Niederschlesisches Theater Breslau
        6. / 7. 10.06

  
      "
Den Ring muss ich haben"

      
Richard Wagner
     
'Der Ring des Nibelungen'
       Rheingold / Walküre

 
 
   
 

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1813 scheiterte Napoleon bei Leipzig, Richard Wagner wurde zeitlich fast im gleichen Moment geboren, 1913 erstellte die Stadt Breslau zur Erinnerung an das erstere Ereignis die Jahrhunderthalle – nun ’Hala Ludowa’ genannt.
In dieser inszenierte der ehemalige Intendant der Niedersächsischen Staatsoper – Professor Hans-Peter Lehmann - den ’Ring des Nibelungen’. Kann wohl sein, dass zur Zeit Wagners Angelo Neumann so über Land zog, um die Werke des sächsischen Meisters unter das Volk zu bringen.

Prof. Lehmann gelingt in einem außergewöhnlichen Raum ein außergewöhnliches Werk einer Bevölkerung darzubieten, die seit dem Krieg kaum mit den Werken Richard Wagners Kontakt hatte. Erst kürzlich wurde wieder ein Richard-Wagner-Verband in Breslau gegründet – die Stadt - früher mit großer Theater-Tradition - fand nun zur Tetralogie – allerdings nicht im Stammhaus an der Gleiwitzer Straße, sondern eben in dem Monumentalbau am Rande der Stadt.
War man bisher gewohnt, ’Nabucco’ oder ’Aida’ in derartigen Räumen wie im Olympia-Stadion München zu sehen, so war nun ’der Ring’ einer so großen Halle ausgesetzt.
Eine 100 Meter breite Bühne, Bühnenboden ca. 4 Meter über dem Parkett, von da aus ca. 50 Meter in die Höhe.

Prof. Lehmann gliedert die Bühnenfläche in Podeste, verbunden durch Treppen und Schrägen, baut am Bühnenhintergrund vor einer die ganze Breite der Bühne umfassende Projektionsfläche Elemente auf – Tisch, Thron oder hockerige Sitzgelegenheit, die dann mühevoll abtransportiert werden müssen, um im nächsten Akt nicht im Wege oder einfach zum Inhalt der jeweiligen Spielszene nicht passend zu sein.

Projektionen beleben das Bild, Wolken ziehen über die Fläche, “Abendlich strahlt der Sonne Auge“, “Loge hierher“ lodert auf, “Riesenwurm ringle dich“ - nähert sich mit zwei Augen, die ’gluh’ den Betrachter ihrerseits betrachten. 2000 Personen rätseln, was für ein Ungeheuer kommt da – ist’s ein Reptil, nein eher ein Uhu. Gleichwohl, der Zuschauer hat etwas zu überlegen. Dagegen die Kröte in der ’kleinsten Klinze’, ein Frosch –so ein Kinderpüppchen – Hülle gefüllt mit Sand, wird in den Ring geworfen und am Schnürl zurückgezogen – naives Theater. Das wollte Lehmann – die Geschichte erzählen, nicht anfangen, zu deuten.

So erscheint Wotan auch nicht mit einem Porsche auf der Bühne oder sitzt mit den Plänen Walhalls am Clo, wischt sich mit diesen dann den Hintern ab wie vielleicht bei einem Herrn aus BCN, der jetzt die Stuttgarter erfreuen wird, er hat sie ganz gesittet vor sich auf dem Schreibtisch neben einem Modell der Burg. Dann auch in der Projektion auf der Opera-Folie, das Bild eines Renaissance-Baus – der Heidelberger Schloss-Fassade ähnlich.

Projektionen und Lichteffekte unterstützen den magisch-monumentalen Eindruck, der von der Monsterbühne ausgeht: Lehmann lässt die Damen Walküren aus der Kuppel der Halle – immerhin zwanzig Meter hoch - an Seilen herabturnen, fackelt eine Light-Show ab, die noch opulenter sein dürfte – aber dezent ist angesagt wie eben bei einem Hannöverschen Intendanten üblich.
Die Sängertruppe setzt sich aus Damen und Herren aus dem ehemaligen Ostblock, eingemischte ’West-Sänger’ wie Peter Swensson als Sigmund, Barbara Schneider-Hofstetter als Siegfried-Brünnhilde oder Uwe Eikötter als Loge / Mime zusammen.

