitzeln als
dies über das Wort im Schauspiel möglich sei. Musik aus
New Orleans werde verwendet und der Spitzentanz komme
verstärkt zum Einsatz, da OS der Meinung sei, über den
Spitzentanz noch mehr Schärfe aus den Themen entwickeln zu
können.
Ein weiterer Abend befasse sich mit zwei Biografien - Lord
Orlando, der Favorit von Königin Elisabeth I - und der von
Virginia Woolf mit deren Geliebter, Vita Sackville-West.
Noch offen sei die Frage der Ausstattung - alles geschehe
beim Ballett unter Umständen schnell - immerhin habe man
noch einen Ballettabend in der Dreieinigkeitskirche, der
am 15. Juli Premiere haben solle, vorzubereiten.
Es gebe auch wieder eine AIDS-Tanzgala und eine
Ballettwerkstatt, die wegen der großen Nachfrage auch mal
im Velodrom stattfinden solle. Auch junge Choreographen
würden wieder vorgestellt.
Der Oberspielleiter Schauspiel führte anschließend aus,
dass er gerade von einer 'Don-Camillo'-Probe komme und von
der Sonne gestochen sei. Nun, er liebe aber die
Freilichtbühne und so werde er auch in der nächsten
Spielzeit wieder in dieser Art des Theaters unter freiem
Himmel tätig sein.
Die Spielstätte als solche habe einen großen Einfluss auf
die Gestaltung des Spielplanes. RBG verfüge gerade für das
Schauspiel über eine Vielzahl von Spielstätten, für die
geeignete Stücke gefunden werden müssten. Auch sei es
Bestandteil des Konzeptes, dass alle Stücke vom Ensemble
gespielt werden. Nur in extremen Ausnahmefällen würden
Gäste hinzu engagiert. 19 feste Positionen stünden zur
Verfügung.
Ganz bestimmte Strategien, Ambitionen würden verfolgt,
wobei auch wieder die Formen von ihm genannt wurden.
Die Physiker von Dürrenmatt lägen ihm am Herzen, stünden
an erster Stelle und eröffneten die Spielzeit. Inszenieren
werde er selber, wobei er Staub vom Werk zu wischen habe,
das Werk aber spannend sei und bleibe. Anschlössen sich
die 'Goldberg-Variationen' von Tabori, zu dem man
bestimmte formale Ambitionen haben müsse, hierfür käme als
Regisseur Johannes Zametzer. Er sei bemüht, für die
einzelnen Stücke auch passende Regisseure zu finden.
'Maria Magdalena' von Hebel sei nun endgültig an diese
Stelle in der Reihe von Produktionen gerückt, nachdem
lange ein ganz anderes Werk vorgesehen war.
Klassiker seien laut Bleiziffer mit am reichsten, weil sie
menschliches Verhalten zeigten. Wolle man diese Werke nun
heute vorstellen, müsse man neue Formen entwickeln, damit
meine er nicht eine vordergründige Aktualisierung, da
diese meist sehr platt ausfalle. Für 'Maria Magdalena'
wisse er das Regieteam noch nicht.
'Kleiner Mann, was nun' - nach Hans Fallada käme dann in
der Bearbeitung von Tankred Dorst und Peter Zadek - hier
werde das Ballett mitwirken, um das Stück als Revue dem
Publikum vorstellen zu können. Er selber werde dieses
Stück inszenieren, da es ihm darum ginge, Stücke zu
finden, die auch heute das Publikum interessieren. Es gehe
hier um Arbeitslosigkeit, sinnlich realisiert, ohne den
Zuschauer zu erdrücken, zumal der Revuecharakter durch
Einbeziehen des Balletts stärker hervortrete.
Cyrano de Bergerac werde er wieder in Szene setzen - als
Freilichtproduktion.
Im Theater am Haidplatz, das ihm besonders am Herzen liege
- immerhin habe er dort seine erste Gastinszenierung vor
19 Jahren gemacht - käme 'Alpenglühen' von Turrini, als
modernem Autor, in der Inszenierung von Martin Pfaff, der
neu in RBG sei.
'Das Ende vom Anfang' - eine gute Komödie, wie er meine -
werde von Michael Blumenthal erarbeitet, der wie die
Chefdramaturgin wortabschneiderisch einwarf, in RBG schon
im Musiktheater tätig gewesen sei, bei 'Anatevka', 'Mann
von la Mancha' und bei 'Cabaret'.
