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Was damals gesagt wurde
     
   Nachdruck aus Heft 12 - filter - November 2003   07.08.06
 
     
'Weltkulturerbe'
 

"Ja, das ist ein Titel, der uns im Hinblick auf die Infrastruktur in der Stadt aber nicht weiterbringt.
Außer einem touristischen Effekt
werden wir davon nichts haben.
"

 
 
 

FRAGEN AN DEN
OBERBÜRGERMEISTER HANS SCHAlDINGER

Wie kam die Idee, sich zu bemühen, den Titel Kulturhauptstadt zu erlangen? So etwas fällt einem nicht einfach so am Frühstückstisch ein.

Das ist richtig. Ich hatte mit der Idee schon die ganzen letzten Jahre gespielt und der Kultur-Referent hatte Gedanken in dieselbe Richtung. Als sich die bayerischen Städte, speziell Augsburg, bewarb, hielten wir den Zeitpunkt für gekommen, unseren Hut in den Ring zu werfen. Meine Absicht habe ich publik gemacht bei der Eröffnung der Ausstellung 1803, der Beschluss des Stadtrats, sich zu bewerben, wurde im Juli 2003 gefasst, seither arbeiten wir daran. Ich habe im Juni einen Workshop mit 20 Leuten aus der Regensburger Kulturszene veranstaltet, mit Befürwortern und Gegnern der Idee, darunter z. B. auch Klaus Caspers, der nicht mit mir einer Meinung war. Am Ende des Brainstormings und der Diskussion gab es niemanden mehr, der gegen Regensburgs Bewerbung gewesen wäre. Und natürlich ermutigt auch das viele Lob von außen, das wir für unser Vorhaben kriegen.

Was prädestiniert Regensburg, Kulturhauptstadt zu sein/zu werden?

Unsere Rolle - und was ich jetzt sage, bezieht sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles ist wichtig - im Gefüge Europas, an der Schnittstelle zwischen Ost und West, an der Schnittstelle zwischen Geschichte und Zukunft, die Möglichkeit die geistige Dimension, was Europa ausmacht, exemplarisch an einer Stadt lebendig werden zu lassen und darzustellen, ist ganz herausragend. Unsere Bewerbung wird sich aus vielen Facetten zusammensetzen, es würde jetzt zu weit führen, alles hier auszubreiten, aber beispielhaft sei die kulturelle und wirtschaftliche Scharnierfunktion Regensburgs im europäischen Zusammenhang genannt.

Die rasche Verpflichtung eines Kulturhauptstadtbeauftragten und die Bereitstellung eines 300.000 Euro Budgets war nicht unumstritten, zumal der Kämmerer zum Knausern verdammt ist. Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, Geld und Energie wären in unmittelbaren sozialen oder kulturellen Konzepten besser aufgehoben?

Wenn man in die Zukunft denkt und die Stadt zukunftsfähig erhalten will, muss man solche Chancen ergreifen. Jeder Zeitpunkt ist richtig, wenn es gilt, Regensburgs Aussichten zu verbessern. Die Bestellung von Herrn Feil war in den Fraktionen unumstritten, es gab da durchaus einen Konsens. Für die 300.000 Euro, die in die Bewerbung gesteckt werden, muss keine andere Ausgabe leiden, das Geld wird nicht woanders weggenommen, diese 300.000 Euro sind eine Einnahme die wir überraschend gemacht haben, die fehlen in keinen anderen Projekten. Dass es bei solchen Vorhaben Kritiker gibt, ist die normalste Sache der Welt, in diesem Falle ist das Verhältnis Befürworter - Kritiker sehr eindeutig.


Bundesgartenschau, Fußball-Stadion, Stadthalle, Bewerbung Weltkulturerbe, von anderen Großprojekten wie Straßen- und Brückenbauten gar nicht zu sprechen, und jetzt Kulturhauptstadt. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass sich Regensburg verzettelt? Wäre eine Konzentration auf weniger und fundierter vorbereitete Projekte sinnvoll?

Gegenfrage: Auf was würden Sie sich denn konzentrieren wollen?

Also, am aussichtsreichsten, denke ich, wäre in nächster Zukunft "Weltkulturerbe".

Ja, das ist ein Titel, der uns im Hinblick auf die Infrastruktur in der Stadt aber nicht weiterbringt. Außer einem touristischen Effekt werden wir davon nichts haben. Sie haben eine Reihe von Vorhaben, angesprochen, die wichtig sind, die geeignet sind, der Stadt Perspektiven für die Zukunft zu bieten. In einer Situation wie jetzt muss man sparen, muss man kürzen, auf vieles verzichten, darf aber auf eines nicht verzichten: Auf Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Wenn Sie sich anschauen, was heuer in Graz los war, sehen Sie dass alles, was in das Thema Kulturhauptstadt gesteckt wurde, eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt war. Noch eine Bemerkung: Alles, was wir tun ist gut vorbereitet. Es gibt kein Projekt mit mangelhafter Planung, daher haben wir auch statt ewig rumzudiskutieren beim Thema Bundesgartenschau das getan, was vernünftig ist. In aller Ruhe abgeklärt, ob wir das können und als sich herausstellte, wir haben dafür nicht die Voraussetzungen, haben wir uns von diesem Projekt verabschiedet. Es gibt immer nur eine richtige Lösung: Anpacken, schau’n, was geht, ernsthaft daran arbeiten, dann entscheiden.

So machen wir es auch bei Kulturhauptstadt.

Die Konkurrenz legt bereits starke Konzepte vor. Wie kann Regensburg gegen seine bayerischen Mitbewerber punkten? Gibt's einen Draht ins Kultusministerium?

Ich gehe davon aus, dass nicht mit Connections entschieden wird, allerdings spielen Beziehungen durchaus auch eine Rolle. Entscheidend ist: Man braucht jetzt noch keinen Intendanten, keine Projekte. Für de Bewerbung gibt es ganz klare Kriterien. Anhand dieser Evaluierungspunkte muss jetzt gearbeitet werden. Daneben müssen wir auf uns aufmerksam machen und unsere Stärken medial rüberbringen. Darum geht es im nächsten halben Jahr. Hätten wir jetzt bis März 2004 1,5 Millionen gebraucht, um eine vernünftige Bewerbung einzureichen, hätten wir die Segel gestrichen.

Und wie schneidet Ihrer Meinung nach Regensburg gegen die mittlerweile anderen 12 deutschen Aspiranten ab?

Da will ich mich bewusst zurückhalten. Wir beobachten die anderen sehr genau, viele Kollegen treffe ich hin und wieder, eines aber sage ich Ihnen, wenn wir keine Chance hätten vorn Gran zu sein, hätten wir uns nicht beworben. Es ist allerdings auch keine Schande, in einem solch hochkarätigen Wettbewerb nicht der Erste zu sein, aber wir haben den Willen der Erste zu sein.
 

 

   
Nachdruck aus Heft 12 - filter - November 2003
Das Gespräch führte Peter Lang.
     
 

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Dieter Hansing