Die Ost-Sängerinnen behaftet mir einer stark kehligen Technik, ergänzt durch antrainierte Lockerheit, die dann zu einem heftigen ’Bibber’ führt. Slawisch eingefärbte Artikulation muss Missverständnisse beim Publikum auslösen – einzig der Walküren-Wotan weiß, mit gespuckten Endkonsonanten auf sich und seine Text- und Rollenwiedergabe aufmerksam zu machen.

Dass auch in Breslau SängerInnen mit Partien betraut werden, für die sie nicht oder noch nicht oder nicht mehr ausreichen, ist hier wie dort nichts Neues. Das “So blühe denn Wälsungenblut“ in einen Bogen singen zu wollen, muss zu einem Problem werden, so wie Sieglinds “hehrstes Wunder“ im Atem stockt, zeigt, wie Erschöpfung, junge, unerfahrene Sänger erleiden, wobei in Breslau auch noch dazu kommt, dass riesige Entfernungen zwischen den Partnern überwunden werden müssen. Man renne mal, auch als Held, 80 Meter quer über die Bühne, um dann beim “Siegmund heiß ich und Siegmund bin ich“ punktgenau Sieglinde auf die Arme zu nehmen, um sie über eine imaginäre Schwelle zu tragen. Atemlosigkeit muss die Folge sein.

Auffallend das Stimmformat der ’Rheintöchter, die saft- und kraftvoll bis zum “was da oben sich freut“ die Zuschauer und Zuhörer ermuntern.

“Fricka naht im Wagen mit dem Widdergespann“ in einem phantasievollen großformatigen Kostüm. Es müsste sich bei dem Gefährt schon um einen größeren Heuwagen handeln, wenn die Göttin sich darauf ungefährdet bewegen will. Eine schöne Frau, die Stimme mit leichter Schärfe behaftet, kujoniert in der üblichen Weise ihren Gatten und fordert “der Wälsung falle“ – der Kampf Siegmund / Hunding effektvoll choreographiert – Wotan hebt nur den Speer und in Siegmunds Hand zerfällt der Prototyp in zwei Teile, die Brünnhilde, auf schnellen Füßen herbeigetrippelt, aufrafft, damit Siegried am zweiten Tag des Werkes – nach dem Vorspiel ’Rheingold’ - daraus nun das Schwert der Schwerter, ’Nothung’, schmieden kann.

Die Gestaltung einer Rolle beginnt bekanntermaßen mit den Füßen. Wenn nun Brünnhilde herbeigetrippelt kommt, vergisst man die Götter-Tochter mit den in den Rufen präsentierten satten Tönen und es zeigt sich ein schwer gemachter Sopran einer soubrettig Lyrischen, der dann beim “War es so schmählich“ langsam aber sicher an seine Grenzen stößt.

Die Herren können sich hören und auch zum Teil sehen lassen, Alberich erlaubt, seine Nase als vornehmlichen Resonanzraum zu vernehmen, Rheingold-Wotan, ein junger Gott, mit ausgewogen schöner Tongebung, Hunding = Fafner gewohnt dunkelfarbig bös, Fasolt unbedarft bis trottelig, mit angenehmem ’Sound’, den Rheingold-Mime hat man sicherlich schon an besseren Tagen gehört.
“Endlich Loge“ - ein erfahrener Charaktertenor, der auch ’Siegfried-Mime’ ist und sprachlich perfekt den Vorstellungen des Listigen gerecht wird. Hier hätte das Kostüm deutlicher den Feuergott zeigen können, die paar Fransen am Frack laufen optisch an den Möglichkeiten vorbei.

Das Riesenorchester mit nahezu Bayreuth-Ausmaßen – z.B. sechs Harfen, sieben Kontrabässe – begleitet die SängerInnnen gemächlich gesellenstück-artig durch die Abende, dies umsomehr als vom Pult eben keine meisterliche Inspiration, kein Feuer, nur glimmende Glut, ausgeht.

Alles in Allem eine interessante Darstellung wie auch oder gerade ’der Ring’ in einer Riesenhalle nicht verschwindet - selbst wenn jeweils seitlich Großbildprojektionen die Protagonisten in Nahaufnahmen zeigend, den Zuschauer ablenken und der Gesamteindruck ’zerläuft’ - so sind also ’der Ring’ in Hallenbespielungen mit Großorchestern wie auch Produktionen im ’Kleinen Haus’ mit der ’Lessingfassung’ möglich.

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Auf dieser privaten Homepage stelle ich meine Meinung zur Diskussion.
Ich
verstehe die Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
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Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
Dieter Hansing

 

     
 

 

 


 

 

 



 

 



 

 



 

 

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