Ein griechisches Stück folge dann im Theater am Haidplatz,
nämlich 'Antigone'. Christian von Treskow fiel dem Herrn
Oberspielleiter anlässlich der Theatertage in Regensburg
auf, nicht der Mann selber, sondern eine Inszenierung von
ihm und besonders habe den Herrn Oberspielleiter
fasziniert, mit welcher formalen Ambition er diese
Inszenierung umgesetzte. Und er denke, dass solche Stoffe,
wie 'Antigone', sehr ambitionierte Regisseure brauchen,
zumal wenn man es wie in einem Raum wie am Haidplatz
macht, da man ein solches Stück dort nicht
psychologisch-realistisch ins Szene setzten könne. Er
selber sei darauf besonders gespannt, wie die 'Antigone'
letztendlich an einer der zentralsten Positionen im
Spielplan werde. Er setzte auf das Theater am Haidplatz,
da man gerade dort bestimmte Formen ausprobieren könne,
die man möglicherweise mit großen Stücken im großen Haus
nicht erarbeiten könne.
Im Turmtheater komme ein eigenes Projekt zweier
Schauspieler zur Aufführung, die mal nicht an einem
fremden Text oder einem Regisseur hängen, sondern selber
etwas entwickeln könnten. Hier gehe es darum, dass
Schauspieler oft den Eindruck hätten, ferngesteuert durch
Spielplan, Besetzung und Regisseur zu sein,
entgegenzuwirken, indem man sie selber mal machen lasse.
Er selber begrüße solche Ambitionen, ein eigenes Projekt
machen zu wollen. Es werde nun vorbereitet, mit dem
Arbeitstitel: 'Heimat' - ein lustiger und ernster Abend
unter der Leitung von Martin Hofer und Heinz Müller. Es
könne sein, dass noch eine junge Schauspielerin
hinzukomme.
'Heute weder Hamlet' vom - wie der abonnierte und
ambitionierte Beobachter meint - Vielschreiber Rainer
Lewandowski. Erinnert sei hier an sein großes Werk 'Ich'.
Zu dem allem, was da jetzt schon Seiten im Spielplanheft
füllt, kommt noch das Kinder- und Jugendtheater, das dem
Regensburger Theaterdirektor besonders am Herzen liege und
er von einer eigenen Spielstätte hierfür träume.
Sicherlich könnte sich Michael Heuberger selber für diese
Sparte als Oberspielleiter gut vorstellen.
Alles, was da geschrieben steht, will inszeniert, mit
Kulissen und Kostümen versehen, einstudiert und auch
gespielt und gesungen werden. Beim Schauspiel ist das noch
kein so großen Problem, gut, so alles war nicht geglückt
in er laufenden Spielzeit, der 'Krug' war wirklich ein
zerbrochener und bei manchem fragte sich der besorgte
Abonnent, warum und warum so ?
Was ist das alles gegen das Musiktheater, mit einem
Dirigenten, der rechts den Takt schlägt und links nicht
Musik macht, sondern umblättert, oder einer der den Damen
die Hände küsst, bei jeder Vorstellung aber andere Tempi
nimmt, als die bei der Einstudierung vereinbart wurden,
dass die Sänger irritiert sind.
Und ganz abgesehen von allem Drum und Dran, die tragen
ihre Stimmbänder zu Markte, werden durch zu früh, zu viel,
mit zu schwer, überfordert. Jetzt kommt doch das schon
erwartete Stückvertragstheater.
Was der Oberspielleiter Schauspiel beschwört - das
Ensemble, aus dem heraus die Produktionen gestaltet
werden, führt im Musiktheater - eben weil ein
geschlossenes Ensemble hier nicht permanent zusammensteht
- zum Stückwerk.
Wie das alles funktionieren soll ? Armer Zuschauer und
Zuhörer und die Ärmsten der Armen, die SängerInnen !
Dann natürlich auch noch "Lulu - mein Engel", als
Chefstück für Theaterdirektor Ernö Weil.
Hingehauen - passt schon.
In welcher Spielzeit kommt er denn nun endlich mit der
'Frau ohne Schatten' ?
Regensburg will ja mehr sein als die Metropole der
Oberpfalz - um das zu zeigen, muss 'FroSch' her.

Als Premieren-Abonnent
Theater Regensburg und Abnehmer von Karten aus dem freien Verkauf
veröffentliche ich auf dieser privaten Homepage meine
Meinung. Ich
verstehe die Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der
Kritik willen, sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu
Geglücktem oder Misslungenem. Neben Sachaussagen enthalten die
Texte auch Überspitztes und Satire. Für diese nehme ich den
Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch. In die
Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um weitere Kommentare
herauszufordern. Dieter Hansing
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