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FRAGEN AN DEN
OBERBÜRGERMEISTER HANS SCHAlDINGER
Wie kam die Idee, sich zu bemühen, den Titel Kulturhauptstadt zu
erlangen? So etwas fällt einem nicht einfach so am Frühstückstisch
ein.
Das ist richtig. Ich hatte mit der Idee schon die ganzen letzten
Jahre gespielt und der Kultur-Referent hatte Gedanken in dieselbe
Richtung. Als sich die bayerischen Städte, speziell Augsburg,
bewarb, hielten wir den Zeitpunkt für gekommen, unseren Hut in den
Ring zu werfen. Meine Absicht habe ich publik gemacht bei der
Eröffnung der Ausstellung 1803, der Beschluss des Stadtrats, sich zu
bewerben, wurde im Juli 2003 gefasst, seither arbeiten wir daran.
Ich habe im Juni einen Workshop mit 20 Leuten aus der Regensburger
Kulturszene veranstaltet, mit Befürwortern und Gegnern der Idee,
darunter z. B. auch Klaus Caspers, der nicht mit mir einer Meinung
war. Am Ende des Brainstormings und der Diskussion gab es niemanden
mehr, der gegen Regensburgs Bewerbung gewesen wäre. Und natürlich
ermutigt auch das viele Lob von außen, das wir für unser Vorhaben
kriegen.
Was prädestiniert Regensburg, Kulturhauptstadt zu sein/zu werden?
Unsere Rolle - und was ich jetzt sage, bezieht sich auf
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles ist wichtig - im Gefüge
Europas, an der Schnittstelle zwischen Ost und West, an der
Schnittstelle zwischen Geschichte und Zukunft, die Möglichkeit die
geistige Dimension, was Europa ausmacht, exemplarisch an einer Stadt
lebendig werden zu lassen und darzustellen, ist ganz herausragend.
Unsere Bewerbung wird sich aus vielen Facetten zusammensetzen, es
würde jetzt zu weit führen, alles hier auszubreiten, aber
beispielhaft sei die kulturelle und wirtschaftliche
Scharnierfunktion Regensburgs im europäischen Zusammenhang genannt.
Die rasche Verpflichtung eines Kulturhauptstadtbeauftragten und
die Bereitstellung eines 300.000 Euro Budgets war nicht
unumstritten, zumal der Kämmerer zum Knausern verdammt ist. Was
entgegnen Sie Kritikern, die sagen, Geld und Energie wären in
unmittelbaren sozialen oder kulturellen Konzepten besser aufgehoben?
Wenn man in die Zukunft denkt und die Stadt zukunftsfähig erhalten
will, muss man solche Chancen ergreifen. Jeder Zeitpunkt ist
richtig, wenn es gilt, Regensburgs Aussichten zu verbessern. Die
Bestellung von Herrn Feil war in den Fraktionen unumstritten, es gab
da durchaus einen Konsens. Für die 300.000 Euro, die in die
Bewerbung gesteckt werden, muss keine andere Ausgabe leiden, das
Geld wird nicht woanders weggenommen, diese 300.000 Euro sind eine
Einnahme die wir überraschend gemacht haben, die fehlen in keinen
anderen Projekten. Dass es bei solchen Vorhaben Kritiker gibt, ist
die normalste Sache der Welt, in diesem Falle ist das Verhältnis
Befürworter - Kritiker sehr eindeutig.
Bundesgartenschau, Fußball-Stadion, Stadthalle, Bewerbung
Weltkulturerbe, von anderen Großprojekten wie Straßen- und
Brückenbauten gar nicht zu sprechen, und jetzt Kulturhauptstadt.
Sehen Sie nicht die Gefahr, dass sich Regensburg verzettelt? Wäre
eine Konzentration auf weniger und fundierter vorbereitete Projekte
sinnvoll?
Gegenfrage: Auf
was würden Sie sich denn konzentrieren wollen?
Also, am aussichtsreichsten, denke ich, wäre in nächster Zukunft
"Weltkulturerbe".
Ja, das ist ein Titel, der uns im Hinblick auf die Infrastruktur in
der Stadt aber nicht weiterbringt. Außer einem touristischen Effekt
werden wir davon nichts haben. Sie haben eine Reihe von Vorhaben,
angesprochen, die wichtig sind, die geeignet sind, der Stadt
Perspektiven für die Zukunft zu bieten. In einer Situation wie jetzt
muss man sparen, muss man kürzen, auf vieles verzichten, darf aber
auf eines nicht verzichten: Auf Investitionen in die
Zukunftsfähigkeit der Stadt. Wenn Sie sich anschauen, was heuer in
Graz los war, sehen Sie dass alles, was in das Thema
Kulturhauptstadt gesteckt wurde, eine Investition in die
Zukunftsfähigkeit der Stadt war. Noch eine Bemerkung: Alles, was wir
tun ist gut vorbereitet. Es gibt kein Projekt mit mangelhafter
Planung, daher haben wir auch statt ewig rumzudiskutieren beim Thema
Bundesgartenschau das getan, was vernünftig ist. In aller Ruhe
abgeklärt, ob wir das können und als sich herausstellte, wir haben
dafür nicht die Voraussetzungen, haben wir uns von diesem Projekt
verabschiedet. Es gibt immer nur eine richtige Lösung: Anpacken,
schau’n, was geht, ernsthaft daran arbeiten, dann entscheiden.
So machen wir es auch bei Kulturhauptstadt.
Die Konkurrenz legt bereits starke Konzepte vor. Wie kann
Regensburg gegen seine bayerischen Mitbewerber punkten? Gibt's einen
Draht ins Kultusministerium?
Ich gehe davon aus, dass nicht mit Connections entschieden wird,
allerdings spielen Beziehungen durchaus auch eine Rolle.
Entscheidend ist: Man braucht jetzt noch keinen Intendanten, keine
Projekte. Für de Bewerbung gibt es ganz klare Kriterien. Anhand
dieser Evaluierungspunkte muss jetzt gearbeitet werden. Daneben
müssen wir auf uns aufmerksam machen und unsere Stärken medial
rüberbringen. Darum geht es im nächsten halben Jahr. Hätten wir
jetzt bis März 2004 1,5 Millionen gebraucht, um eine vernünftige
Bewerbung einzureichen, hätten wir die Segel gestrichen.
Und wie schneidet Ihrer Meinung nach Regensburg gegen die
mittlerweile anderen 12 deutschen Aspiranten ab?
Da will ich mich bewusst zurückhalten. Wir beobachten die anderen
sehr genau, viele Kollegen treffe ich hin und wieder, eines aber
sage ich Ihnen, wenn wir keine Chance hätten vorn Gran zu sein,
hätten wir uns nicht beworben. Es ist allerdings auch keine Schande,
in einem solch hochkarätigen Wettbewerb nicht der Erste zu sein,
aber wir haben den Willen der Erste zu sein.
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